Projekt der Stadtwerke läuft gut an

Vom Dach direkt in die Steckdose

+
Uwe Jung neben dem Wechselrichter seiner gepachteten Photovoltaik-Anlage. Sollte der kaputt sein, muss der Offenthaler nur zum Hörer greifen und die Stadtwerke kümmern sich.

Dreieich - Eine eigene Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, die Strom für den Hausgebrauch liefert – klingt gut, ist aber teuer. Beim Solarpur-Programm der Stadtwerke Dreieich pachten Hausbesitzer die Anlage gegen einen monatlichen Betrag und beziehen so Solarstrom. Von Julia Radgen 

Beim Offenthaler Uwe Jung steht die erste von insgesamt dreizehn. 19 Solarmodule speichern auf dem Haus von Uwe Jung in Offenthal die Energie der Sonne und wandeln sie in Strom um. Der 50-Jährige ist der erste Dreieicher, der das Angebot Solarpur der Stadtwerke genutzt hat. „Anfang Juni ist meine Anlage ans Netz gegangen“, erzählt der Offenthaler. Sie ist auf der Südseite seines Hausdachs installiert und versorgt Jungs Wohnung und die seiner Mutter mit selbst erzeugtem Öko-Strom. Sie ist auf den Verbrauch von 4500 Kilowattstunden ausgelegt, die Differenz decken die Stadtwerke mit regulärem Strom.

Neben den Modulen weist nur eines darauf hin, dass der Strom, der aus der Steckdose kommt, aus Sonnenenergie stammt: der Wechselrichter in Jungs Keller. Das Display am grauen Kasten zeigt, wie viel Solarstrom ins Netz eingespeist wird: 3554 Watt Leistung werden an diesem sonnigen Vormittag angezeigt. „Ich habe schon immer mit einer Photovoltaik-Anlage geliebäugelt“, erzählt der Elektriker, der sich aus technischen und Umweltgründen für Solarstrom interessiert. Doch ein Kauf sei zu teuer.

Das bezahlbare Pacht-Angebot findet Jung daher super. Es beginnt bei 60 Euro monatlich, Jung zahlt 70. „Der Pachtpreis richtet sich auch danach, wie aufwendig die Installation ist“, erklärt Denis Kozic, der bei den Stadtwerken zusammen mit Kollegin Myra Myhalnyuk Interessierte berät. Das Angebot richtet sich an alle, für Stadtwerke-Kunden ist es günstiger. Die Solarmodule müssen mit dem Wechselrichter verbunden werden. Das ging bei Jung relativ einfach: „Wir haben die Kabel durch einen leeren Kaminschacht geführt, also musste nirgendwo durchgebohrt werden“. Sollte mal ein Modul brechen oder der Wechselrichter defekt sein, wendet sich Jung an die Stadtwerke, deren Partner die Anlage warten und reparieren: „Ich muss mich um nichts kümmern, rufe nur an.“

Die Krux: Der erzeugte Solarstrom muss direkt genutzt werden. Jung hat keine Möglichkeit, den Strom zu speichern. „Die Technik ist ausgereift, aber ein Speicher ist momentan noch nicht bezahlbar“, sagt Kozic. Die Anlage könne jedoch später nachgerüstet werden.

„Für mich lohnt sich’s trotzdem, denn meine Mutter verbringt den ganzen Tag zuhause und kann den Strom direkt verbrauchen“, sagt Jung. Somit kann die Mittagszeit, in der die Sonne die meiste Kraft hat, ausgenutzt werden. Eher ungeeignet ist es, wenn man erst abends von der Arbeit kommt. „Manche unserer Kunden installieren aber Zeitschaltuhren an Geräten wie der Waschmaschine, um die Energie mittags zu nutzen“, erzählt Kozic. Der Offenthaler Jung feiert hingegen gerne im Garten. „Da kann der Brunnen oder Kühlschrank den ganzen Tag laufen und ich brauche mir keine Sorgen um Kosten zu machen“, sagt er.

Der ungenutzte Solarstrom wandert ins Netz der Stadtwerke. Eine Kilowattstunde vergüten diese den Hausbesitzern mit 12,31 Cent. Ins Minus rutschen könnten Kunden selbst im Winter nicht, betont Stadtwerke-Berater Kozic: „Auch bei Minus 20 Grad produziert die Anlage Strom, solange es hell ist“. Aufs Jahr gerechnet könne der Abschlag für Strom reduziert werden.

Vor der Installation simulieren die Stadtwerke die Bedingungen und berechnen die Wirtschaftlichkeit der Anlage. „Wenn der Standort zu schattig ist, raten wir auch ab“, betont Kozic. „Es ist nicht unser Kerngeschäft, unzufriedene Kunden sind nicht in unserem Sinn.“ 13 Anlagen und 90 Kundenkontakte hatten die Berater seit dem Projektstart im Juni; sie sind zufrieden. Der Pachtvertrag läuft über 20 Jahre. Ein weiterer Punkt, der Jung überzeugte: „Danach gehört die Anlage mir.“ Und sie könne noch bis zu zehn zusätzliche Jahre weiterlaufen.

Kommentare