Pauken am Gemüseregal

Flüchtlingshilfe sucht Ehrenamtliche für Sprach- und Sportangebote

Dreieich - Seit März sind Flüchtlinge in der Sprendlinger Unterkunft Damaschkestraße untergebracht. Nun kommen Freizeitangebote für die mehr als 100 Menschen ins Rollen. Um die zu realisieren, sucht die Diakonie dringend Ehrenamtliche. Von Julia Radgen 

„Das Interesse an den Flüchtlingen und die Hilfsbereitschaft haben abgenommen“, beklagt Hanna Harbecke vom Diakonischen Werk Offenbach-Dreieich-Rodgau. Sie koordiniert für den Träger der Sprendlinger Gemeinschaftsunterkunft die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe. Anfangs, so Harbecke, hätten sich mehr Dreieicher engagiert. Nun gingen wohl die meisten davon aus, die Zugezogenen hätten sich bereits eingelebt und integriert, vermutet die Hauptamtliche. Einige seien schon in andere Unterkünfte gekommen, doch noch immer leben 110 Menschen in den sanierten Räumen der ehemaligen Max-Eyth-Schule. In den zu Schlafsälen umfunktionierten Klassenzimmern leben pro Raum bis zu vierzehn Menschen. Ungefähr 20 Minderjährige sind laut Harbecke darunter. Die meisten Flüchtlinge kommen aus Afghanistan, aber auch Syrer, Iraner und Iraker sind in Sprendlingen untergebracht. Ihr Status: asylsuchend.

Zur Stimmung in der Gemeinschaft sagt Harbecke, die Situation unter den Bewohnern habe sich „wieder entspannt.“ Doch die Menschen brauchen Beschäftigung. Arbeiten dürfen sie überwiegend nicht. „Das ist sehr schwierig“, sagt Harbecke. Außerdem müssten die Bewohner zunächst Deutsch lernen. „Viele können zwar ein bisschen sprechen, aber noch nicht ausreichend.“ Um Abhilfe zu schaffen, will die Diakonie in der Damaschkestraße eine Deutsch-AG aufbauen. Die soll bestehenden Angeboten wie dem der Volkshochschule keine Konkurrenz machen. „Wir wollen praxisbezogenen Unterricht mit alltagstauglichem Deutsch erteilen“, erklärt Harbecke. So sei vorstellbar, dass die ehrenamtlichen Lehrer ihre Schützlinge zum Einkaufen begleiteten.

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Mindestens fünf Deutschlehrer werden benötigt, um das Angebot aufzubauen. Die Ehrenamtlichen sollten Spaß am kreativen Deutschunterricht haben. Erfahrung im Unterrichten und eigene Ideen sind willkommen, aber kein Muss. Unterrichtet wird direkt in der Unterkunft, dafür ist einer der früheren Klassenräume vorgesehen. Bereits einen Schritt weiter ist ein zweites Angebot der Flüchtlingshilfe, das sich um Sport dreht. Weil viele Bewohner der Unterkunft den gerne ausüben würden, wurde eine entsprechende AG eingerichtet. Das ehrenamtliche Team soll Kapazitäten bei den örtlichen Sportvereinen ausloten und an die Bewohner vermitteln. Beim Auftakttreffen am Donnerstag wurden die Rahmenbedingungen und das Organisatorische besprochen. Drei Personen seien gekommen. Das bezeichnet Harbecke als „schon recht gut.“ Dennoch werden mehr Helfer benötigt.

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Auf Initiative einer Ehrenamtlichen gibt es zudem einen Näh-Club, in dem Bewohner gemeinsam Gardinen, Decken oder Kissen nähen können. „Sie sollen sich häuslicher fühlen.“ Laut Harbecke soll auch das „Kinderzimmer“ für die jüngsten Bewohner vollständig eingerichtet und ausgestattet werden. „Es kommt ins Rollen“, sagt sie über die Bemühungen, nun strukturiert dauerhafte Angebote aufzubauen. Das ist besonders wichtig: „Denn die Menschen bleiben auf unbefristete Zeit hier.“ Wenn die geplanten Anghebot angelaufen sind, werde man weitere angehen, sagt Harbecke.

Das Auftakttreffen der Deutsch-AG ist am Dienstag, 12. Juli, in der Damaschkestraße 5. Koordinatorin Harbecke ist unter 06103/3035690 oder 0151/26944305 zu erreichen.

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