Burgkirche soll wieder so aussehen wie früher

Burgkirche: Renovierung behutsam angehen

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So stellen sich die Architekten Jochem und Benjamin Jourdan den geplanten Anbau der Burgkirche vor, der sich harmonisch in den historischen Burggarten einfügen soll.

Dreieichenhain - Benjamin Jourdan und sein Vater Jochem haben schon so manchem Gebäude zu neuem Glanz verholfen. Dem Höchster Schloss, dem Frankfurter Städel-Museum oder der Documenta-Halle in Kassel etwa, um nur ein paar wenige zu nennen. Doch das neueste Projekt des Architekten-Duos ist fürwahr kein alltägliches. Es geht um die Sanierung der Burgkirche. Von Manuel Schubert

„Das ist ein malerischer und besonderer Ort“, schwärmt Jourdan junior, „eine tolle Aufgabe.“ Zur evangelischen Burgkirche pflegen die beiden Jourdans nicht nur eine geschäftliche Beziehung. Die Familie stammt aus Dreieichenhain, Vater Jochem wurde sogar in dem Gotteshaus auf dem Burggelände konfirmiert. Nicht wenige Haaner verbinden mit dem fast drei Jahrhunderte alten Gemäuer derartige Erinnerungen. Entsprechend behutsam will die Burgkirchengemeinde die Renovierung des historischen Gebäudes angehen, die kommendes Jahr beginnen und im Optimalfall pünktlich zum 300. Geburtstag der Kirche an Pfingsten 2018 beendet sein soll. Vier Monate lang haben Benjamin und Jochem Jourdan über den Entwürfen für die großangelegte Sanierung gebrütet. Nun präsentierten sie der Gemeinde erstmals ihre Ideen – und stießen bei den rund 50 Zuhörern im rappelvollen Gemeindehaus auf große Zustimmung.

Das Gesicht der Kirche wird sich bei der ersten Renovierung seit 1975 zwangsläufig verändern. Wichtigste Neuerung sind der Bau einer separaten Sakristei sowie einer Behindertentoilette. Aber wohin damit? Auf der Ostseite Richtung Weiher neigt sich die Wand der Kirche ohnehin schon und muss gestützt werden, hier zu bauen ist fast unmöglich. Auf der Südseite verweigert die Denkmalschutzbehörde aus Platzgründen einen Anbau. Bleibt also nur die Nordseite Richtung Burghof. Geplant ist ein längliches Gebäude, das sich an die rote Bruchsteinmauer schmiegt, die man zu seiner Rechten sieht, wenn man aus der Eingangstür tritt. Das hölzerne Häuschen und der Müllraum des Geschichts- und Heimatvereins sollen in den neuen Anbau integriert werden. Farbige Keramikfliesen könnten das gut drei Meter breite Gebäude zieren, denkbar sei, dass Gemeindemitglieder eine oder mehrere Fliesen finanzieren können, so Benjamin Jourdan. „Quasi als gemeinsames Kunstwerk.“

Auch der Eingangsbereich soll barrierefrei werden. Geplant ist, die Stufen vor der dunkelbraunen Holztür zu entfernen, den Vorplatz abzusenken und ein leichtes Gefälle von etwa drei Prozent einzubauen. „Der Vorplatz ist wunderschön, wir wollen ihn möglichst so erhalten, wie er ist“, betont Benjamin Jourdan. Optisch würde er sich kaum verändern. Ein Rollstuhlfahrer aber hätte es ungemein leichter, die Kirche zu betreten.

Die dritte größere Veränderung betrifft den Altar. Der Betonklotz soll durch eine hölzerne und vor allem mobile Variante ersetzt werden. Aktuell sei er aufgrund seiner Größe „völlig unbrauchbar“, findet Jochem Jourdan, bei Krippenspielen oder Kammerkonzerten versperre er den Weg, selbst beim Abendmahl könne er in die Quere kommen. Der Altar, der erst viele Jahre nach Bau der Kirche hinzukam, sei ihm schon immer „etwas willkürlich gesetzt“ vorgekommen, sagt auch Pfarrer Markus Buss. Eine hölzerne Variante sei für evangelische Kirchen ohnehin typischer, ergänzt Jochem Jourdan. In den Anfangsjahren der Kirche soll der Altar ebenfalls aus Holz gewesen sein.

Zurück zum Ursprung: Dieses Motto gilt auch für einige andere Ausbesserungsarbeiten, die im Zug der großen Renovierung anstehen. Der Innenraum der Kirche soll in einen „hellen, warmen Ockerton“ getaucht werden, wie Benjamin Jourdan erklärt, „so sah es vor 300 Jahren auch aus“. Angedacht ist auch ein Neubau der Holzdecke. Jourdan: „Wir wollen den alten Zustand rekonstruieren.“ Der Fachmann bezeichnet das als „Kassettendecke“ – was in etwa so aussieht wie viele Tafeln „Ritter Sport“. In Planung ist zudem ein neues Beleuchtungskonzept, auch da solle die Kirche „heller und freundlicher“ werden, so Jourdan. Denkbar sei eine Rückkehr zu Deckenleuchten, wie es sie früher einmal gegeben hat. Aktuell kommt alles Licht von ein paar wenigen Wandlampen und durch die farbigen Glasfenster, die auch nicht allzu viel Sonne hereinlassen.

Und sonst? Die Schallsituation im Gottesdienstsaal bedarf einiger Optimierung, Pfarrer Buss hat bereits mit einem Akustikberater gesprochen, die Anschaffung einer neuen Anlage ist fest eingeplant. Dringend auf Vordermann gebracht werden muss auch die aktuell nicht begehbare Außentreppe an der Südseite. „Wir werden sie auf jeden Fall so restaurieren, dass sie wieder funktionstüchtig ist“, verspricht Benjamin Jourdan. Einige Gemeindemitglieder, denen die Stufen zu steil sind, muss er allerdings enttäuschen: „Das zu verändern wird schwierig wegen des Denkmalschutzes.“

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Auf dem Schirm haben die Architekten auch, dass man von der Empore aus wenig bis gar nichts vom Gottesdienst sehen kann. Bauliche Veränderungen werde die Denkmalschutzbehörde jedoch nicht genehmigen, weiß Jochem Jourdan. Die einzige Option sei eine stufenweise Erhöhung der Bänke. Ob die machbar ist oder eine zu große Sturzgefahr birgt, müsse geprüft werden. Zu guter Letzt muss der Putz an den Außenwänden erneuert werden, dazu ist das Mauerwerk an einigen Stellen feucht.

Keine Frage: Es gibt genug zu tun. Im September sollen der Kirchenverwaltung der endgültige Entwurf für die Renovierungsarbeiten sowie eine Kostenkalkulation vorgelegt werden. Vorher möchten die Architekten keine finanziellen Fragen beantworten. „Wenn wir jetzt etwas sagen, wäre es ohnehin falsch“, winkt Jochem Jourdan ab. „Wir wollen etwas Zuverlässiges sagen.“ Fest steht jedoch schon jetzt, dass die Kirche auf Spenden angewiesen sein wird, viele Spenden. „Wir schaffen es nicht aus eigener Kraft“, appelliert Buss an die Dreieichenhainer.

Der Pfarrer hat daher eine Fundraising-Aktion geplant. Unter dem pfiffigen Slogan „Geben Sie der Burgkirche den Rest“ bitten in der ganzen Stadt verteilte Spendenboxen um Kleingeld, etwa an der Kasse der Burgfestspiele. Ab September will Buss richtig auf Akquise gehen, alle Dreieicher Haushalte anschreiben und bei potentiellen Sponsoren vorstellig werden. Dazu sind immer wieder Veranstaltungen angedacht, bei denen über den Stand der Renovierungsarbeiten informiert und um Spenden gebeten werden soll. Die erste Resonanz sei „großartig“ gewesen, sagt Buss. „Wir werden das Schritt für Schritt gemeinsam realisieren.“

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