Grundstück für 85 Sozialwohnungen ein Schnäpcchen

Ehemaliges Opel-Gelände: Siedlung mit Vorzeigecharakter

Am Computer gibt es die „Soziale Wohnsiedlung mit ökologischem Baustandard“ an der Hainer Chaussee schon. Entworfen hat sie der Architekt Klaus Ehrmann aus Dieburg, 2015 einer von mehreren Preisträgern beim Holzbaupreis Hessen.

Dreieich -  Bei kaum einem Thema sind sich die Kommunalpolitiker über Parteigrenzen hinweg so einig wie bei diesem: Die Stadt braucht dringend Sozialwohnungen. Ein außergewöhnliches Projekt soll an der Hainer Chaussee entstehen. Von Frank Mahn 

Gemeinsam mit der HR Grundbesitz- und Verwaltungs-GmbH will die Kommune auf dem ehemaligen Opel-Gelände 85 Wohnungen bauen. Weitere 40 sind für das Areal geplant, auf dem im Moment noch das alte BIK-Haus steht. Investitionsvolumen insgesamt: 20 Millionen Euro. Mit Blick auf das Areal, das früher mal Heimat eines Autohauses war, spricht Bürgermeister Dieter Zimmer von einem Glücksfall. Der Eigentümer unterstütze das Vorhaben in jeder Hinsicht. Geschäftsführer der HR GmbH ist Hans Nolte, bekannt unter anderem als Eigentümer von Hahn Air und Sponsor des SC Hessen Dreieich. Die Gesellschaft hat das 13 800 Quadratmeter große Grundstück vor einiger Zeit erworben und ist bereit, es zu einem günstigen Preis an die Stadt zu verkaufen – wenn diese dort sozialen Wohnungsbau umsetzt. Geben die Stadtverordneten am 24. Mai grünes Licht, kann die Stadt die Fläche für 1,1 Millionen Euro kaufen. 80 Euro für den Quadratmeter wären ein Schnäppchen. Der Bodenrichtwert liegt bei 180 Euro.

Matthias Portis, im Rathaus Leiter des Fachbereichs Finanzen und Controlling, bewertet die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens als „einmalig gut“. Das auch vor dem Hintergrund von Förderdarlehen, die die Stadt von Land und Bund abrufen will.

Ein Konzept für die Bebauung hat der Architekt Klaus Ehrmann im Auftrag der HR, aber in Abstimmung mit der Stadt, wie Zimmer betont, bereits erstellt. Arbeitstitel des Projekts: „Soziale Wohnsiedlung mit ökologischem Baustandard“. Der Plan sieht fünf Zeilen mit dreigeschossigen Holzrahmenhäusern vor. Sie sind kostengünstig, aber von der Energieeffizienz her top. Keller sind nicht vorgesehen, diese Funktion könnten Fertiggaragen übernehmen, die damit gleichzeitig die Gärten von den Wegen trennen würden. Eine Besonderheit sind angedockte Mehrzweckräume, die als Treffpunkt für die Bewohner dienen sollen. „Sie könnten auch zur Hausaufgabenhilfe oder Über-Mittag-Betreuung genutzt werden“, schildert Zimmer und spricht von einem „Vorzeigeprojekt für die Region“.

Grundsätzlich basieren die sechs Wohnungen eines Hauses auf dem gleichen Grundmodul. Das Konzept ist aber auf Flexibilität ausgelegt. Aus zwei kleineren Wohnungen kann eine große werden – für große Familien oder Wohngemeinschaften von Senioren oder Studenten. Auch anerkannte Flüchtlinge könnten dort ein Zuhause finden.

Eine wichtige Rolle – so nah an der A 661 – spielt das Thema Lärm. Der vorgeschriebene Abstand von 100 Metern zur Autobahn sei gewährleistet, sagt der Leiter des städtischen Fachbereichs Planung und Bau, Martin Krauskopf. Die Schlafzimmer sollen allesamt zur – ruhigeren – Nordwestseite hin angeordnet werden.

"Unverbaute Lage" und "gut erhalten": Das bedeuten Immobilien-Codes

Wird der Plan umgesetzt, verschwinden auch die Obdachlosenunterkünfte, die auf dem angrenzenden, der Stadt gehörenden Grundstück stehen. Dort leben derzeit 16 Menschen, darunter eine fünfköpfige Familie. Die Integration von Obdachlosen in das neue Wohnprojekt sei beabsichtigt, wie Zimmer sagt. In den Standort will die Stadt insgesamt 12,5 Millionen Euro investieren. Davon sollen 10,5 Millionen über Förderdarlehen aus einem 2015 von Bund und Land aufgelegten Kommunalinvestitionsprogramm finanziert werden. Die Bedingungen sind kaum zu toppen. Der Clou: In den ersten 15 Jahren der 30-jährigen Laufzeit sind keine Zinsen fällig.

Noch nicht ganz so weit ist die Stadt mit dem ebenfalls an der Hainer Chaussee gelegenen BIK-Haus-Gelände. Die Absicht, dort zirka 40 Sozialwohnungen zu bauen, ist sozusagen in Stein gemeißelt. Allerdings ist die Planung noch nicht so konkret. Das Investitionsvolumen wird mit 7,6 Millionen Euro angegeben. Die Hälfte davon soll als Darlehen vom Land fließen – bei einem Zinssatz von 0,6 Prozent über 20 Jahre.

Für beide Standorte sind Änderungen der Bebauungspläne notwendig. Die Verfahren können bis zu einem Jahr dauern. Nach den Worten von Erstem Stadtrat Martin Burlon wurden dafür im Rathaus eigens personelle Ressourcen geschaffen. Wenn das Parlament in drei Wochen zustimmt, sollen alle weiteren Schritte in die Wege geleitet werden. Baubeginn auf dem alten Opel-Gelände könnte noch 2017 sein, das erste Haus wäre ein paar Monate später fertig.

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