Alle Erwartungen übertroffen

300. Sprendlinger Kerb wird zur Mega-Sause

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Es ist harte Arbeit, bis der Baum endlich steht. Später wird der Kerbborsch Max Winter hochklettern und die Kerbpuppe auf den Stuhl setzen. Bis zum Dienstag hat der „Mocker-Prinz“ dort seinen Platz.  

Sprendlingen - Große Resonanz, Mega-Stimmung und überall fröhliche Gesichter – an die 300. Sprendlinger Kerb werden sich alle Beteiligten und Besucher noch lange gerne erinnern. Die ersten drei Tage der Jubiläumssause waren schon einmal ein riesiger Erfolg. Von Holger Klemm 

„Wir haben uns gewünscht, dass es gut läuft und im Vorfeld viel Zuspruch und Unterstützung erfahren. Es ist aber das letzte kleine Fragezeichen, ob es auch wirklich so eintrifft.“ Doch Oliver Bohrer, Vorsitzender des Kerbteams, und seine Mitstreiter können schon am Freitagabend alle Zweifel aus dem Weg räumen. Pünktlich zum Bieranstich ist das Zelt rappelvoll. Der Andrang übertrifft alle Erwartungen. Schon da steht fest: Der immense Aufwand im Vorfeld hat sich gelohnt. Bis gegen Mitternacht halten die Gypsys mit Rock und Pop die mehr als 1000 Besucher bei Laune. Viele andere, denen es im Zelt zu heiß ist, versorgen sich draußen mit kalten Getränken, prosten sich zu und genießen den herrlichen Sommerabend. Als Rückzugsort ist der lauschige Garten der SKG das ideale Plätzchen.

Auch der bunte Umzug am Samstagnachmittag lockt viele Besucher und Teilnehmer an. Trotz Ferienzeit ziehen Hunderte Vertreter von Vereinen und der verschiedenen Jahrgänge fein herausgeputzt durch die Innenstadt. Für Stimmung sorgen drei Kapellen der Sprendlinger Turngemeinde, der Firedrum’s des Mühlheimer Karneval Vereins (MKV) und des Musikzugs Darmstadt. „Es hat großen Spaß gemacht. Nur unter den Kostümen war es zu warm“, gesteht Alexandra Jung (MKV) nach der Ankunft am Kerbplatz. Dort warten alle auf die Kerbborschen, die den Schlusspunkt setzen. Doch bevor sie mit dem schweißtreibenden Baumaufstellen beginnen können, stellen sich ihnen die Kerbborschen von 2011, dem bis dahin letzten Jahrgang, in den Weg. Beim traditionellen Freisingen räumen diese erst den Ort, nachdem ihnen zwei Fässer Apfelwein zugesagt wurden. „Unser Abend ist gerettet“, freut sich Simon Weimer. „Wir hatten damals ein tolle Zeit.“ Während viele Altersgenossen kein Interesse mehr haben, war es für den Sprendlinger selbstverständlich, die Tradition hochzuhalten.

300. Sprendlinger Kerb: Tanz übers Feuer

Auch an einer anderen Tradition halten die 2011er fest, in dem sie das Loch für den Kerbbaum mit Wasser und Luftballons füllten. „Wir wussten schon, dass die etwas im Schilde führen“, erzählt Kerbvadder Marvin Deike. So wartet erst einmal ein weiteres Stück Arbeit. Danach können die Kerbborschen mit Unterstützung des Kerbteams die Stangen ansetzen. An die 75 Minuten benötigen sie, bis die Fichte steht, genau beobachtet von Andreas Werkmann, der gleich ein dreifaches Jubiläum feiern kann. Es ist die 300. Kerb, vor 30 Jahren war er Kerbborsch und zum 25. Male ist er für die Aufstellung des Baums zuständig. Und nicht nur das: Zuvor übernahmen sein Urgroßvater und Großvater diese Aufgabe. „Ich bin jedes Mal erleichtert, wenn der Baum steht“, räumt er ein. In den vergangenen Jahrzehnten sei aber kein Baum umgefallen. „In den 20er Jahren soll es einmal einen Vorfall gegeben haben.“ Genaueres sei nicht bekannt. Bevor er zum Feiern übergehen kann, gibt es vom Kerbteam als Anerkennung eine Urkunde. „Ich mache weiter, bis mein Sohn bereit ist“, verspricht Werkmann.

Zweiter Tag: Bilder der 300. Sprendlinger Kerb

Das Zelt ist in der Zwischenzeit schon gut besucht. Dort finden sich zahlreiche ehemalige Kerbborschen – darunter auch die von 1954. „Wir sind damals von Gaststätte zur Gaststätte gezogen und haben fast immer einen ausgegeben bekommen“, erinnert sich der 82-jährige Walter Schäfer. Nach einer Durststrecke sei es dem Kerbteam zu verdanken, die Tradition wiederbelebt zu haben. Und so war es auch für 54er Ehrensache, dabei zu sein. „Wir mussten erst einmal unsere Standarte wiederfinden“, erzählt Schäfer. Zudem hätten sie sich neue rote Scherpen bestellt, da ihre alten nicht aufzufinden waren.

„Es ist sogar noch besser als wir es uns vorgestellt haben“, freuen sich Kerbvadder Deike und Fahnenträger Benedikt Rudolf. „Schon der Einlauf am Freitag war ein Gänsehautmoment.“ Sie hoffen, dass die Stimmung bis Dienstag weiterhin so gut bleibt.

Bilder: Auftakt der 300. Sprendlinger Kerb

Das ist zumindest am Samstagabend der Fall, als es bei der Frankfurter Oktoberfest Band und den Junx aus Hamburg kaum noch einen auf den Sitzen hält. Auch der gestrige Gottesdienst in der Erasmus-Alberus-Kirche ist für viele ein Muss. „Wir sind überwältigt“, sagt Bohrer beim anschließenden Frühschoppen. Alles sei friedlich und fröhlich. Nun gilt es, die letzten Tage der 300. Kerb zu genießen.

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