Modellprojekt „Davet“ geht in Runde zwei:

Im Zeichen der Gesundheit

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Necati Suözer (AOK-Fachkoordinator Ethno-Marketing, von links), Rafet Solak (TDG-Vorstandsberater), Jo Dreiseitel (hessischer Staatssekretär), Yasar Bilgim, Vorsitzender der TDG, Erster Stadtrat Dieter Lang und Ralf Metzger (AOK-Unternehmenskommunikation) freuen sich über die Fortsetzung des Davet-Modellprojektes.

Dietzenbach - Das Modellprojekt „Davet“ (Einladung) der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung und der AOK-Hessen geht in der Kreisstadt in die zweite Runde. Der Fokus in Phase zwei liegt auf der Prävention. Zudem weitet sich das Projekt auf Neu-Isenburg und Dreieich aus. Von Ronny Paul 

Diabetes, hoher Blutdruck, Übergewicht – „Krankheitsbilder, die gut behandelt werden können“, sagt Mediziner Dr. Yasar Bilgim, Vorsitzender der Türkisch-Deutschen Gesundheitsstiftung (TDG). Und solche Befunde seien während rund 900 Vorsorgeuntersuchungen in der ersten Phase des Davet-Projektes (2012 bis 2014) vermehrt bei türkischstämmigen Patienten von den teilnehmenden Ärzten festgestellt worden. Die Ergebnisse der Vorsorgeuntersuchungen hat Medizinerin Professor Eva-Maria Bitzer von der Universität Freiburg evaluiert. Konkret hatten laut Bilgim 15 Prozent Diabetes, 21 Prozent Bluthochdruck und rund 50 Prozent der weiblichen Dietzenbacher Patienten Übergewicht. „Da kann man nicht zuschauen, da muss man reagieren: Es geht um Menschenleben“, sagt Bilgim.

Das Vorsorge- und Präventionsprojekt hat sich, wie berichtet, auf die Fahne geschrieben, die türkischstämmige Zielgruppe für präventive Angebote zu sensibilisieren und den Weg zum Arzt sowie entsprechende Früherkennungsuntersuchungen zu erleichtern. „Es kann nicht sein, dass Menschen, die in Deutschland versichert sind, diese Angebote nicht wahrnehmen“, sagt Bilgim.

Bei der angelaufenen zweiten Projektphase, die bis Ende 2018 andauert, steht Prävention im Mittelpunkt, also Gesundheitskurse zu Ernährung, Bewegung und Entspannung, um den typischen Krankheitsbildern vorzubeugen. In Dietzenbach gibt es im Bürgerhaus (Europaplatz 3) etwa die Kurse „Sanftes Rückentraining für Frauen“ (montags, 13 Uhr), Yoga (mittwochs, 10 Uhr) und „Aktiv abnehmen“ (donnerstags, 10 Uhr). Die Angebote werden zweisprachig beworben, bei Bedarf kommen Dolmetscher dazu, um Verständigungs- und Sprachprobleme zu lösen.

Auch die zweite Phase wird wissenschaftlich begleitet, um die Wirkung der Präventionsangebote genauer zu untersuchen. „Es gibt viele Menschen, die wichtige, komplizierte Informationen in der deutschen Sprache nicht vermitteln können“, weiß Bilgim. Gesundheit dürfe nicht an der Sprache scheitern, „der Arzt muss eine optimale Kommunikation mit den Patienten führen“. Immerhin leben in der Kreisstadt rund 4 300 Menschen mit türkischer Staatsangehörigkeit, darunter etwa 1000 mit doppeltem Pass, informiert Erster Stadtrat Dieter Lang (SPD). „Davet 2“ füge sich gut in das Angebot der Kreisstadt ein. „Dietzenbach eignet sich sehr gut für das Projekt“, sagt Ralf Metzger, Leiter der AOK-Hauptabteilung für Unternehmenskommunikation. „Wir wollen den Lebensstil der Menschen hin zu Vorbeugung und Achtsamkeit beeinflussen, so dass diese bewusst über Gesundheit nachdenken.“ Derzeit seien sechs Fach- und Allgemeinärzte (vier in Dietzenbach, je einer in Dreieich und Neu-Isenburg) am Programm beteiligt. Das Projekt könne allerdings noch mehr Ärzte gebrauchen, die mitmachen, sagt Metzger.

Das Projekt an den Mann bringt unter anderem Rafet Solak, Berater des TDG-Vorstandes. Er putzt Klinken, um die türkischstämmigen Mitbürger für das Projekt zu gewinnen. Rund 80 Prozent der teilnehmenden Dietzenbacher habe er so zum Mitmachen bewegt. Er sagt: „Mit Hausbesuchen kann man viele Menschen erreichen.“ Er hofft allerdings, in der zweiten Phase noch mehr Bürger für das Projekt zu gewinnen. Die Landesregierung, die das Davet-Projekt 2014 mit dem Hessischen Gesundheitspreis in der Kategorie „Gesund bleiben“ ausgezeichnet hat, hat die Schirmherrschaft inne. Jo Dreiseitel (CDU), hessischer Staatssekretär für Integration und Antidiskriminierung, lobt: „Das Projekt dient der Aufklärung und Information und hilft, Verhalten gesundheitsfördernd zu verändern.“ Die Angebote gibt es nun auch in Dreieich und Neu-Isenburg.

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