Vitos-Tagesklinik feiert fünften Geburtstag

An alltäglichen Situationen lernen

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Den fünften Geburtstag haben sie gemeinsam mit den Kindern bereits gefeiert. Das Team der kinder- und jugendpsychiatrischen Vitos-Tagesklinik blickt auf eine erfolgreiche Arbeit zurück.

Dietzenbach - Die Vitos-Tagesklinik samt Ambulanz feiert ihren fünften Geburtstag. Gut ausgebucht war sie in dem halben Jahrtzehnt immer. Von Barbara Scholze 

Das eine und allgemein gültige Fallbeispiel gibt es nicht. Mal sind es Aufmerksamkeitsstörungen, mal Schwierigkeiten im Sozialverhalten, es geht um Bindungsprobleme oder Ängste. Die Mädchen und Jungen in der kinder- und jugendpsychiatrischen Ambulanz und der dazu gehörenden Tagesklinik an der Offenbacher Straße kommen mit ganz unterschiedlichen Problemen.

„Es ist schwer, die verschiedenen Diagnosen in eine Kategorie zu fassen“, sagt Marcus Schmitt, Leitender Arzt von Ambulanz und Klinik. Beide Einrichtungen gehören zur Vitos Klinik Hofheim, angesiedelt in Riedstadt. Seit fünf Jahren gibt es nun auch den Standort Dietzenbach. „Das haben wir kürzlich gemeinsam mit den Kindern in einem großen Sommerfest gefeiert“, erzählt Schmitt.

Zwölf Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren besuchen die Tagesklinik vom frühen Morgen bis zum Nachmittag. Etwa drei Monate bleiben sie im Schnitt. „Wir haben immer eine große Nachfrage, aber die Zahlen steigen nicht, sondern bleiben konstant“, sagt Vitos-Klinikdirektorin Dr. Annette Duve. Für jeden kleinen Patienten entwickelt das Team, bestehend aus Ärzten, Vertretern der Pflege, Erziehern, Psychiatern, Therapeuten und Sozialpädagogen ein individuell abgestimmtes Behandlungskonzept. „Wir schauen jedes Mal, was braucht genau dieses Kind“, sagt Schmitt.

Im Mittelpunkt des therapeutischen Konzeptes stehen dann neben Einzel-, Gruppen- und Familiengesprächen ganz alltägliche Situationen. Milieutherapie heißt solcherart Vorgehensweise. „Wir gehen davon aus, dass jede Lebenslage Teil der therapeutischen Auseinandersetzung ist“, sagt der Leitende Arzt. Angeboten werden daher auch Gruppen, die erst einmal simpel klingen: Kochen, Bewegungstraining und Entspannung. „Es geht aber nicht nur darum, lebenspraktische Fähigkeiten zu erlernen, vielmehr zeigen sich so viele Verhaltensmuster“, sagt Schmitt. Etwa bei Konflikten. „Jeder kann sich selbst beruhigen und lernen, dass es noch andere Möglichkeiten gibt, als gleich zuzuschlagen.“

Darüber hinaus ist Schulbesuch ein Teil des Behandlungskonzeptes. „Die Kinder müssen auch der Schulpflicht nachkommen können“, betont Duve. Am Vormittag geht es also in den Unterricht, vier Stunden lang, oder vielmehr so, wie es die Kondition der Tagespatienten zulässt. Organisiert werden die Lerneinheiten von der Dezentralen Schule für Erziehungshilfe des Kreises.

Ein weiterer wesentlicher Punkt auf dem Weg zur Gesundung der Mädchen und Jungen ist die Kooperationsbereitschaft der Eltern. „Das klappt meistens gut, die Eltern wollen ihren Kindern ja helfen“, erzählt Schmitt. Und diese sollen das tagsüber Gelernte zu Hause umsetzen können. Dabei gehe es auch darum, bei der Familie Ängste abzubauen. Schmitt: „ Der Weg in die Psychiatrie ist schließlich nicht einfach.“

Am Standort Dietzenbach hat sich das Vitos-Team von Anfang an wohl gefühlt. „Wir haben die Ärmel hochgekrempelt und uns schnell etabliert“, erzählt Pflegedienstleiter Dieter Hamisch.

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