Neu im Rathaus: Annika Jung

Dreieich hat erstmals eine Klimaschutzmanagerin

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Die 26-jährige Annika Jung ist Dreieichs erste Klimaschutzmanagerin.  

Dreieich -  Es ist das erste Mal in ihrer knapp 40-jährigen Geschichte, dass die Stadt Dreieich diesen Posten besetzt hat: Im Rathaus ist seit Kurzem eine Klimaschutzmanagerin beschäftigt. Die Stelle von Annika Jung ist zunächst auf drei Jahre befristet. Von Frank Mahn 

Es ist ein Erfolg, den sich die Grünen ans Revers heften können. Ihrem Engagement und stetem Nachhaken ist zu verdanken, dass sich im Parlament eine Mehrheit fand, die Stadtverwaltung sich um Fördermittel bemühte und diese schließlich auch bewilligt bekam. Jungs Stelle wird über drei Jahre zu 85 Prozent durch das Umweltbundesministerium und das Projekt „Nationale Klimaschutzinitiative“ finanziert. Öfter mal das Fahrrad nehmen, den Diesel gegen ein Elektroauto tauschen, Strom und Wärme vom Dach aus der eigenen Solaranlage für das sanierte Gebäude gewinnen oder saisonale und regionale Produkte kaufen – es gibt viele Möglichkeiten, etwas zu tun. Klimaschutz fängt vor Ort im Kleinen an. „Wir wollen jetzt rangehen und unser Klimaschutzkonzept umsetzen“, sagt Karl Markloff, im Rathaus Ressortleiter Klimaschutz und Energie. Dass es in Dreieich ein solches Konzept gibt, begeistert Annika Jung. „Auch weil die Bürger über Workshops in die Entstehung eingebunden waren.“ Das Ziel ist freilich ambitioniert: Die Stadt will bis 2050 klimaneutral werden.

Markloff und Jung sehen eine ihrer vordringlichen Aufgaben darin, die Leute zu informieren und mitzunehmen. „Es geht ja oft um ganz banale Dinge. Zum Beispiel, dass man beim Lüften die Heizung ausdrehen soll. Oder das Licht ausmacht, wenn man den Raum verlässt“, erklärt Markloff. Die Stadt tue auf dem Energiesektor einiges, ergänzt Erster Stadtrat Martin Burlon. Vergangenes Jahr seien bei der Straßenbeleuchtung 200.000 Euro in die Umrüstung auf LED geflossen, 2016 stehe noch einmal die gleiche Summe zur Verfügung. Aber: Die Stadt allein mit ihren sämtlichen Liegenschaften verbraucht in Dreieich gerade mal ein Prozent der Gesamtenergie. Privatleute – der Anteil der Haushalte am Energieverbrauch liegt bei 30 Prozent – Gewerbe, Industrie und Vereine müssen mit ins Boot. Dabei ist die Überzeugungsarbeit von Annika Jung gefragt.

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Die Hessin hat in Erfurt Landschaftsarchitektur und Energie-Management studiert. Danach arbeitete Jung als Windparkplanerin, bevor sie in den kommunalen Klimaschutz einstieg. Bis sie nach Dreieich wechselte, war sie als Elternzeitvertretung im Klimaschutz der Stadt Karben tätig. An ihrer neuen Wirkungsstätte wird Jung auch für die Koordination des Stadtradelns zuständig sein.

Für dieses Jahr hat die 26-Jährige an konkreten Aktionen unter anderem eine Klimaaktionswoche im Herbst und einen Thermografie-Spaziergang im Winter geplant. Da die Vernetzung von Akteuren im Klimaschutz besonders wichtig sei, um gemeinsame Ziele zu erreichen, will Jung ein Netzwerk im Kreis Offenbach aufbauen, in dem sich die Akteure austauschen können. Zudem will sie die Zusammenarbeit mit Bürgerenergiegenossenschaft und Stadtwerken ausbauen. In Kürze wird Annika Jung ein Projekt für eine klimafreundlichere Mobilität vorstellen – mehr wollte Burlon dazu gestern nicht verraten. „Wir sind sehr froh, Frau Jung für uns gewonnen zu haben. Sie wird es mit ihrer offenen Art schaffen, alle Akteure in der Stadt anzusprechen und hoffentlich auch für die Sache des Klimaschutzes zu begeistern“, sagt der Erste Stadtrat. Die Klimaschutzmanagerin ist unter 06103/601-478 oder per E-Mail an annika.jung@dreieich.de zu erreichen.

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