Rückblick auf bewegte Jahre

Vor 50 Jahren gründeten zehn Mitglieder den CDU-Ortsverband

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Andrea M. Göbel (links) und Hannelore Finkel blättern in den alten Ordnern zur Geschichte des CDU-Ortsverbandes mit Fotos, Programmen zu den Wahlkämpfen sowie Einladungen zu Sitzungen und Festen. Dort fand sich auch das linke Bild aus dem Jahr 1991, das Robert Finkel (rechts) mit den Kandidaten zum Götzenhainer Ortsbeirat zeigt.

Götzenhain - Erinnerungen werden bei den Mitgliedern der Götzenhainer CDU wach, wenn sie am morgigen Samstag das 50-jährige Bestehen ihres Ortsverbandes feiern. Dabei können sie auch auf einige Erfolge zurückblicken. Von Holger Klemm

„Es ist toll, zu sehen, was in den vergangenen Jahrzehnten los war und erreicht worden ist.“ In Vorbereitung auf die Jubiläumsfeier hat die stellvertretende Vorsitzende Andrea M. Göbel die vorhandenen Aktenordner gesichtet, in denen Briefe, Flyer und Fotos aus der Geschichte des Ortsverbandes fein säuberlich zusammengefasst sind. Dabei stieß sie nicht nur auf Einladungen zu den verschiedenen Sitzungen, Programme und Flugblätter zu den zahlreichen Wahlkämpfen, sondern auch auf Ankündigungen und Fotos zu Festen und geselligen Anlässen. Göbel, die erst seit einigen Jahren in Götzenhain wohnt und sich hier engagiert, sprach auch mit einigen Zeitzeugen. Dabei wurde ihr immer wieder der Name Robert Finkel genannt, der von 1981 bis zu seinem Tod 1997 Ortsvorsteher war. „Er war der Motor“, berichtet Göbel. „Finkel hat Parteigeschichte gelebt, das gibt es heute gar nicht mehr.“

„Mein Mann war schon vor unserem Umzug nach Götzenhain in der CDU aktiv“, erzählt Hannelore Finkel. „Das lag ihm in den Genen.“ In Rheinland-Pfalz engagierte er sich für die Wahlkämpfe von Helmut Kohl und Heiner Geißler. Als er nach Götzenhain kam, gab es keinen eigenen CDU-Ortsverband. Das wollte er ändern und stieß auf Mitstreiter wie Franz Reichstädter und Rudolf Freundel. Reichstädter saß bereits für die CDU im damals eigenständigen Gemeindeparlament, in dem damals die SPD noch eine Mehrheit hatte. In mehreren Treffen wurde die Gründung vorbereitet. In einer Einladung verweist Reichstädter im November 1965 auf die erfolgreiche Arbeit der kleinen CDU-Gruppe im Parlament des „roten Dorfs“: „Wenn diese Arbeit weiterhin erfolgreich sein soll, darf die CDU-Gemeindevertreter-Fraktion nicht länger allein dastehen. Sie braucht Ihre Unterstützung, die Unterstützung durch einen ebenso aktiven Ortsverband.“ Der Aufruf fiel auf fruchtbaren Boden. Zehn Interessierte fanden sich und gründeten am 18. Januar 1966 in der Gaststätte „Winzerkeller“ (heute Hofgarten) den CDU-Ortsverband. Zu ihm gehörten in den Anfangsjahren auch die Offenthaler Christdemokraten, die erst später ihren eigenen Verband aus der Taufe hoben.

Erster Vorsitzender war Robert Freundel. Er erinnerte sich 1991 in der zum 25-jährigen Bestehen herausgegebenen Festschrift: „Unterstützung von unseren regionalen Parteigremien erhielten wir damals kaum. Offizielles Prospekt- und Info-Material gab es selten, wir verteilten selbstgestrickte Handzettel und engagierten uns vor allem in persönlichen Gesprächen.“ Daran kann sich auch Hannelore Finkel erinnern: „Mein Mann versuchte bei Festen, Leute zum Mitmachen bei der CDU zu bewegen.“ Mit Erfolg: Zwischenzeitlich stieg die Mitgliederzahl auf mehr als 100. 1977 löste die Union die SPD als stärkste Kraft in Götzenhain ab und erreichte die absolute Mehrheit. Stärkste politische Kraft ist sie bis heute geblieben.

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Als größten Erfolg der CDU bezeichnen Göbel und Finkel die Umgestaltung des Dorfplatzes, auf dem früher der Bauhof untergebracht war, und die Umgestaltung der Rheinstraße. Finkel hob als Vorsitzender des Ortsbeirats den Neujahrsempfang aus der Taufe, der bis heute am 1. Januar stattfindet. Ihr Mann habe auch immer ein offenes Ohr für die Götzenhainer gehabt. „So kam es nicht selten vor, dass ich den geplanten Sonntagsausflug mit unseren drei Kindern ohne ihn absolvieren musste.“ Im Keller seines Hauses gab es so manches Gespräch mit den Vereinen. „Bei uns wurde auch die CDU Offenthal gegründet“, berichtet Finkel. Er sei überaus beliebt gewesen, was sich auch in rührenden Kondolenzschreiben von SPD-Vertretern zeigte, die Finkel nach dem Tod ihres Mannes erhielt.

Der 50. Geburtstag des CDU-Ortsverbands wird am morgigen Samstag ab 16.30 Uhr im Bürgertreff, Bleiswijker Straße, gefeiert. Nach einem Sektempfang stehen Festreden und das Ständchen eines Kinderchors auf dem Programm. Die Besucher wollen aber nicht nur in Erinnerungen schwelgen, sondern auch über Veränderungen und Zukunftswünsche für ihr „Heimatdorf“ plaudern.

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