Die schönste Zeit des Jahres

Clubs der städtischen Behindertenbetreuung gehen auf Reisen

Dreieich - Die Mitarbeiter der städtischen Behindertenbetreuung beackern ein umfangreiches Aufgabenfeld. Ein Fokus liegt auf der freizeitpädagogischen Clubarbeit, die sich an Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer geistigen Behinderung richtet. Von Frank Mahn

Für die 80 Mitglieder sind die Sommerferien die schönste Zeit des Jahres, weil es dann auf Reisen geht. Die Nachtschwärmer sind schon weg, die anderen vier Clubs folgen noch. Elf Tage dauert der Urlaub für die Kleinen Strolche und den Teenieclub, die nächsten Mittwoch gemeinsam aufbrechen. Die Zugvögel (ab 18 Jahre) und der Freitagsclub ziehen im August nach. Im Gepäck haben sie einen Duschrollstuhl, den der Förderverein für die Behindertenbetreuung von Spenden angeschafft hat. „Das ist eine Riesenerleichterung für alle“, sagt Ursula Zimmermann, die sich im Rathaus mit ihrem Kollegen Michael Krüger um die Belange und Bedürfnisse von behinderten Menschen kümmert. Dem Förderverein ist es auch zu verdanken, dass die drei Erwachsenenclubs 2017 neun Tage verreisen können. Im Zuge der Schuldenbremse hatte die Stadt die Freizeiten der Erwachsenen bekanntlich von 13 auf acht gekürzt.

Die Mitglieder der Clubs sind sieben bis 68 Jahre alt. Die Mehrzahl, etwa 50, kommt aus anderen Städten des Westkreises. Die Platzkapazität der einzelnen Clubs ist abhängig vom individuellen Betreuungsbedarf der Teilnehmer. Bei den Kleinen Strolchen – sie sind sieben bis 13 Jahre alt – sind nach den Sommerferien Plätze frei. Interessenten können sich bei der Behindertenbetreuung unter s  06103/601-243 melden. Bei den Erwachsenen hingegen führt der Weg über eine Warteliste.

Allerdings achtet die Stadt darauf, dass Teilnehmer von außerhalb nur aufgenommen werden, wenn deren Heimatstädte für die Aufwendungen aufkommen. Wird dies nicht – oder nicht in vollem Umfang – von der Kommune zugesichert beziehungsweise vom Betroffenen oder dessen Familie übernommen, wird die Aufnahme abgelehnt.

Seit 2015 Jahr müssen Behinderte, deren Herkunftskommunen nichts oder nur einen Teil zur Finanzierung der Freizeiten beitragen, selbst für die Kosten gerade stehen. Das betrifft aktuell zwölf Clubbesucher. „Ich bedaure dies sehr und mir ist klar, wie schwierig es für die Teilnehmer ist, dieses Geld aufzubringen. Leider lässt unsere finanzielle Situation keine andere Vorgehensweise zu. Für Dreieicher, die an der Clubarbeit teilnehmen, werden diese Kosten weiterhin getragen“, sagt Bürgermeister Dieter Zimmer.

Erfreulich ist nach den Worten des Verwaltungschefs, „dass einige Kommunen ihre Verpflichtung anerkennen und den Zuschussbedarf für ihre Bürger zum Teil zu 100 Prozent für die Freizeiten tragen“. Zimmer lobt auch den Kreis Offenbach, der sich seit zwei Jahren mit einem wesentlich höheren Anteil an den Kosten der Freizeiten beteilige. Mittlerweile zahlten einige Kommunen sogar einen Zuschuss für ganzjährige Clubarbeit. „Bei anderen Kommunen hingegen müssen wir noch Überzeugungsarbeit leisten, da diese Verantwortung leider noch nicht von allen gesehen wird“, bedauert Zimmer.

Die gesamte Behindertenarbeit, Freizeiten und die Betreuung der Clubs schlug 2015 mit 319.000 Euro zu Buche. Für die Reisen fielen Kosten von 67.000 Euro an, wobei die Hälfte Ausgaben für Personal waren. Dem stehen Einnahmen aus Teilnehmerbeiträgen (21.300 Euro), von Gemeinden und Städten (13.500) und dem Kreis (15.500) gegenüber, sodass sich der Zuschussbebedarf für die Stadt Dreieich auf etwa 17.000 Euro belief.

Stichwort Inklusion: „Wir wollen uns für alle öffnen. Jeder ist gerne gesehen“, sagt Ursula Zimmermann. Inzwischen seien auch schon einige Kinder ohne Behinderung aufgenommen worden. Der Anfang ist also gemacht, „aber mit der Umsetzung von Inklusion stehen wir noch am Anfang eines langen Prozesses“, sagt Rathauschef Zimmer.

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