„Waren kompromissbereit, aber nicht erpressbar“

Vorstand der Turngemeinde kontert Sportzentrums-Attacken

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Die TGler Anja Brücher und Kira Bendel nehmen Stellung zu den Vorwürfen vonseiten des Sportzentrum-Vorstandes.

Dietzenbach - Dietzenbachs Sportwelt ist ein Stück weit aus den Fugen geraten – der Grund heißt Sportzentrum. Von Holger Borchard und Ronny Paul

Der gleichnamige, in Neugründung befindliche Verein hat in Person seiner Frontmänner Richard Hierzegger und Gerd Jünger (Ex-Spartenvorstände der Turngemeinde) reichlich Staub im Städtchen aufgewirbelt. „Und das mit unfairen Mitteln und Unwahrheiten“, beklagt der TG-Vorstand, der den Zeitpunkt gekommen sieht, die leidige Geschichte aus Turngemeinde-Sicht aufzurollen. „Als Vorstände der TG Dietzenbach haben wir uns bisher nicht zu den falschen Aussagen, die in der Öffentlichkeit getätigt wurden, geäußert – und wir werden es auch nur dieses eine Mal tun“, leiten Kira Bendel (Vorstand Innovation), Roland Henneberg (Sport) und Anja Brücher (Öffentlichkeitsarbeit) das Gespräch mit der Redaktion ein. Dem Sportzentrums-Tandem via Lokalzeitung entgegenzutreten ist dem Trio im Wesentlichen aus zwei Gründen Herzensangelegenheit: „Erstens müssen die persönlichen Angriffe und Diskreditierungen der vergangenen Wochen und Monate ein Ende haben“, sagt Kira Bendel. „Und zweitens haben unsere Mitglieder ein Recht auf klare und wahre Information durch den Vereinsvorstand“, fügt Roland Henneberg hinzu. „Wir sprechen von einer kleinen Gruppe aus der TG-Abteilung Turnen und Tanzen, die derzeit versucht, die Vereinswelt in Dietzenbach auf den Kopf zu stellen – und das auf Basis von Unwahrheiten und falschen Darstellungen.“

Rund 800 Mitglieder zählt die Turngemeinde in ihren vier Abteilungen Handball, Tennis, Turnen und Tanzen sowie Fitness. Mit etwa 400 Mitgliedern bilden die Turner und Tänzer die größte Sparte. Dies wohl wissend, habe deren Spartenleitung in den vergangenen Jahren ein Gebaren an den Tag gelegt, „das der Gesamtverein so nie haben wollte und schon gar nicht finanzieren konnte“, schildert Henneberg. „Sie hat grundsätzliche Regelungen und Abmachungen in den Wind geschlagen und agiert, als ob sie frei über finanzielle Angelegenheiten entscheiden könnte. Es wurden Trainer ohne Rücksprache eingestellt, keine Verträge vorgelegt und Stundenlöhne jenseits jeglicher Kostenrahmen gezahlt.“

Unter Hierzegger – gerade mal seit 2015 im Spartenvorstand – und Jünger habe die Abteilung Turnen und Tanz „immer mehr den Verein im Verein gegeben“, betont Anja Brücher. „Den Hinweis, dass da einiges aus dem Ruder läuft, gerade finanziell mit überzogenen Budgets, und dass wir als Verantwortliche im Hauptvorstand letztlich in der Haftung stehen, hat der Spartenvorstand geflissentlich ignoriert.“ Und mehr, ergänzt Bendel: „Es wurde massiv gedroht – mit Austritt, mit Anwalt und auf persönlicher Ebene. Gerade für unseren Kassierer Urs Schäfer waren die vergangenen Monate unverdient unerfreulich.“

„Die TG Dietzenbach wird von einem Hauptvorstand geleitet“, erinnert Bendel. „Dieser ist im Sinne aller Sparten tätig und allen Mitgliedern gegenüber gleichermaßen verpflichtet.“ Das habe man der Leitung der Sparte Turnen und Tanzen immer wieder signalisiert – „die schier endlosen Sondersitzungen sind allesamt protokolliert“. Genutzt habe das nix, im Gegenteil: „Mehrheitlich-demokratische Beschlüsse wurden durch den ehemaligen Spartenvorstand in Frage gestellt. Einzelne Mitglieder wurden diskreditiert und damit letztlich der komplette Verein“, fasst Henneberg zusammen.

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Eskaliert sei das Ganze mit Einführung des sogenannten Vier-Augen-Prinzips für sämtliche Sparten. „Selbiges hat zum Ziel, dass Zahlungen nicht im Alleingang angewiesen werden, ganz einfach, um Fehler und böse Überraschungen zu vermeiden“, sagt Bendel. „Das ist in vielen Vereinen schon lange Usus.“ Dem Verhältnis zwischen TG-Haupt- und Spartenvorstand Turnen und Tanzen habe es finalen Sprengstoff beschert. „An diesem Punkt mussten wir uns einfach fragen: Was wollen wir?“, sagt Henneberg. „Um gemeinsam den Sport zu fördern, muss man sich auch mal zurücknehmen. Aber wenn auf der anderen Seite jemand seine Profilneurose auslebt, geht jedes noch so gute Wort unter. Ich habe schon vor einem Jahr mit Herrn Hierzegger und mit der Familie Jünger zusammengesessen und versucht zu schlichten, aber das war einfach unmöglich, da es immer nur um Personen, Vorwürfe, Be- und Empfindlichkeiten ging.“

Der Vorschlag, eine Mediation einzuschalten, sei im Übrigen vom Hauptvorstand gekommen“, merkt Brücher an. „Die Aussage, dass die Abteilung die Hälfte der Kosten übernimmt, wurde nicht geäußert.“ Der Hauptvorstand wiederum habe „einen integeren, objektiven Mediator gewollt, nicht aber den bezahlten Anwalt von Herrn Hierzegger“. Fazit: „Wir waren kompromissbereit, aber nicht erpressbar!“ Etliche der in jüngster Zeit seitens des Sportzentrums-Duos öffentlich getroffenen Aussagen seien unwahr, stellen die TG-Vorstände fest. Exemplarisch halten sie Hierzeggers und Jüngers Interview in unserer Zeitungsausgabe vom 26. Juli Folgendes entgegen:

  • In den TG-Finanzen wird und wurde nichts verschoben oder verlagert. Das ist eine unverschämte und unwahre Behauptung. Zuschüsse für Trainer und Sonstiges wurden schon immer vom Vorstand den betreffenden Abteilungen gutgeschrieben, ebenso wie laufende Kosten auf alle Abteilungen entsprechend ihrer Mitgliederzahlen umgelegt wurden.
  • Die Kostensteigerung für die Abteilung Turnen und Tanzen im Jahr 2015 lag bei 39 Prozent, nicht bei den im Interview genannten 80 Prozent. Sie entstand größtenteils durch die vom Vorstand 2014 gemeinsam mit den Abteilungsleitern, auch mit dem damaligen Abteilungsleiter der Turn- und Tanzabteilung, Gerd Jünger, beschlossenen Einrichtung einer Geschäftsstelle mit festen Öffnungszeiten.
  • Der neue Verein hebt sich nicht ab. Die TG bietet immer noch Leistungssport an und das sehr erfolgreich im Mädchen-Leistungsturnen, mit circa 80 Mädchen und sieben Trainern. Der kleinere Bereich im Leistungsturnen der Jungen – circa 20 Jungen und drei Trainer – wurde abgeworben. Dies zum Teil auf Basis falscher Angaben zur aktuellen Situation gegenüber den Eltern durch die wechselnden Trainer – und dies unter den Augen der TG-Verantwortlichen.
  • Die sieben weiblichen Leistungstrainer haben sich für den Verbleib in der TG entschieden; hier geht es um 60 (Leistungs-)Turnerinnen im Kinder und Jugendalter, die auch in den nächsten Jahren erfolgreich für die TG turnen werden.
  • Aktives Abwerben durch das Sportzentrum findet sehr wohl statt; das wird von den anderen Vereinen bestätigt. Trainer und Mitglieder wurden offensiv angesprochen, auch mit der Aussage: „Egal, was ihr bisher bekommt, wir zahlen mehr.“ Es gibt aber auch zum Glück noch loyale Trainer, die hinter die Kulissen schauen.
  • Die Turngemeinde rechnet mit maximal 50 bis 80 Abgängen nebst sieben Trainern aus dem Bereich Turnen & Tanzen, zumal von dessen rund 400 Mitgliedern drei Viertel passiven Status haben.
  • Nach den Ferien geht das umfangreiche TG-Programm mit mehr als zwei Dutzend Angeboten von Breakdance bis Trampolinturnen unverändert an sechs Tagen die Woche weiter.

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