Sechs Verletzte bei Unfall auf B486

Verursacherin kommt mit Geldstrafe und Führerscheinentzug davon

+
Ein Bilod vom Unfallort am 31. Januar diesen Jahres. Weitere Motive finden Sie in der Galerie.

Dreieich/Langen - In fast jeder Hinsicht glimpflich ausgegangen ist ein schwerer Verkehrsunfall, der sich am 31. Januar auf der B 486 bei Offenthal ereignete. Als Folge eines riskanten Überholmanövers kollidierten dort um 6.14 Uhr drei Pkw miteinander. Mit Ausnahme der Verursacherin kamen alle in den Unfall verwickelten Personen mit leichten Verletzungen davon. Von Silke Gelhausen-Schüßler 

Gestern musste sich die 23-Jährige vor dem Amtsgericht in Langen verantworten. Dabei ging es noch einmal gut für sie aus. Nach einer einstündigen Sitzung verurteilte Richter Volker Horn die Bürokauffrau aus Rödermark „nur“ zu 1 400 Euro Geldstrafe und weiteren fünf Monaten Fahrverbot – wegen fahrlässiger Straßenverkehrsgefährdung in Tateinheit mit fahrlässiger Körperverletzung. Das Urteil ist rechtskräftig, sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung verzichteten auf das Einlegen einer Berufung.

Die Anklage lautete zunächst auf grob verkehrswidriges und rücksichtsloses Verhalten. Dafür sieht der Paragraf 315c des Strafgesetzbuches, der die Gefährdung des Straßenverkehrs regelt, neben finanziellen Sanktionen auch die Möglichkeit einer Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren vor. „Wir wehren uns nicht gegen die Fortsetzung des Führerscheinentzugs. Mit grob fahrlässig und rücksichtslos haben wir aber so unsere Probleme“, sagt Verteidiger Michael Gensert. Nach Sichtung der Lichtbildunterlagen zeigt der Richter Verständnis: Keine durchgezogene Linie und kein Schild verbieten in der langgezogenen Kurve das Überholen. Für eine Änderung der Anklageschrift zum Begriff „fahrlässig“ möchte Richter Horn jedoch eine geständige Aussage. Die hat die Rödermarkerin bislang verweigert. Ihr Anwalt übernimmt den Part: „Meine Mandantin hat an das Geschehen nur noch lückenhafte Erinnerungen. Was sie noch weiß, ist, dass sie dicht auf das vor ihr fahrende Auto aufgefahren ist, um zu überholen – was sie dann auch tat. Das entgegenkommende Taxi hat sie dabei übersehen.“ Wo sie überhaupt herkam, will der Richter wissen. Diesmal antwortet die zierliche Frau selbst: „Von einer Feier“, gibt sie zaghaft zu.

Bestraft wurde sie durch den Unfall schon zur Genüge: Einem Beckenbruch und einer Ellenbogen-Fraktur folgten eine viermonatige Arbeitsunfähigkeit, noch heute kämpft sie mit Bewegungseinschränkungen. Durch den Aufprall ihres Opel Corsa mit dem entgegenkommenden B-Klasse-Mercedes wurden beide Fahrzeuge bis zu 180 Grad um die eigene Achse geschleudert, dabei touchierte das Kleinwagen-Heck ein weiteres Auto auf der Gegenfahrbahn und blieb auf dem Dach liegen. Der touchierte Fiat 500 landete im Straßengraben. Die unschuldig Verwickelten erlitten Prellungen und Schleudertraumen – die Angeklagte erwischte es also physisch am schlimmsten. Der Schaden der beiden Kleinwagen wurde auf je 5 000 Euro geschätzt, der des Taxis auf 22.000 Euro.

Sechs Verletzte bei Unfall auf B486

Am Ende überwiegen die Pluspunkte auf dem Konto der Angeklagten: Geständnis, eigene schwere Verletzungen, keine Vorstrafen und nicht zuletzt die Einschätzung als Fahrlässigkeit anstatt grober Rücksichtslosigkeit. Die Bankkauffrau nutzt die Begegnung mit den geladenen, aber nicht mehr benötigten fünf Zeugen zu einer kurzen Entschuldigung. Leise beteuert sie: „Es war ein Fehler, aus dem ich gelernt habe. So etwas wird mir nicht mehr passieren.“

Kommentare