Eindrücke der Hainer Sri Lanka-Hilfe

Förderprojekte in Sri Lanka bekommen ein Gesicht

+
Horst Ismar und Waltraud Zimmer (rechts im Hintergrund) machten sich im September ein Bild vom Stand der Dinge in Sri Lanka. Die Eine-Welt-Gruppe der Burgkirchengemeinde fördert dort mehrere Projekte.

Dreieichenhain - Wenn Waltraud Zimmer und Horst Ismar von kleinen und großen Erfolgserlebnissen in Sri Lanka sprechen, dann bekommen die von der Eine-Welt-Gruppe der Burgkirche seit vielen Jahren geförderten Projekte ein Gesicht. Im September besuchte das Duo den Inselstaat. Von Cora Werwitzke 

Die zwei Wochen auf Sri Lanka verbrachten Waltraud Zimmer und Horst Ismar vor allem in Kandy und Bandarawela. In diesen beiden Städten fördert die Eine-Welt-Gruppe mehrere Projekte. „In Dreieichenhain war es zum Zeitpunkt unserer Reise heißer als dort“, kommentiert Waltraud Zimmer mit Blick auf den außergewöhnlichen Spätsommer hierzulande. Rund 1200 Meter hoch gelegen, pendelt die Temperatur in den besagten Städten um die 25-Grad-Marke. Das Duo bezahlte den Trip aus eigener Tasche – Urlaubserholung stelle sich dabei kaum ein, sagen sie unisono. „Wenn man so viele Projekte besuchen, für die Kinder einkaufen und die Finanzen kontrollieren will, dann hat man alle Hände voll zu tun.“

Mehr als 30 000 Euro kommen jährlich bedürftigen Kindern zugute. Das Team des kleinen Entwicklungshilfe-Motors der Burgkirchengemeinde schätzt sich glücklich, dass es verlässliche Kontakte vor Ort hat. „Ein zum guten Freund gewordener Partner in Colombo hat zum Beispiel die Finanzverwaltung inne – das ist für uns immens wichtig“, sagt Horst Ismar. Alle arbeiten seinen Worten zufolge ehrenamtlich, „sodass wirklich jeder gespendete Euro bei den Kindern ankommt“.

Auf ihrer Reise pendelten Waltraud Zimmer und Horst Ismar zwischen kühler Kalkulation und emotionalem Gemütszustand. „Als wir ein Mädchen wiedersahen, dass vor mehr als einem Jahr eine Unterschenkel-Prothese von einem unsere Paten finanziert bekommen hat, standen uns die Tränen in den Augen“, berichtet Waltraud Zimmer, die nach acht Jahren das erste Mal wieder in den Inselstaat reiste. Zusammen mit Hauptinitiatorin Inge Ismar hatte sie die Sri-Lanka-Hilfe über viele Jahre koordiniert. Ihres Alters wegen übertrug Inge Ismar ihre Herzensangelegenheit vergangenes Jahr an ihren Sohn. So brummt der Entwicklungshilfe-Motor weiter.

„Sri Lanka erlebt gerade eine hartnäckige Trockenperiode“, berichtet Horst Ismar. Die Teepflanzen auf den weitläufigen Plantagen der Insel lassen die Blätter hängen. Die Folgen spüren auch die 20 geistig und körperlich behinderten Kinder und ihre Lehrerinnen in dem aus Dreieichenhain geförderten Hope Center in Bandarawela. „Dort gibt es große Probleme mit der Wasserversorgung“, berichtet Ismar. Der vor einigen Jahren gebaute Brunnen sei fast ausgetrocknet. „Er müsste tiefergelegt werden. Aber die Mittel können wir zur Zeit nicht erbringen.“ Außerdem seien die Lebensmittelpreise stark gestiegen. Die Schere zwischen Einkommen und Lebenshaltungskosten gehe immer mehr auf. „In einem an Früchten so reichen Land kann sich kaum jemand Obst leisten“, veranschaulicht Waltraud Zimmer die Lage.

Wahl auf Sri Lanka begonnen: Alter Machthaber will Rückkehr

Doch es gibt auch viel Positives zu berichten: So zeigte sich das Duo aus Dreieichenhain beeindruckt vom Boys Home in Kandy, einem Heim für Straßenjungen, das relativ neu zu den Förderprojekten gehört. 14 Jungen werden dort mit einer Patenschaft unterstützt. „Die Unterbringung in dem Heim bewahrt die Kinder vor Kriminalität und Missbrauch“, sagt Ismar. Sie gewährleiste im Gegenzug eine geordnete Kindheit und Ausbildung.

Für das langfristige Engagement der Hainer steht unter anderem eine seit 1994 geleistete Unterstützung für Farmarbeiter-Familien in Uduwela. Die 80 Kinder auf der dortigen Teeplantage bekommen Zusatzunterricht und -ernährung. „Denn ohne das haben sie kaum eine Chance, den Kreislauf der Armut zu durchbrechen“, weiß Ismar. Ein ähnliches Projekt in Bandarawela mit nochmals gut 80 Jungen und Mädchen sowie rund 75 Patenschaften für bedürftige Kinder komplettieren das in Dreieichenhain initiierte Hilfspaket.

Jeder Erfolg beschert den Unterstützern neue Motivation für die zeitaufwendige Arbeit. „Es ist jedesmal wie ein Geschenk, wenn es ein Kind in einen Beruf geschafft hat und nun in der Lage ist, die eigene Familie zu unterstützen“, veranschaulicht Waltraud Zimmer. Oder aber, wenn eine Elfjährige mit zuvor schlecht sitzender Gehhilfe dank einer Prothese herumflitzen kann. „Und weil diese Prothese zweiteilig ist und durch das Wachstum des Mädchens vorerst nur der obere Teil ausgetauscht werden muss, können sich das die Eltern selbst leisten“, freut sich Ismar. Besser könne Hilfe zur Selbsthilfe kaum laufen.

Wieder zurück in der Heimat wollen sie ihre frischen Eindrücke teilen – unter andrem mit vielen großzügigen Paten in und um Dreieichenhain: In Kürze wollen Waltraud Zimmer und Horst Ismar ihre Eindrücke in bebilderten Vorträgen weitergeben. Termine werden noch veröffentlicht.

Kommentare