Inklusive Musical-AG von EKS und GBS

Bühnenerfolg stärkt Förderschüler

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Jeder spielt, singt und musiziert so gut wie er kann: Nach diesem Prinzip funktioniert das gemeinsame Musical-Projekt der Georg-Büchner- und Erich-Kästner-Schule. Förderschul-Lehrer Jan Schneider meint: „Ohne die AG hätten unsere Kinder gar keine Chance, Bühnenerfahrung zu sammeln“.

Dreieich -  Singen, Tanzen und Schauspielern – das lernen Grund- und Förderschüler bei der Musical-AG von Erich-Kästner- und Georg-Büchner-Schule. Seit zwei Jahren läuft das Inklusionsprojekt; und das so erfolgreich, dass die Truppe ihr erstes Stück aus eigener Feder plant. Von Julia Radgen 

Dafür benötigt sie mehr Geld. „Gerade stehen, auf beiden Füßen, die Arme hängen seitlich“, ruft Sängerin Andrea Sobiesinsky. Das richtet sich nicht an Känguruh, Maulwurf, Rabe und Frosch auf der kleinen Bühne, sondern an die 15 Schüler, die daneben singen und tanzen. „Ein Hoch auf uns“, schmettern die Mädchen, breiten ihre Arme aus, formen danach mit ihren Händen Herzen passend zur Textzeile. Drei Jungs an Blockflöte, Gitarre und der Kistentrommel Cachon sorgen für Musik, unterstützt von GBS-Lehrer Jan Schneider am Klavier.

„Das Lied wollten die Kinder selbst gerne singen“, erzählt Lehrerin Christine Büttinghaus von der Erich-Kästner-Schule, die das Projekt mit ihrem Kollegen Schneider leitet. Der Auftritt dient zur Übung, er wird für die jungen Musicaldarsteller auf Video aufgenommen. „Das haben sie sich gewünscht“.

Das gemeinsame Projekt, läuft seit zwei Schuljahren. Im April enterte die Gruppe aus Förder- und Grundschülern mit einem Piraten-Stück die Bühne der EKS. „Captain Dünbart und der Seeräuberschatz“ feierte nach monatelangen Proben Premiere. Danach kam einem Jungen die Idee, die Handpuppen einzusetzen. Er meinte, das Känguruh Sally würde gerne bei der AG mitmachen. „Also sind alle Tiere Mitglieder geworden“, scherzt Büttinghaus.

Die Lehrer wissen, dass es manchen Schüler eher liegt, eine Handpuppe zu spielen oder im Hintergrund zu tanzen, andere singen und spielen eine Hauptrolle. „Wir fragen die Schüler am Anfang nach ihren Präferenzen“, erklärt Schneider von der GBS. Zwischen elf und zwölf Jahren alt sind die Darsteller von der Schule mit Förderschwerpunkt Lernen. Die Grundschüler der EKS besuchen die Klassen drei und vier.

„Wir können die Rollen hier sehr individuell auf die Kinder zuschneiden“, erklärt Schneider. Ein Kind, das drei Töne auf dem Keyboard spielen kann, sei in der AG genauso willkommen wie eines mit langjähriger Instrument-Erfahrung. „Die Kinder unserer Schule hätten sonst keine Chance, Bühnenerfahrung zu sammeln“, sagt der Lehrer.

Mit der AG wolle man die jeweiligen Talente fördern. Das verspricht für lernschwache Schüler neue Erfolgserlebnisse. „Manche Kinder sagen nur einen Satz, andere lernen viel Text auswendig, trotzdem bekommen alle denselben Applaus“, sagt Büttinghaus. Die älteren Förder- und die jüngeren Grundschüler mischen sich und helfen sich gegenseitig, erzählen die Lehrer. Hemmungen oder Ungeduld gebe es nicht. „Es wächst zusammen“, so Schneider.

Mit den Kindern arbeiten fachlich die Theaterpädagogin Anja Schäfer und die Sängerin Andrea Sobiesinsky, beide freiberuflich tätig. „Das gibt uns einen Qualitätsaufschwung, wir können das gar nicht leisten“, sagt Büttinghaus über die Profis und ihre Lehrmethoden. Aber das koste Geld: 3000 Euro benötigt die AG pro Schuljahr. Hauptsächlich für die Honorare, Kulissen und Kostüme sind meist selbstgemacht. Seit den Anfängen unterstützt das Projekt der Dreieicher Weihnachtskalender, aktuell mit 1500 Euro. Den Rest müssen die Schulen aufbringen.

Deshalb sammelt der EKS-Förderverein Spenden, um das Projekt fortsetzen zu können. Denn die AG hat große Pläne. „Wir wollen kommendes Schuljahr mit den Kindern ein eigenes Stück schreiben“, sagt Sängerin Sobiesinsky. Das Selbermachen soll Schülern die Musicals zugänglicher machen. Schneider will komponieren und Schäfer texten. „Dafür werden wir ein ganzes Schuljahr brauchen und erst kurz vor Ende aufführen“, schätzt die Sängerin. Ein Vorhaben mit angenehmen Nebeneffekt: „Das Stück wird in der Sprache der Kinder verfasst sein“, sein, so Sobiesinsky, Und selbst Geschriebenes könne man sich besser merken.

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