„Das bleibt immer ein Teil von mir“

Ursula Abeln hat den Vorsitz des Kinderschutzbundes abgegeben

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Auch wenn Ursula Abeln den Vorsitz des Kinderschutzbundes nach 22 Jahren abgegeben hat, bleibt sie dem Verein verbunden. Für das Projekt „Bewegte Sprache“ ist sie weiterhin zuständig.

Dreieich - „Ich habe es nie bereut. Es war eine gute Zeit, die mir viel gegeben hat und in der ich gemerkt habe, dass man etwas bewegen kann.“ Nach 22 Jahren hat sich Ursula Abeln entschlossen, den Vorsitz des Kinderschutzbundes im Westkreis Offenbach in jüngere Hände zu geben. „Es ist eine Entscheidung des Verstands.“. Von Holger Klemm 

„Der Kinderschutzbund bleibt immer ein Teil von mir und eine Herzensangelegenheit“, betont Abeln. Und doch haben sie und ihre Stellvertreterin Verone Schöninger bereits vor sechs Jahren den Beschluss gefasst, Jüngere im Vorstand so langsam vorzubereiten. Und diese hätten sich so gut eingearbeitet, dass es bei der jüngsten Jahres hauptversammlung so weit war. Neue Vorsitzende ist Claudia Schneider, neue Stellvertreterin Andrea de las Heras. Die heute 70-Jährige hat 1994 den Vorsitz von Diana Forster übernommen. „Zuvor war ich einige Jahre Stellvertreterin.“ Nachdem ihr Mann Bernd 1987 Bürgermeister von Dreieich geworden war, wurde sie gefragt, ob sie sich ein Engagement vorstellen könne. „Ich hatte vorher noch nichts vom Kinderschutzbund gehört“, gibt die ehemalige aus Niedersachsen kommende Lehrerin zu, die einige Jahre an der Langener Geschwister-Scholl unterrichtet hat. So wollte sie das Ganze erst einmal als Mitglied kennenlernen und war sofort von der Arbeit der „Lobby für Kinder“ überzeugt. Wenig später folgte der Eintritt in den Vorstand.

Damals gehörte der Verein zu den ersten, die sich dem Thema Missbrauch widmeten. Heute geht es auch um Schwierigkeiten bei der Erziehung allgemein. „Es ist besser, auch mit kleinen Problemen zu uns kommen, bevor daraus große werden.“ Noch vor dem Beginn ihrer Amtszeit gab es den Finanzierungsvertrag mit fünf Kommunen und dem Kreis, der den Kinderschutzbund auf eine sichere Grundlage stellte. „Der Vertrag spricht dafür, dass wir schon damals einen guten Ruf hatten.“

Auch der Abschied vom alten Domizil in der Langener Fahrgasse führte zu einer wesentlichen Verbesserung der Arbeitsbedingungen. „In der Fahrgasse war der Raum mit drei Personen schon überfüllt“, erinnert sich Abeln. In den beiden Etagen in der Langener Wiesenstraße war dagegen genügend Platz für die Ausweitung der Aktivitäten. Daneben gibt es noch Beratungsstellen in Neu-Isenburg und Dietzenbach. Insgesamt kommt der Kinderschutzbund auf jährliche Ausgaben von 500 000 Euro, sieben Festangestellte sowie zahlreiche Honorarkräfte und ehrenamtlich Engagierte. „Und damit ist eine große Verantwortung verbunden“, so die ehemalige Vorsitzende.

Kernbereiche sind weiterhin die Beratung für Familien, Kinder und Jugendliche und der Betreute Umgang, den der Kinderschutzbund für den Kreis wahrnimmt. Für die Beratung sei dagegen noch ein finanzieller Eigenanteil notwendig. Erst wenn dieser gesichert sei, könnten innovative Ideen umgesetzt werden. „Wenn wir eine Lücke im Bedarf für Kinder sehen, schauen wir nach einer Lösung“, so Abeln. Das sei über die Jahre immer gelungen. Ihren Angaben nach ist es einfacher, Spender für konkrete Aktivitäten zu gewinnen. Dazu zählen neben den Elternkursen beispielsweise zu Erziehungsfragen und der Pubertät auch Projekte wie „Starke Eltern – Starke Kinder“, „Fit Füreinander“ an Grundschulen oder „Kindeswohl im Sport“. Besonders am Herzen liegt ihr das Programm „Bewegte Sprache“, für das sie weiterhin verantwortlich zeichnet.

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Überhaupt hat der Kinderschutzbund über die Jahre den Fokus auf Sprache und deren Erwerb gelegt. Die Sprache biete eine Brücke zum Miteiander. „Auch die Gewalt beginnt bei der Sprache.“ Deshalb sei es wichtig, dafür zu sensibilisieren, wie man miteinander umgeht. „Den Kindern fehlt teilweise das Vokabular, sich auszudrücken und Emotionen zu benennen“, bedauert Abeln. Generell hat sie den Eindruck, dass wegen der sozialen Netzwerke heutzutage weniger geredet werde.

Da setzt das Projekt „Bewegte Sprache“, zu dem der Kinderschutzbund mit Ingrid Schneider ein umfassendes Handbuch erarbeitet hat, im vorletzten Kitajahr an und verknüpft die Förderung der sprachlichen und motorischen Entwicklung. Ziele sind die Stärkung der Persönlichkeit, die Befähigung zum Aufbau von Beziehungen sowie der respektvolle Umgang miteinander. Die Kinder lernen, Gefühle auszudrücken. In einem Zitat eines Jungen sieht sie eine Bestätigung der Bemühungen: „Jetzt muss ich nicht mehr beißen und schlagen, ich kann reden.“ Dem neuen Vorstand wünscht Abeln, dass dieser genauso unterstützt wird wie das bislang der Fall gewesen ist. Die ehemalige Vorsitzende ist sich sicher, dass das Team auch Jüngere ansprechen und neue Ideen entwickeln wird, die die Lobby für Kinder weiterbringen.

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