Mann verblutet nach Zusammenstoß

Unfall auf B459: Tödliche Ungeduld verurteilt

Langen/Neu-Isenburg/Dietzenbach - Nur sieben Sekunden waren nötig, um am frühen Morgen des 26. November 2014 das Leben zweier Familien für immer zu verändern. Von Silke Gelhausen-Schüßler

So lange dauerte der Überholvorgang eines 42-jährigen Dietzenbachers, bis er auf der B459 etwa 900 Meter vor der Kempinski-Kreuzung mit einem entgegenkommenden Fahrzeug zusammenkrachte. Der Unfallverursacher wurde schwer verletzt, der 41-jährige Fahrer des anderen Pkw starb noch an der Unfallstelle an innerem Verbluten. Nun musste sich der Bauarbeiter vor dem Amtsgericht Langen verantworten. Nach gut zweistündiger Verhandlung sprach Richter Volker Horn das Urteil: Neun Monate Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung in Tateinheit mit vorsätzlicher Straßenverkehrsgefährdung.

Lesen Sie dazu auch:

B459: Vier Kilometer lange Rennstrecke

Der 42-jährige, sechsfache Familienvater kommt auf Krücken in Saal D gehumpelt, leidet 16 Monate nach dem Unfall noch unter Dauerschmerzen im linken Bein und der linken Hand. Reha und psychologische Betreuung bestimmen seinen Alltag. Ob er je wieder auf dem Bau arbeiten kann, ist fraglich. „Ich würde gern mit der Familie des Opfers sprechen, traue mich aber nicht. Es tut mir unendlich leid“, so der Angeklagte leise. Sein Bruder habe mit der Familie des Frankfurters – er hinterlässt Ehefrau und zwei Kinder – Kontakt aufgenommen.

Ihm fehlt jegliche Erinnerung an den schicksalhaften Morgen, womöglich eine Folge der schweren Gehirnerschütterung. Das einzige, was er weiß: „Ich war auf dem Weg zu einer Baustelle in Hammersbach. Den Weg über Gravenbruch habe ich genommen, weil ich in Offenbach noch meinen Cousin abholen wollte.“

Toter bei Unfall auf B459

Zwei Zeugen und ein Sachverständiger sollen vor Gericht für Aufklärung sorgen. Eine 47-jährige Buchbinderin fuhr hinter dem Opel Astra des Angeklagten: „Er ist mir schon vorher aufgefallen, weil er ein paar Mal ungeduldig ausgeschert ist. Dann ist er raus, und da hat es auch schon geknallt.“ Der 44-jährige Lkw-Fahrer des Siebeneinhalbtonners, den der Unfallfahrer unbedingt überholen wollte, fiel der Astra erst auf, als er schon neben ihm war: „Es war wie eine Explosion, als die beiden Autos schräg vor mir zusammenkrachten.“ Laut Fahrtenschreiber war der Kleinlaster 75 Stundenkilometer schnell, was dem Astrafahrer, für den auf der Strecke 100 Sachen erlaubt sind, wohl zu langsam war.

Nach Analyse der Spurenlage fuhr der Astra beim Zusammenstoß errechnete 95 bis 115, der entgegenkommende Nissan zwischen 90 bis 110 Stundenkilometer. Beim Ausscheren sollen die beiden Fahrzeuge noch 370 Meter voneinander entfernt gewesen sein – es wäre noch genug Zeit gewesen, den Überholvorgang abzubrechen. Warum das der Astrafahrer nicht getan hat, dafür hat sein Verteidiger eine simple Erklärung: „Im Dunkeln verfügen wir nur über ein zweidimensionales Sehen, wir können Entfernungen viel schlechter einschätzen“, so Rechtsanwalt Oliver Knapp. Das Opfer habe anscheinend ebenfalls die Gefahr nicht erkannt. Knapp: „Nur zwei oder drei Sekunden haben gefehlt, dann wäre alles gut gegangen.“

Rubriklistenbild: © dpa

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion