Beitritt zur internationalen Marketinggesellschaft

Firmen aus dem Ausland anlocken

Dreieich - Die Stadt möchte verstärkt auch Unternehmen aus dem Ausland anlocken. Dazu will sie Mitglied der FrankfurtRheinMain GmbH (International Marketing of the Region) werden. Der Haupt- und Finanzausschuss stimmt dem Vorhaben einstimmig zu. Von Holger Klemm 

Der Jahresbetrag von 20.000 Euro steht bereits im Haushalt 2016, war von den Stadtverordneten aber mit einem Sperrvermerk versehen worden. Vor einem Eintritt wollten sie erst einmal mehr über die Gesellschaft erfahren. Deshalb stellt der Geschäftsführer Eric Menges im Ausschuss das Konzept des internationalen Standortmarketings für die Region vor. Vor dem Vortrag wirbt Bürgermeister Dieter Zimmer für das Vorhaben. In einem Beitritt sieht er Chancen und Möglichkeiten. Dreieich sei ein wirtschaftlich starker Standort mit erheblichem Potenzial. Durch die Gesellschaft könne man auch international tätig werden. Neben dem Kreis ist Neu-Isenburg die einzige Kreiskommune, die bislang dazu gehört. Der Landrat würde einen Beitritt von Dreieich begrüßen, versichert Zimmer. Auch das Regierungspräsidium habe nichts gegen die Mitgliedschaft der Schutzschirmkommune. Lange könne die Stadt aber nicht mehr warten, da die Anteile für Gesellschafter begrenzt seien. Die 20.000 Euro könnten zum Teil refinanziert werden, da die Stadt auf andere Beiträge beispielsweise für die Expo Real verzichte.

Der Gesellschaft, die sich dem Standortmarketing im Ausland verschrieben hat, gehören bislang neun Städte, acht Landkreise, das Land sowie sieben weitere Organisationen wie das IHK-Forum an. Dafür sind 20 Mitarbeiter in Vertretungen in den USA, China und Indien tätig. Hauptaufgaben sind nach Angaben von Menges die Anbahnung von Ansiedlungen, aber nicht die Umsetzung und die Bestandspflege. Auch gehe es nicht um die Umsiedlung innerhalb Deutschlands. Stattdessen sollten positive Standortfaktoren kommuniziert und Netzwerke gepflegt werden. Ausgangspunkt ist die Überlegung, dass die Stadt Frankfurt mit ihren nur 700.000 Einwohnern eine internationale Marke sei, vor allem als Finanzplatz, mit dem Flughafen sowie der Messe.

Die Region Rhein-Main sei dagegen keine Marke, verfüge aber über 5,5 Millionen Einwohner und attraktive Unternehmen im Bereich Autoindustrie, Elektronik und Computertechnik (ITC), Logistik sowie Pharma und Biotechnik. Zusammen könnte man im internationalen Wettbewerb punkten. Das ist nach Meinung von Menges notwendig, da der zunehmende Wettbewerb der Regionen neue Strategien erfordere. Er verweist auf die starke Zunahme der Agenturen für das Standortmarketing weltweit und die Konkurrenz aus den anderen Bundesländern.

Dabei konzentriere sich FrankfurtRheinMain auf ein zielgerichtetes Standortmarketing – basierend auf klar definierte Länder wie USA, China, Taiwan, Japan oder Südkorea und Branchen wie Elektronik und Computer, Finanzwirtschaft, Logistik, Chemie oder Pharma. Auch nach Großbritannien gebe es hervorragende Kontakte, was angesichts des Brexits und der dort drohenden Verlagerung von Unternehmen vielversprechend sei.

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Die Gesellschaft setzt auf die konkrete Ansprache und persönliche Begleitung von Unternehmen und die Suche nach Büros oder dem passenden Gelände. Menges verweist auf 800 Neuansiedlungen seit 2005 und jährlich 8 000 Kontakte. In der Pipeline seien an die 90 Projekte. Auch Dreieich habe durch die Ansiedlung eines Softwareunternehmens aus Taiwan schon profitiert. Er betont aber auch, dass die Gesellschaft nicht konkret für eine Stadt tätig wird. Vielmehr wird bei Interesse eines Unternehmens geschaut, wo sich die geeigneten Bedingungen finden.

In der Diskussion bittet Oliver Heidecker (FDP) um einen jährlichen Bericht. Auf Vorschlag von Boris Sabborosch (CDU) sagt die Wirtschaftsförderung zu, über ihre Aktivitäten zu informieren.

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