Vogelstimmenwanderer lauschen dem Gezwitscher

Ein Konzert in freier Wildbahn

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Peter Erlemann (links) sucht mit dem Fernglas nach dem Ursprung des Vogelgezwitschers. Zusammen mit Rudolf Keil von der hiesigen Kolping-Naturschutzgruppe führte er die Vogelstimmen-Wanderung an.

Dietzenbach - Rund 25 Frühaufsteher waren bei der von den Verantwortlichen der Kolping-Naturschutzgruppe initiierten Vogelstimmen- wanderung mit dem Hobby- Ornithologen Peter Erlemann rund um den Wingertsberg mit von der Partie. Von Matthias Towae 

Twittern, nur eben anders: analog-ursprünglich, vielschichtig und nicht digital. Zudem von den ungeschlagenen Twitter-, also Zwitscherkönigen schlechthin – den Vögeln. Die dreistündige Vogelstimmenwanderung kann getrost als Freiluftkonzert aller singbegabten Tiere der hier anzutreffenden Vogelwelt bezeichnet werden. Unter Leitung von Rudolf Keil, kreisstädtischer Vogelschutzbeauftragter von der Kolpingfamilie, und Peter Erlemann aus Obertshausen, ebenfalls Vogelschutzbeauftragter und Mitglied der Hessischen Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, machte sich die Gruppe auf auf eine Lauschexkursion, zu einem Vogelkonzert in freier Wildbahn.

Treffpunkt für den Spaziergang bei Morgentau war um 6.30 Uhr der Friedhof. Die drei Stunden vergingen wie im Flug. Kühl war es, auch wenn die Sonne sich schon kräftig mühte und dazu anschickte, ihr freundliches Gesicht ungetrübt von Wolken zu zeigen. Die Vögel nutzten denn auch die Sonnenbank hoch oben auf den Zweigen, um auf Temperatur zu kommen. „Das Aufwärmen am Morgen nach der Nacht ist wichtig für die Vögel“, informierte Erlemann.

Ein Glück für das Fußvolk, da sich so sicherlich der ein oder andere Vogel länger in unmittelbarer Nähe zu den Bodentramplern aufhielt. Auf diese Weise konnte in Ruhe mit dem Fernglas in Richtung der trällernden Vogelwelt geblickt werden. Ausgestreckte Arme und Zeigefinger dirigierten immer wieder die suchende Augenpaare. Ein Vogel mit angeborenem und vergleichsweise geringem Fluchtdrang sei der Buchfink, betonte der Obertshausener Hobby-Ornithologe.

Weiteres Glück ereilte die Mitläufer der Vogelstimmenwanderung durch Petrus’ gute Laune, wenig Wind über das Land zu schicken. So war die Lokalisierung des Gesangsursprungs eine leichtere Übung. Nachtigallen, Mönchgrasmücken und der Gartenrotschwanz waren an dem Morgen besonders dominante Sänger im vielstimmigen Vogelchor. Für die Laute Letzteren hat Erlemann ein besonderes Faible: „Der Gesang des Gartenrotschwanz’ ist sehr schön“, schwärmte er, während Keil ergänzte, das dieses Federtier hier seit 20 Jahren sehr stark vertreten ist.

Mal tief, ‘mal hoch, die Rufe der Vögel sind wohl vergleichbar unterschiedlich ausgeprägt wie die Stimmlage bei den Zweibeinern. Allerdings verursachten tiefe (Kuckuck) wie auch zu hohe Töne (Goldkehlchen) im Alter Probleme, da diese nicht mehr so gut gehört werden, wie Erlemann bekannte.

Entflogene Wellensittiche und auch Kanarienvögel kreuzten der Gruppe Weg zudem. Auf die Frage einer Teilnehmer, wie diese überleben?, antwortete Erlemann prägnant aber wohl mit einem Augenrollen: „Recht gut.“

Der Halt an einem mächtig gewachsenen Baum in einem Kleingarten am Fuße des Wingertsbergs rückte den Gesang des Trauerschnäppers, einem Zugvogel, ins Zentrum der Aufmerksamkeit der Gruppe. Im nordischen, skandinavischen Raum trägt dieser schwarz. Bei uns ist er bräunlich gefiedert, machten Keil wie auch Erlemann unisono auf diese Besonderheit aufmerksam. Keil: „Der Trauerschnäpper nutze die gleichen Nistkästen wie die Meisen“. Dadurch komme es gelegentlich zu brutaler Verdrängung, weshalb er das Aufhängen und Anbieten von Nistkästen als berechtigt erachtet. Bauten Meisen sehr schöne Nester, so schustere der Trauerschnäpper flugs ‘was zusammen, stellte der kreisstädtische Vogelschutzbeauftragte trocken-humorig fest.

Auf die Frage, wie ihr die Wanderung gefallen hat, sagte Gudrun Scheufele: „Sehr gut. Besonders schön war es, die Vogelstimmen bewusst zu hören und zuzuordnen.“ Vogelexperte Peter Erlemann freute sich darüber, dass sich gleich so viele Neulinge an seine Fersen geheftet haben: „Schön, wenn man auch ‘mal etwas beibringen kann“, lächelte der Ornithologe zufrieden.

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