Jan Plewka interpretiert Reiser-Songs

Knutschen mit Rio

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Jan Plewka hat Spaß – und das Publikum erst: Zu seinen Rio-Reiser-Interpretationen flammten große Gefühle auf.

Dreieich - Der erste Applaus gilt nicht Jan Plewka, sondern dem Pärchen in gelben Regenjacken, das sich in die unüberdachte erste Reihe setzt – wild entschlossen, dem literweise gießenden Regen zu trotzen. Von Lisa Berins

Aus dem Off tönt die Stimme Rio Reisers, nein, Jan Plewkas – sie sind zum Verwechseln ähnlich. Der Sänger betritt die Bühne, mit Gitarre um den Hals. In seinen übergroßen Klamotten scheint sich das schmächtige Kerlchen, zugleich Frontmann der Band Selig, verstecken zu wollen. Der Schein trügt: Plewka hat beim besten Willen kein Problem mit Schüchternheit. Im Gegenteil. Er ist, flapsig gesagt, eine Rampensau vor dem Herrn. Und dem Publikum der Dreieichenhainer Festspiele am Samstagabend gefällt’s.

„Halt dich an deiner Liebe fest“ – ein Eröffnungsknaller. Die Zuhörer sind in Mitgröhl-Laune. In der hinteren Sitzreihe knutscht ein Pärchen exzessiv. Plewka krakeelt – allerdings etwas softer als sein Vorbild – in Begleitung der Band „Die Schwarz-Rote Heilsarmee“ ein Best-Of-Rio ins Mikro („Mein Name ist Mensch“, „Der Turm stürzt ein“, „Keine Macht für niemand“, „Land in Sicht“, und, und, und), quetscht sich mit Band durch die Reihen, um Spenden einzusammeln („für einen guten Zweck: Bier für die Band“), hetzt in einem Video, das an eine Leinwand projiziert wird, zu „Irrenanstalt“ durch einen Bahnhof, übt Akkordeon auf dem roten Bühnensofa, taucht immer wieder irgendwo im Publikum auf.

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Zu „Für immer und dich“ entführt er eine junge Frau auf die Bühne, fällt über sie her und wälzt sich mit ihr über den Boden. Was auch immer dort geschah – die Frau trug bei dieser Attacke wohl keine Blessuren davon. Plewka hat Spaß und das Publikum auch. Es bettelt um Zugaben. Erst jetzt trauen sich die Fans zum Tanzen vor die Bühne, die gelben Capeträger ganz vorn dabei.

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