Neues Konzept, neuer Pächter

„Casa Grande“: Neues Steakhaus am Bürgerhaus

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Helles Holz und Mosaikboden – seit der Umgestaltung 2008 strahlt das Restaurant eine angenehme Atmosphäre aus.  

Dreieich - Der Leerstand ist in nicht ganz drei Monaten Geschichte. Das Restaurant des Sprendlinger Bürgerhauses hat einen neuen Pächter. Von Frank Mahn

Boris Jukic ist momentan noch Geschäftsführer eines Lokals in Frankfurt, wird sich aber ab Oktober voll auf die neue Aufgabe in Dreieich konzentrieren – ab November serviert er seinen Gästen Steaks und Tapas im „Casa Grande“. Vor zweieinhalb Jahren hatten sich die Wege des Eigenbetriebs Bürgerhäuser und des damaligen Pächters getrennt. Der warf nach gerade einmal 15 Monaten das Handtuch und begründete die Aufgabe damit, dass der Umsatz nicht ausgereicht habe, um die Kosten zu decken. Allerdings wurden durchaus Stimmen laut, die beim Betrieb des früheren „Mosaique“ die Leidenschaft und Geschäftstüchtigkeit vermissten.

Nach dieser Erfahrung stand für Benjamin Halberstadt fest: Es muss sich etwas ändern, und zwar grundlegend. Der Betriebsleiter der Bürgerhäuser Dreieich nutzte die Zeit des Leerstands, entwickelte ein neues Konzept und einen Sanierungsplan, beides wurde von Magistrat und Betriebskommission gut geheißen. Die gravierendste Änderung: Der künftige Pächter ist nur noch für das Restaurant verantwortlich, Saalcatering, Kegelbahn und Clubräume sind nicht Inhalt des Vertrags, der über eine Laufzeit von fünf Jahren abgeschlossen wurde. Das Komplettpaket hatte in der Vergangenheit mehrere Betreiber überfordert.

Boris Jukic eröffnet im November das erste Steakhaus in Dreieich. Zudem verspricht der 47-Jährige eine große Auswahl an Tapas – also spanische „Appetithäppchen“, an denen man sich durchaus satt essen kann.

Nach der Ausschreibung im Frühjahr meldeten sich zahlreiche Interessenten. Elf reichten eine schriftliche Bewerbung ein, fünf kamen in die engere Auswahl und Boris Jukic machte schließlich das Rennen. „Sein Konzept hat uns überzeugt“, sagt Bürgermeister Dieter Zimmer. Der Rathauschef ist froh, dass in die Räume an der Fichtestraße bald wieder Leben kommt und das kulinarische Vakuum im Kulturtempel bald ein Ende hat. Das sei wichtig fürs Bürgerhaus. Nun könnten die Besucher vor oder nach einer Veranstaltung wieder schön essen gehen. Boris Jukic hat vielfältige Erfahrungen in der Gastronomie. Die sammelte er bereits in seiner ursprünglichen Heimat Bosnien und Herzegowina. Nach der Übersiedlung nach Deutschland arbeitete er lange im Familienbetrieb in Ehingen, ehe er Geschäftsführer des Frankfurter Restaurants „Buena Vista“ wurde. Sein Vertrag dort läuft noch bis Ende September, ab Oktober widmet sich der 47-Jährige dann ausschließlich der neuen Herausforderung. Es klingt nicht überheblich, wenn er seinen Anspruch formuliert: „Wir werden versuchen, die Gäste mit unserem Essen glücklich zu machen.“

Dabei lehnt sich Jukic, der mit Frau und zwei Kindern seit zwölf Jahren in Offenbach lebt, an das „Buena Vista“ an. Dort kommen hauptsächlich Steaks und Tapas auf den Tisch – oder auf den heißen Stein. Und genau das wird es künftig auch im „Casa Grande“ geben. „Das Angebot hebt sich von anderen in Dreieich ab, ein Steakhaus haben wir hier bisher nicht“, sagt Halberstadt. Stichwort Alleinstellungsmerkmal.

Jukic bringt nach eigenen Worten ein erfahrenes Team mit, das, so hofft er, alle Hände voll zu tun bekommt. Auch mittags, denn zwischen 11.30 und 14 Uhr werden die Tische gedeckt sein. Das Restaurant, das 2008 umgestaltet und vom „Charme“ der siebziger Jahre befreit wurde, bietet auf 240 Quadratmetern (samt Nebenraum) Platz für 120 Gäste. Auf der Terrasse kommen noch 70 Plätze dazu.

Doch trotz der schicken Optik blieb die Verpachtung ein Problem. Vom Strategiewechsel erhofft sich Halberstadt nachhaltigen Erfolg. Boris Jukic kann sich zu hundert Prozent auf das Restaurant konzentrieren. Das Catering wurde sozusagen abgehängt. „Wenn der Pächter will, kann er bei Veranstaltungen auch die Bewirtung übernehmen, er muss es aber nicht“, führt der Bürgerhauschef aus. Vereine oder andere Veranstalter können die Verpflegung in eigener Regie übernehmen oder einen Party-Service ihrer Wahl engagieren. Der Neue geht also unter geänderten Vorzeichen an den Start.

Grillsoßen für Fleisch, Fisch und Gemüse

Halberstadt hatte insgeheim gehofft, schon im Oktober eröffnen zu können. „Doch wie das so ist, wenn man am Bauen ist.“ Will sagen: Es dauert ein bisschen länger als gedacht. Als Voraussetzung für einen erfolgreichen Neuanfang ist nach seiner Meinung der Umbau der riesigen Küche samt Technik wie Lüftungsanlage, Lager- und Personalräumen zwingend notwendig. Das heiß, dass aus einer Küche zwei werden – eine fürs Restaurant, eine fürs Catering mit separatem Eingang. Wobei beide zusammen genutzt werden können. Hinter alledem steht auch die Absicht, die Energiekosten zu senken.

Boris Jukic weiß, dass es nach der langen Schließung nicht ganz einfach werden wird, das Restaurant wieder zum Laufen zu bringen. Das Angebot muss sich erst mal herumsprechen. „Ich freue mich auf die Menschen hier und will sie von unserem Angebot überzeugen“, sagt der Gastronom, der sich Dreieich durchaus als Wohnort vorstellen kann. Aber zunächst habe die Arbeit Priorität. Jukic hofft auch auf Reservierungen für Weihnachtsfeiern. Eine hat er schon: „Von der Zahnarztpraxis meiner Frau.“

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