Seit 20 Jahren ein Treffpunkt für die Jugend

„Wolke 7“: Wie das zweite Wohnzimmer

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Ein Prosit auf die Wolke 7: Dominik Jünger (links), Florian Lied (Zweiter von rechts), ehemalige Zivis, Stammgäste und Café-Ag-Mitglieder stoßen gemeinsam auf ihr zweites Wohnzimmer an.

Dietzenbach - Ein Hoch auf 20 Jahre Jugendtreff Wolke 7! Vieles hat sich verändert, viele Gesichter aber sind geblieben. Mit einer Party wurde der runde Geburtstag gefeiert. Von Carolin Henneberg und Barbara Scholze 

„Du bist reingekommen und es war einfach immer jemand da, den du kanntest. Und wenn nicht, hast du die neuen Leute die da waren halt einfach schnell kennengelernt“, erzählt Florian Lied. „Sie war, beziehungsweise ist, wie mein zweites Wohnzimmer.“ Sätze wie dieser ziehen sich durch den Abend, denn der Jugendtreff „Wolke 7“ feiert sein 20-jähriges Bestehen. Der 29-jährige Dietzenbacher hat 2008 noch seinen Zivildienst im Hildegardishaus der katholischen Pfarrgemeinde St. Martin und damit eben auch in der „Wolke“ geleistet. Als der Wehrdienst 2011 abgeschafft wurde, gab’s auch keine Zivis mehr. Es entstand die Café-Ag aus Ehemaligen, die sich ehrenamtlich weiter um das Jugendcafé kümmern. „Wir helfen beim regulären Betrieb, bei Partys und organisieren die verschiedenen Events wie das monatliche Pub-Quiz mit“, sagt Lied.

Auch Dominik Jünger ist Teil der Wolke-Familie, ist dort mittlerweile angestellt: „Sie ist einfach ein Liebhaberstück“. Das hat er schon vor vier Jahren bei der umfangreichen Renovierung so gesehen, als das Bistum Mainz einen hohen fünfstelligen Betrag bereit gestellt hat. „Nachdem es damals mit dem Club 33 zu Ende ging, hab ich mich der Wolke zugewandt. Mir sind die Leute hier schnell ans Herz gewachsen.“ Jugendtreffs seien enorm wichtig und müssten unbedingt erhalten werden. „Unser Ziel ist es, jetzt den Altersdurchschnitt wieder ein bisschen zu senken, denn viele von den Gästen heute waren auch vor zehn Jahren schon da“, sagt Jünger.

Christian Reinartz erinnert sich noch gut an die Anfänge und die „wilden“ Gründungszeiten. Als zweiter Zivildienstleistender stieg er 1997 ein und blieb der Initiative viele Jahre verbunden. „Zu Beginn war es nicht ganz so einfach“, erzählt er. Richtig offene Jugendarbeit habe in Dietzenbach zu dieser Zeit niemand sonst angeboten. Die Jugendlichen, die in die Wolke kamen, mussten sich an das freie Zusammensein erst gewöhnen, was nicht immer ohne Auseinandersetzungen abging. Nicht gerade zur Gemütlichkeit beigetragen habe auch die erste Einrichtung, an die Reinartz mit Grauen zurückdenkt. „Es war der klassische Stil Mehrzweckraum mit praktischen Stapelstühlen und Stapelgeschirr.“

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Dann entwarf das Organisationsteam ein neues Konzept. Nur noch mit Clubkarte war der Eintritt in die Wolke möglich. Manche Karte musste wegen ungebührlichen Benehmens entzogen werden, dazu kam es zu Drohungen, wenn der Ausweis für stadtbekannte Querulanten gar nicht erst ausgestellt wurde.

Irgendwann sei es friedlicher geworden, es seien „legendäre Zeiten“ angebrochen. „Wir hatten jede Menge Motto-Partys mit Hunderten Gästen, die Leute standen in Scharen vor der Tür und unsere Türsteher mussten den Einlass regeln“, so der ehemalige Zivi. Vor etwa acht Jahren hat sich der heute 38-Jährige aus dem Cafégeschehen zurückgezogen. „Irgendwann mussten die Jungen ran“, sagt er. Die Entwicklung verfolgt er noch immer interessiert. „Wobei ich nicht sicher bin, ob solch ein Konzept der offenen Jugendarbeit noch zeitgemäß ist.“

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