Jede Menge Glücksmomente

Burgfestspiele: Gayle Tufts und ihr Pianist Marian Lux begeistern

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Dreieichenhain - Was für ein perfekter Sommerabend bei den Burgfestspielen: Gayle Tufts läuft mit ihrem Programm „Love!“ am Sonntagabend zur Höchstform auf und begeistert bei optimalen äußeren Bedingungen im fast ausverkauften Burggarten. Von Holger Klemm 

Dabei rutscht die amerikanischer Entertainerin, die seit mehr als 20 Jahren in Berlin lebt, selbst bei diesem Thema nie ins Schwülstige oder Kitschige ab, auch wenn sie Burt Bacharach zitiert: „What the world needs now ist love!“ Ganz im Gegenteil: Mit ihrer charmanten, sympathischen und umwerfend komischen Art nähert sie sich dem Phänomen Liebe, das unser aller Leben bereichert – mal mit selbstironischen Texten, mal mit wunderschön vorgetragenen Songs.

Tufts belässt es nicht bei der Liebe zwischen Menschen oder zur „Pizza“. „Ich liebe Deutschland. Ich als Ausländerin darf das sagen.“ Das hindert sie aber nicht daran, das Gastland liebevoll mit ihrer unnachahmlichen deutsch-englischen Sprachmixtur auf die Schippe zu nehmen. Aus dem Kontrast der unterschiedlichen Lebensarten bezieht die Entertainerin ihre Stärke. Als „very begeisterungsfähige“ Amerikanerin reibt sie sich an deutscher „Bodenständigkeit“, Zurückhaltung und den Wortungetümen. Da braucht sie nur Begriffe wie „Seelenverwandtschaft“ mehrmals zu wiederholen und hat die Lacher auf ihrer Seite. Auch aus Worten wie Gatte, das für sie wie eine Krankheit klingt, oder Eheabschnittsgefährte schlägt sie komische Funken. Auch ihr Lob für die bewunderte Angela Merkel kommt ohne Seitenhieb nicht aus – in Form eines unterstellten Verhältnisses zu Bastian Schweinsteiger und eines mehr als nur beruflich bedingten Interesses an Barack Obama im umgedichteten Song „Call me maybe“.

Man hört ihren Plaudereien und Betrachtungen gerne zu, wenn sie den Unterschied von schwerer deutscher Romantik oder Hollywood-Romantik mit Happyend aufs Korn nimmt oder sich daran erinnert, wie sie als Teenagerin beim ersten Discobesuch in einem Schwulen-Club gelandet ist. Tufts sieht sich als hoffnungsvolle Romantikerin, die die Realität nicht mehr verleugnet. Dazu habe ihr Bremer Mann mit seiner norddeutschen Art beigetragen. Auch mit dem Erscheinen von Richard Gere rechnet sie nicht mehr.

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Dazu erklingen neben bekannten Lovesongs von Irving Berlin bis hin zu Dolly Parton auch solche ihres kongenialen Bühnenpartners Marian Lux, bei dem die musikalische Seite in besten Händen ist. Bei einigen Episoden ist er zudem mehr als nur Stichwortgeber und fungiert sogar als Tänzer. So viel müsste noch erwähnt werden, sei es das fantastische „Chapel of Love“, in dem Tufts und Lux zu einem atemberaubenden Ritt rund um die Hochzeit antreten, sei es das lustige „Meine Nacht mit Florian Silbereisen“. Dabei handelt es sich um ihren ersten Schlager (!) über einen TV-Auftritt in einer Show „zwischen Andrea Berg und den Don Kosaken“. Unbedingt genannt werden muss auch das „Break-Up Medley“. Tufts und Lux hatten bei der Entwicklung der Show per Facebook dazu aufgerufen, als Inspiration Lovesongs zu nennen. Genannt wurden vor allem depressive Nummern, die zum Knaller vor der Pause werden. „Da müsst ihr jetzt durch.“

Bilder: Feinste Akrobatik unter Sternen

Natürlich bleibt die US-Präsidentschaftswahl in diesem Jahr nicht unerwähnt. So bietet sie eine Kostprobe aus dem Programm „Superwoman“, das bald Premiere hat. Damit verbindet sie die Hoffnung, dass Hillary Clinton Präsidentin wird. Donald Trump ist für sie eine Mischung aus „Dieter Bohlen, Dagobert Duck und Pegida-Anhänger“. Auch dafür ist ihr der Beifall sicher. Mit „Love!“ sorgt Gayle Tufts für jede Menge Glücksmomente. Passend dazu gibt es als i-Tüpfelchen auf den tollen Abend „Euphoria“, das Siegerlied des Eurovision Song Contests 2012.

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