Ex-Kommunalpolitiker aus Dreieich schreibt Buch

Suche nach den eigenen Wurzeln

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Günther Vogt verbringt mit seiner Frau Elsbeth einen Teil des Jahres im Hunsrück, in dem „rauen Land“, in dem er unter schwierigen Umständen groß wurde. Kurz nach dem Krieg kam der heute 85-Jährige nach Götzenhain.

Dreieich - Die Dreieicher, allen voran die Götzenhainer, kennen Günther Vogt durch sein politisches Engagement. Im Alter von 85 Jahren ist er nun unter die Autoren gegangen. Vor wenigen Wochen ist im Cocon-Verlag sein Buch „In einem rauen Land - Kindheitserinnerungen“ erschienen. Von Frank Mahn 

Wie hart das Leben damals war, können nur die beurteilen, die den Krieg miterlebt haben. Günther Vogt hat die Geschichte seiner Kindheit niedergeschrieben. Die war – nicht nur weil die Welt durch den Nazi-Wahnsinn aus den Fugen geraten war – schwierig. „Ich war ein Außenseiter“, erzählt der Dreieicher. Günther Vogt wird in Düsseldorf geboren, kommt aber im Alter von fünf Jahren in eine Pflegefamilie im Hunsrück. Warum ihn die Eltern weggeben – Vogt vermutet den Stiefvater als treibende Kraft – hat er nie hundertprozentig klären können. Ebenso wenig wie das Motiv der Pflegefamilie, ihn bei sich aufzunehmen. Vor allem die Mutter sorgt im Rahmen ihrer Möglichkeiten für den Jungen, Nähe und Zuneigung werden ihm allerdings nicht zuteil.

Vogt schildert seine Erinnerungen in einer nüchternen, teils ein wenig abgehackten und distanzierten Sprache. Dennoch lesen sich die 125 Seiten flüssig – vor allem weil es dem Götzenhainer gelingt, eindringliche Bilder im Kopf zu erzeugen. Von Lehrern, die lieber den Rohrstock gebrauchen statt Wissen zu vermitteln, von der Strafe, die es setzt, als der kleine Günther gemeinsam mit anderen beim Klauen von Brot erwischt wird, der Suche nach Kartoffelkäfern, die von den Engländern angeblich in Massen über deutschen Feldern abgeworfen werden, von amerikanischen Jagdbombern, die die Einwohner des Dörfchens in Angst und Schrecken versetzen.

Man kann sich die Szene gut vorstellen, wie der fünfjährige Bub mit einem kleinen Koffer in der neuen Umgebung ankommt und heulend auf dem Weg sitzt, ehe er ins Haus geholt wird. Die zehn Jahre in der Pflegefamilie bezeichnet Vogt im Nachhinein als „Existenz auf Abruf“. Immer wenn der Bub sich nicht so verhält, wie er soll, wird ihm mit der Rückkehr ins Heim gedroht. Und immer wieder wird der Junge gehänselt. Seine Mutter sei eine Rabenmutter, er komme aus dem „Wänsche“ – ein Dialektausdruck für Zigeunerwagen – bekommt er häufig zu hören. Das lässt ihm noch Jahrzehnte später keine Ruhe. Bei der Suche nach seinen Vorfahren entstand die Idee für das Buch. Aus dem „Wänche“, das hat Vogt recherchieren können, stammt er nicht.

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Nach Kriegsende kommt er als 15-Jähriger nach Götzenhain, bei Nassovia in Langen macht er eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Ein paar Jahre danach absolviert Vogt ein BWL-Fernstudium und ist in leitender Funktion für verschiedene Firmen tätig. Er engagiert sich ehrenamtlich in der Politik, sitzt für die SPD im Götzenhainer Gemeindeparlament. Später ist er Vorsitzender der Dreieicher SPD-Fraktion und eineinhalb Jahre Stadtverordnetenvorsteher. Im Hunsrück-Dörfchen Uhler haben er und seine Frau Elsbeth ein Haus, in dem das Paar ein Gutteil des Jahres verbringt.

„In einem rauen Land – Kindheitserinnerungen“ ist zum Preis von 14,80 Euro in der Sprendlinger Bücherstube zu haben. ISBN: 978-3-86314-336-7.

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