Drehleiter gilt als Sicherheitsrisiko

Dreieich - Sie sollte erst im nächsten Jahr ausgetauscht werden, aber der Plan hat sich wohl zerschlagen. Nach Angaben des Magistrats muss für die Drehleiter der Sprendlinger Feuerwehr so schnell wie möglich Ersatz her. Von Frank Mahn

Laut Stadtbrandinspektor Andreas Baumbusch lassen „viele technische Mängel“ eine uneingeschränkte Nutzung des Fahrzeugs nicht mehr zu. Die jährliche Überprüfung nach den Unfallverhütungsvorschriften habe das bestätigt. Für Bürgermeister Dieter Zimmer steht deshalb fest: Schnelles Handeln ist erforderlich. Der Magistrat hat der heutigen Stadtverordnetenversammlung eigens eine Sitzung (19 Uhr) vorgeschaltet, um sich die außerplanmäßige Ausgabe in Höhe von 580.000 Euro zügig genehmigen zu lassen. So sich eine Mehrheit der Kommunalpolitiker von der Notwendigkeit einer Neuanschaffung, favorisiert wird der Kauf eines Vorführfahrzeugs, überzeugen lässt.

In die Jahre ist sie gekommen, die Drehleiter DLK 23-12 der Feuerwehr Sprendlingen. 1987 war sie für 730.000 Mark angeschafft worden. Nahezu 90 Prozent der Einsätze entfallen auf das Retten von Personen nach Unfällen oder den Transport von kranken und schwergewichtigen Menschen aus oberen Stockwerken – wenn das Treppenhaus zu eng ist. Die Sprendlinger Leiter samt Rettungskorb ist dazu ausgelegt, sie bis zu 30 Meter auszufahren. Das geht inzwischen nicht mehr. 25 Meter sind das Maximum. Die Dreieichenhainer Feuerwehr hat noch eine Drehleiter, allerdings ohne Rettungskorb und mit einer Länge von nur 18 Metern.

Die Sprendlinger Leiter sei nur noch bedingt einsetzbar. „Größtes Problem ist hierbei die Stabilität der Hydraulik und damit das Halten der Einsatzhöhe des Leiterparks. Die entsprechenden Zylinder geben nach und die Leiter rutscht wieder in sich zusammen. Dies gefährdet die Einsatzkräfte erheblich. Weiterhin ist es zum Ausfahren der Leiter notwendig, das Fahrzeug seitlich abzustützen und ein Kippen der Leiter zu verhindern. Im schlimmsten Fall kann das Fahrzeug ohne Vorwarnung umstürzen.“

„Stadt kann sich kein neues Feuerwehrauto leisten“

Das alles und noch viel mehr ist in der Begründung zu lesen, die der Magistrat den Stadtverordneten vorgelegt hat. Die Parlamentarier erfahren, dass die Stadt in den vergangenen zehn Jahren 100 .000 Euro in die Instandsetzung des Fahrzeugs investiert hat und weitere Ausgaben für Reparaturen nicht sinnvoll seien. So nagt nach Zimmers Worten auch der Rost an der Karosserie.

Der Vorsatz, die Drehleiter ob ihrer Mängel auszurangieren und eine neue anzuschaffen, wurde schon vor längerer Zeit gefasst, war aber erst für 2013 vorgesehen. 750.000 Euro waren dafür ins Investitionsprogramm aufgenommen worden. „Dass es jetzt doch schneller kommt als erwartet, hat auch die Verantwortlichen bei der Feuerwehr überrascht“, sagt Zimmer. Und warum will die Stadtregierung sich jetzt nur 580.000 Euro absegnen lassen? Ein Vorführfahrzeug sei nun mal günstiger als ein neues, so Zimmer. Geht seine Rechnung auf, könnte die neue Drehleiter nach einer europaweiten Ausschreibung im August auf den Hof der Feuerwehr rollen. Der Bürgermeister geht im Übrigen fest von einem Landeszuschuss in Höhe von 100.000 Euro aus.

Das alles interessiert Horst Göckel nicht. Der Sprendlinger hat den Parteien einen Brief geschrieben. „Eine so hoch verschuldete Stadt wie Dreieich kann sich ein neues Feuerwehrauto nicht leisten“, meint Göckel. „Bei bisher ordentlich durchgeführter Wartung sollte der Lkw aufgrund seiner Jahre in gutem Zustand sein.“ Göckel glaubt, dass eine Instandsetzung die wirtschaftlich vernünftigere Variante ist.

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