Zahlungsverkehr mit SEPA

Banken nicht auf der Höhe der Zeit

Dreieich - Im bargeldlosen Zahlungsverkehr beginnt im Februar 2014 mit Einführung von SEPA (Single Euro Payments Area) eine neue Zeitrechnung. Von Frank Pröse

Die Umstellung auf den neuen Standard für Überweisungen und Lastschriften ist ein milliardenteures Infrastrukturprojekt, das Wirtschaft und Wohlfahrt im Blitzverfahren stemmen müssen.

Vieles steht bei einem Nicht-Gelingen auf dem Spiel: Die Jobs bei Unternehmen, die zu lange vom Geldfluss abgeschnitten sind, weil sie die SEPA-Umstellung nicht pünktlich geschafft haben. Daraus resultierende Liquiditätsengpässe können auch die Leistungsfähigkeit von Hilfsorganisationen und Vereinen treffen. Die Gefahr ist allgemein bekannt, doch Informationen sollen die Öffentlichkeit erst nach der Wahl am 22. September mit Wucht treffen. Da bleiben gerade einmal nur noch vier Monate Zeit – um sich auf die tiefgreifenden Veränderungen einzustellen, die die Politik den Europäern eingebrockt hat.

Banken hinken hinterher

Die Politik trägt denn auch die Hauptschuld an der Misere, dass Deutschland als stärkste Wirtschaftskraft Europas bei den Vorbereitungen auf SEPA weit unten in der europäischen Rangliste steht. Selbst Länder wie Finnland und Luxemburg, die im Außenhandel nur eine untergeordnete Rolle spielen, sollen inzwischen für den 1. Februar 2014 besser gerüstet sein. Armin Gerhardt, Vorstandsvorsitzender des Zahlungsverkehrsdienstleisters EfiS EDI Finance Service AG in Dreieichenhain: „Die Politiker haben die Dimension der SEPA-Umstellung unterschätzt. Schlimmer noch: Sie haben mit ihrer lange Zeit vorherrschenden Anti-SEPA-Haltung auch noch die Vorbehalte in der Bevölkerung verstärkt und die Schwellenangst geschürt.“

Als ein Beispiel nennt Gerhardt den Vorsitzenden des Europaausschusses im Bundestag Gunther Krichbaum (CDU). Dieser habe noch im Mai 2011, als längst festgestanden habe, dass an der EU-Verordnung zur Standardisierung des Zahlungsverkehrs kein Weg vorbeiführen würde, SEPA als „größten Schwachsinn aller Zeiten“ tituliert und dafür auch noch zustimmendes Gelächter aller Fraktionen erhalten. Inzwischen sei der Bundestag komplett auf SEPA-Kurs eingeschwenkt.

Die Bevölkerung ist verunsichert

Doch das Thema werde noch immer stiefmütterlich behandelt - zumindest von den etablierten Parteien, so Gerhardt. Der hält es für bezeichnend, dass ausgerechnet die Linksfraktion als einzige umgehend auf einen Brandbrief reagiert habe, in dem die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) den deutschen Kreditinstituten Versäumnisse bei der Umsetzung der SEPA-Standards anlaste und ihnen gehörig Dampf mache. „Eine Planwirtschaftspartei besetzt ein Thema, das für die deutsche Wirtschaft von herausragender Bedeutung ist - eigentlich ein Witz“, meint der Dreieicher Unternehmer und SEPA-Experte.

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Besorgniserregend bleibt der Stand der Vorbereitung auf SEPA in den Banken. So warnt die BaFin in ihrem Rundschreiben an alle deutschen Kreditinstitute eindringlich vor den Folgen, die sich aus einer verspäteten Umstellung auf den einheitlichen Euro-Zahlungsverkehrsraum insbesondere für Firmenkunden ergeben werden. Die Liquiditätsversorgung von Unternehmen könne massiv gestört werden, sogar Firmenpleiten drohten. Die Banken werden aufgefordert, bis spätestens 22. Juli 2013 Rechenschaft über den Stand ihrer technischen Vorbereitungen und die Kommunikation mit ihren Kunden abzulegen.

Finanzexperte Armin Gerhardt sieht aber doch noch Chancen für ein gutes Ende. Eine für alle Bereiche - Firmen, Vereine und Verbraucher - gestartete SEPA-Aufklärungsoffensive komme sicher nicht zu spät: „Das Schwarze-Peter-Spiel beenden, Ärmel hochkrempeln und durch. Dann schaffen wir das noch“, ist der EFiS-Chef überzeugt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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