Alt-Rebell Konstantin Wecker in Dreieichenhain

„Ich singe nicht, weil es euch gefällt“

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Konstantin Wecker: vielseitig wie eh und je

Dreieich - Man kann Konstantin Wecker vieles vorwerfen, ein Frauenheld und nicht ganz uneitel zu sein, gern mal über die Stränge zu schlagen und selten ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Von Maren Cornils

Eines aber kann dem Münchener keiner nachsagen: Dass er sich nicht stets treu geblieben wäre. So erleben die Zuschauer in Dreieichenhain bei „Revolution“ einen gereiften, nachdenklichen, gar melancholischen Wecker, der aber immer noch den Aufstand zu proben bereit ist. Dass er nicht käuflich ist und anderen nicht nach dem Schnabel redet, macht der Sänger gleich klar. „Ich singe, weil ich ein Lied hab, nicht weil es euch gefällt“, erklingt es zu zarten Cello-Klängen in einer Melodie die gefälliger ist, als es der Text sein will. Zu rockigen Klängen von „Das macht mir Mut“ wütet der Alt-68iger gegen die „Rassistenbrut“ – seine Art, zu zeigen, dass sich „auch im Alter nichts an meiner anarchistischen Haltung geändert“ hat. Fremdenhass ist ein wiederkehrendes Thema, etwa in „Vaterland“.

Vom Vaterland zum Vatersein ist es nur ein Katzensprung, und so ist der nächste Titel den Söhnen gewidmet – eines von vielen Highlights eines Abends, dem nach Bekanntwerden der Ereignisse in München die Leichtigkeit abhandenkommt. Als liebender Vater zeigt sich der Sänger. Als einer, der „ein Herz für „Versager und Träumer“ hat, und der um die eigenen Schwächen nur zu gut weiß: „Ich war nie perfekt, wie könnt‘ ich auch – ihr kennt meine Kunst zu scheitern“.

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Aufrütteln kann er, Wut in Worte packen. Aber der Rebell beherrscht auch die Poesie. „Und dann breit’ ich mich einfach aus in dir … und dein Lächeln fällt in kleinen Bissen herab zu mir“ – mehr braucht es nicht, um Lebenslust in Worte fassen. Wecker huldigt dem schönsten aller Gefühle mit zahlreichen Liedern. Jazz, Rock, lateinamerikanische Rhythmen – auch musikalisch ist er – begleitet von Jo Barnikel, Severin Trogbacher, Fanny Kammerlander und Jens Fischer – vielseitig wie eh und je. Dass er sich hinter seinen Begleitern nicht verstecken muss, zeigt sich, wenn er sich lässig ans Piano setzt und den eigenen Gesang begleitet. Bevor freilich einer auf die Idee kommen könnte, das Alter habe ihn zahm gemacht, zeigt Wecker Zähne und nimmt in „Es geht uns gut“ oder auch in „Schöner Schein“ die Wohlstandsgesellschaft auf den Arm. „Die Seele hungert, nur der Wamst wird fett“, spottet er, um dann im „Waffenhändler-Tango“ die Mechanismen zu entlarven, die die weltweite Kriegsmaschinerie in Gang halten.

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