Mit Feuer Geschichten erzählen

Firedancer organisieren von Götzenhain aus ihre weltweiten Auftritte

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Mit verschieden großen Gruppen präsentieren die Firedancer spektakuläre Shows an den unterschiedlichsten Orten. Auch in Fußballstadien begeisterten die Künstler schon die Besucher.

Dreieich - „Ein Funke springt über.“ Das haben sich die Firedancer auf die Fahnen geschrieben. Vom Büro im alten Rathaus in Götzenhain aus plant das Team um Christian Weiß spektakuläre Shows, die weltweit zu sehen sind. Ein Termin führt sie nun in die Heimat. Von Holger Klemm 

Mit „Elements of life“ gestalten die Firedancer am Sonntag das Finale der Burgfestspiele – mal poetisch und leise, dann wild und laut.

„Die Fotos hier entstanden bei einer Reise nach Frankreich“, zeigt Weiß auf die Wände hinter seinem Schreibtisch. Auf allen geht es um das Element, dem sich die Firedancer seit 2002 verschrieben haben. 2006 wurde die GmbH gegründet, deren Geschäftsführer Weiß ist. „Feuer ist nicht nur spektakulär, es kann auch nachdenklich machen“, erzählt er, der Anfang der 2000er Jahre die Idee aus Australien und Neuseeland mitbrachte, und verweist auf Runden am Lagerfeuer, wenn man in die Flammen schaut. Ein Lagerfeuer sei oft der Ausgangspunkt für die Beteiligten, Geschichten zu erzählen. Und in diesem Sinne sind die Firedancer aktiv, zu denen bundesweit mehr als 25 Tänzer, Akrobaten, Sänger und Musiker gehören. Mit speziellen Kursen werden auch Musicalsänger fit gemacht, mit dem Feuer zu spielen. In unterschiedlich großen Gruppen gestalten sie Auftritte beispielsweise bei Firmenfeiern, Geburtstagen, Jubiläen, bei Stadtfesten, auf Plätzen, Kreuzfahrtschiffen und sogar in Stadien. Am Sonntag, 21. August, um 21.30 Uhr setzen sie den Schlusspunkt bei den Burgfestspielen in Dreieichenhain – zum zweiten Mal nach 2014. Auch wenn die Vorstellung bereits ausverkauft ist, lohnt ein Gang zur Abendkasse, da Karten oft nicht abgeholt werden.

„Ich kenne die Burg von klein auf.“ Für den gebürtigen Götzenhainer ist der Termin in der Heimat etwas Besonderes. „Da kommen viele Verwandte und Freunde.“ Zudem sei die Burgruine wie geschaffen für eine Feuershow. Mit ihrer Show „Elements of life“ wollen die beteiligten acht Tänzer und Musiker eine Geschichte ganz ohne Text erzählen. „Es geht um Leben, Feuer und Wasser“, verspricht Weiß. Im Laufe des Abends kommen die unterschiedlichsten Gegenstände zum Einsatz. „Wir zünden alles an“, sagt er schmunzelnd. Das können Sprungseile, Fächer, Schirme, aber auch Instrumente sein, aus denen Funken schlagen. Dazu kommen – je nach Auftritt – Lichteffekte und Laser zum Einsatz. Der Götzenhainer zeigt auf seinem Monitor einige Videos mit spektakulären Auftritten, bei denen die Tänzer und Akrobaten mit spielerischer Leichtigkeit mit Feuer herumwirbeln, dass einem der Atem stockt.

„Solche Auftritte müssen natürlich genau geplant sein“, erzählt Weiß. „Denn wir bringen Feuer an Orte, wo man das eigentlich nicht erwartet.“ Viele Auftritte fänden in geschlossenen Orten statt. Auf allen Aida-Kreuzfahrtschiffen hätten die Firedancer die Silvestershows 2015 gestaltet. „Dabei ist Feuer eigentlich tabu auf Schiffen. Doch die wissen, dass wir es können.“ Auch zu Silvester 2016 seien die Firedancer auf allen Schiffen der Flotte gebucht. Und immer wieder gibt es neue Ideen. „Wir sind ein kreatives Team, uns fällt immer etwas Neues ein.“ Als Beispiel nennt Weiß die Kochshow „Heiß serviert“. Dabei gibt ein Schlagzeuger auf Kochtöpfen den Takt vor. Weitere Kochtöpfe, Pfannen und Tabletts werden entzündet – mit einer Prise Humor. „Wie gesagt, wir zünden alles an“, so Weiß.

Bis vor einem Jahr stand der Götzenhainer selbst auf der Bühne. Doch seitdem steht die Planung und die Organisation für ihn im Mittelpunkt. „Es gibt da genug zu tun.“ So bleibt ihm auch noch Zeit für das Projekt „Feuerstellen“. „Das Feuer hat die Kraft, Menschen zusammenzubringen“, erklärt er. Und das sei in dem digitalen Zeitalter besonders wichtig. Die Firedancer wollen Orte schaffen, an denen man zusammenkommt und sich austauscht. Dazu dienen Feuerschalen, die auf Schulhöfen und an anderen Orten installiert werden. „So entsteht ein Erholungs- und Begegnungsort, an dem miteinander gesprochen, gefeiert, gelacht oder einfach nur dem Knistern des Feuers gelauscht werden kann“, beschreibt Weiß. Für das außergewöhnliche Pilotprojekt „Das Klassenzimmer an der Feuerstelle“ an der Karolina-Burger-Schule erhielten die Firedancer den begehrten EUBEA (European Best Event Award).

Firedancer am Rosenauplatz

Zusätzlich zu den Firedancern entstand das Unternehmen ueberspringer, das Firmen und Teams durch kreative Prozesse führen will. Das Coaching-Angebot verbindet laut Weiß ein uraltes bewährtes Gesprächsritual – den Kreis um das Feuer – mit modernen Kommunikationstechniken. Die Feuerstelle sei traditionell der Ort der freien Rede ganz ohne Hierarchien. Dort könnten die Beteiligten Geschichten erfinden, Konzepte entwickeln und Lösungen für Probleme finden. Dafür sei die ungezwungene Atmosphäre die ideale Basis. Bedauert Weiß nicht manchmal, nach 14 Jahren als aktiver Feuertänzer aufgehört zu haben? Für ihn gebe es aktuell soviel Spannendes zu tun. „Aber manchmal tanze ich im Kopf mit dem Feuer“, gibt er zu. Wer sein Glück am Sonntag bei den Burgfestspielen versuchen möchte, sollte zur Abendkasse kommen, die um 19.30 Uhr öffnet.

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