„Es geht allein um die Hygiene“

Bäderbetriebe verteidigen Anschaffung von Burkinis

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Auch im Parkschwimmbad gehören die Burkinis seit dieser Saison zum Ausleihsortiment. Bislang sei der Service aber noch nicht oft nachgefragt worden. Badehosen oder Badeanzüge können ebenfalls ausgeliehen werden, damit Gäste, die diese vergessen haben, trotzdem schwimmen können.

Dreieich - „Badebekleidung ist Badebekleidung – und Religion ist Religion.“ Mit diesen Worten nimmt die Stadt-Holding, die beide Bäder betreibt, Stellung zur Kritik an der Anschaffung von Burkinis.

Seit März dieses Jahres bieten die Schwimmbäder Dreieich ergänzend zu ihrem bisherigen Badebekleidungsverleih auch zehn Burkinis an. „Die aktuell zunehmende Diskussion um diesen zusätzlichen Service scheint in der Allgemeinheit offensichtlich ein Missverständnis entfacht zu haben“, heißt es in der Erklärung. Im Fokus stünden Hygienevorschriften und sonst nichts. Bei dem Burkini-Verleih gehe es weder um wirtschaftlichen Profit noch um Religion, sondern ganz sachlich um die Einhaltung der Hygiene- und Bekleidungsvorschriften aus der eigenen Satzung. „Darin ist das Tragen von üblicher Badebekleidung aus hygienischen Gründen Vorschrift – so einfach ist das“, sagt Betriebsleiterin Dalila Kahl. Nicht der Schnitt und erst recht keine religiösen Beweggründe hätten über die Aufnahme in das Verleihsortiment entschieden, sondern ausschließlich das vorgeschriebene Material aus Elastan oder Polyester. Wenn das Material stimme, könnten Gäste auch ihren eigenen Neoprenanzug mitbringen, so Kahl.

Die Ganzkörperschwimmanzüge erfüllten die Vorschriften. Das Tragen von Unterwäsche unter der elastischen Badekleidung sei nicht erlaubt, ebenso wenig wie herkömmliche Straßenkleidung. Viele Muslima möchten jedoch im Badebereich ihren Körper bedecken, so Kahl. Aus diesem Grund hätten die Badbetreiber ihr Sortiment neben Badehosen und Badeanzügen um Burkinis erweitert. Diese ermöglichten muslimischen Frauen nicht nur das Schwimmen, sondern auch die Begleitung der Kinder. „Wir hatten bereits mehrere Fälle, in denen Mütter in T-Shirt und Leggings am Beckenrand in der Nähe ihrer Kinder bleiben wollten. Wir können und wollen diese Frauen nicht des Bades verweisen, nur weil sie Straßenkleidung tragen“, führt die Betriebsleiterin aus. Daher habe es die Entscheidung für die Erweiterung des kostenpflichtigen Ausleihsortiments gegeben. „Unser Ziel ist es, möglichst wenige Gäste abweisen zu müssen“, betont Kahl. Bislang hätten acht Frauen das Angebot in Anspruch genommen. Das Sortiment gebe es, um Gästen, die ihre Badesachen vergessen hätten, das Schwimmen zu ermöglichen.

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Den Diskussionen um ideologische Auffassungen, Religion oder Migration möchten sich die Schwimmbäder nicht anschließen. Kahl: „Wir nehmen sehr wohl den Beigeschmack wahr, der in den Diskussionen um ein Burkini-Verbot mitschwingt. Daran möchten wir uns nicht beteiligen. Bei uns ist jeder willkommen, vorausgesetzt, er trägt eine satzungsgerechte Badekleidung.“ Ob der Gast einen Neoprenanzug, moderne UV-Schutz-Bekleidung oder Burkini trage, sei daher gleich. Es gehe ausschließlich um die Teilnahme am Schwimmen, nicht um religiöse Fragen. In der öffentlichen Diskussion werde zudem unterstellt, dass Flüchtlinge kostenfreien Eintritt genießen und ein Schwimmtag nur für Frauen eingeführt werden soll. „Das stimmt nicht“, versichert Dalila Kahl. Grundsätzlich müsse jeder für seinen Eintritt bezahlen. Einen Schwimmtag nur für Frauen gebe es in Dreieich auch nicht. Da lasse sich kein Zündstoff für eine migrationsfeindliche Position ableiten, „auch wenn sich das einzelne Personen wünschen“, so Kahl.

Der Burkini habe sich als übliche Badebekleidung durchgesetzt. Die Betriebsleiterin verweist dabei auf ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts aus dem Jahr 2013. Damals hätten Eltern einer muslimischen Schülerin auf Befreiung vom Schwimmunterricht für Mädchen und Jungen geklagt, da dieser mit den islamischen Bekleidungsvorschriften nicht vereinbar sei. Die Klage sei mit dem Verweis auf die Burkinis abgelehnt worden. Auch die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen führe in ihren Veröffentlichungen den Burkini als übliche Badebekleidung. Zudem mussten laut Kahl Vorstöße in anderen Bädern, solche Ganzkörperanzüge zu verbieten, aufgrund fehlender Rechtsgrundlage fallengelassen werden. Deutschlandweit sei ihr nur ein Badbetreiber bekannt, der trotzdem Burkinis verboten habe. hok

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