„Freiheit der Person ist unverletzlich“

Keine separaten Badezeiten für muslimische Frauen

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Dreieich - In die Diskussion über die Frage, ob es in Schwimmbädern weitere Zeiten speziell für muslimische Frauen geben soll, schaltet sich der Dreieicher Ausländerbeirat ein.

Dieser stellt sich auf die Seite des CDU-Landtagsabgeordneten Hartmut Honka, der sich klar gegen die Forderung der Arbeitsgemeinschaft der Ausländerbeiräte in Hessen (agah) ausgesprochen hat. Er verwies zur Begründung auf den Artikel drei des Grundgesetzes (GG) zur Gleichstellung von Mann und Frau.  Der Dreieicher Ausländerbeirat lehnt die agah-Forderung trotz des Respektes für die Religionsfreiheit ebenfalls ab und verweist auf den Artikel zwei des GG, wonach die Freiheit der Person unverletzlich sei. Dies kollidiere mit dem Artikel zur Regionsfreiheit. „Darf die Gewährleistung von ungestörter Religionsausübung in die Gleichstellung von Mann und Frau sowie die Freiheit der Person hineingreifen und inwieweit kann Sport als Religionsausübung interpretiert werden?“, fragt die Vorsitzende Fatma Nur Kizilok. Geschlechtergleichstellung manifestiere sich eben auch im Schwimmbad, das Männer und Frauen gemeinsam nutzen können.

Der Ausländerbeirat stellt folgende Fragen: „Was ist das für eine Logik, Frauen, denen Freiheit und Gleichheitsrechte abgesprochen werden, Rechte zu geben, die ihre weitere Benachteiligung noch verfestigen? Kann man freiwillig auf Freiheit verzichten? Wenn wir dies zulassen, sind wir dann noch glaubwürdig mit unserem Grundgesetz, dass alle Menschen frei und gleich sind und Würde besitzen?“ Deshalb müsse der Artikel vier, Absatz zwei, zur ungestörten Religionsausübung einer Prüfung unterzogen werden. Dabei sei zu klären, inwieweit Sport eine Sache der Religion sei beziehungsweise welche Handlungen oder Rituale der Religion zuzuordnen seien.

Die 25 Badeseen und Freibäder in der Region

Andererseits gebe es im Grundgesetz den Artikel neun zur Gründung von Vereinen und Gesellschaften. Islamische Gemeinden könnten speziell für ihre Gläubigen Schwimmbäder bauen, um ihre Frauen in den Genuss des Schwimmsports kommen zu lassen, fern von jedem männlichen Wesen. Der Ausländerbeirat betrachtet es als Untermauerung der Benachteiligung von Muslima als gleichberechtigte freie Frauen, ihnen Sonderrechte für Extra-Badezeiten zuzusprechen. Es würde auch die soziale Ungleichheit von Frauen untereinander sowie zwischen Männer und Frauen fördern. Auch wenn man die Religionsfreiheit hochschätze, dürfe diese nicht im Widerspruch zu den anderen im Grundgesetz verankerten Menschenrechten stehen. hok

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