Odenwälder durch den Kakao gezogen

Kabarett mit Vince Ebert und Philipp Weber

Dreieich - Nun gut, wer den Weg aus dem Odenwald angetreten hatte, um sich das Wissenschaftskabarett von Vince Ebert und Philipp Weber zu Gemüte zu führen, der konnte in den ersten zehn Minuten vielleicht nicht ganz so viel lachen. Von Maren Cornils

Unterhaltsames Know-how: Wissenschaftskabarettist Philipp Weber.

Schließlich zog das in Amorbach geborene Komiker-Duo zunächst einmal genüsslich die Spezies der Odenwälder durch den Kakao und die Frage, ob man sich dort als Teil der EU betrachte, war da noch der harmloseste Gag. „Der Odenwälder ist der einzige Quastenflosser, der sprechen kann“, unkt Weber, um dann genüsslich mit Ebert darzulegen, warum im nahen Mittelgebirge die Evolution zum Stillstand kam.

Zum Glück aber können Ebert und Weber auch über sich selber lachen, und so haben sie spätestens dann die Sympathien des Publikums auf ihrer Seite, wenn sie erzählen, warum sie gegen väterlichen Widerstand Physik (Ebert) und Biologie (Weber) studierten. Die Zuschauer profitieren von dem gesammelten naturwissenschaftlichen Know-how.

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In zweieinhalb Stunden erklären Weber und Ebert Phänomene wie die Heisenberg’sche Unschärfe-Relation auf erstaunlich witzige und zugleich verständliche Art und nehmen das Publikum mit auf eine Reise durch die Welt unerklärter Mythen und falscher Theorien. Warum kann ein Joghurt nicht rechtsdrehend sein? Was unterscheidet Wissenschaftler, Theologen und Esoteriker? Was haben Karneval und die Fortpflanzung der Tintenfische gemein? Und warum ist Bio nicht immer gesund – Weber und Ebert räumen auf mit Ernährungslügen, entlarven den einfallsreichen Etikettenschwindel der Lebensmittelindustrie –- „Wenn Sie Duschdas Kiwi-Mango kaufen ist da unter Umständen mehr Frucht drin als in einem Fruchtnektar“ –und plädieren nebenbei noch für mehr Risikobereitschaft und Fehlertoleranz.

Denn, so Eberts These: „Ohne Scheitern, ohne Zufälle und ohne Misserfolge gäbe es keine Innovationen“. Spricht’s, verweist auf bahnbrechende Erfindungen von der Glühbirne bis zur Raumfahrt und veranschaulicht das Ganze dann noch so, dass auch der Letzte versteht: Je sicherer man glaubt, ein komplexes System beherrschen zu können, desto sicherer trifft ihn der Zufall.

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Während Philipp Weber die Rampensau macht, mit dem Publikum interagiert und über die Bühne tobt, gibt sich der Physiker eher zurückhaltend, wirkt manchmal gegenüber seinem Counterpart fast etwas blass. Dabei war es Ebert, der, selbst längst berühmt, Weber als Co-Act auf die Bühnen nahm. Ergänzen tun sich die beiden Amorbacher in jedem Fall, und wem selbst Wissenschaftskabarett noch zu intellektuell ist, der hat immerhin die Chance, sich bei Webers Monolog über den Erwerb eines zickigen italienischen Kaffee-Volllautomaten schlapp zu lachen. Wissenschaft wie sie Spaß macht. Mehr davon.

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