Fundsachenversteigerung der Stadt

Kein Glück mit Damenrädern

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Überwiegend Fahrräder, aber auch eine Drohne, Mobiltelefone und Gartengeräte bringt Thomas Müller für wenige Euro an den Meistbietenden. Bis zur Versteigerung schlummern die Gegenstände sechs Monate lang im Fundbüro der Stadt.

Dreieich - Spaß am Bieten oder bei der Schnäppchensuche – verschiedene Gründe treiben Besucher zur Versteigerung der Fundsachen aus dem Arsenal der Stadt. Verlorenes kommt dort zu Spottpreisen unter den Hammer. Von Julia Radgen 

Und manch einer findet unverhofft Ersatz für seine eigenen verschollenen Besitztümer. Das schwarze spinnenförmige Flugobjekt zieht neugierige und skeptische Blicke auf sich. Auf seine vier Beine gestützt, an deren Enden Propeller prangen, thront es auf dem Tisch vor dem Rathaus, zwischen Schuhen, Kleidung und Brillen. „Wer weiß, was da noch für Bilder drauf sind“, meint ein Mann misstrauisch. „Gar keine, sie hat keinen Speicherchip“, beruhigt Thomas Müller, Leiter des Fachbereichs Bürger und Ordnung und zeigt auf die Drohne mit Kamera, eines der vielen Fundobjekte, die die Stadt gestern an den Meistbietenden verkauft hat.

Sechs Monate lang muss das Fundbüro abgegebene Gegenstände lagern. Danach hat der Finder gesetzlichen Anspruch darauf. Macht dieser keinen Gebrauch davon, „muss es die Stadt verwerten“, sagt Müller. Dreieich versteigert und die Stadtkasse wird am Ende des Tages um sagenhafte 457 Euro reicher sein.

Von klein nach groß geordnet präsentiert Müller die Objekte rund zwei Dutzend Besuchern. Ein kleines kompaktes Mobiltelefon der älteren Generation geht für einen Euro, das Mindestgebot, an einen jungen Mann. „Das ist ideal, um es mit auf ein Festival zu nehmen“, erklärt der Schnäppchenjäger. Der Akku halte länger und es sei robuster als moderne Geräte. Außerdem habe es eine Radio-Funktion, stellt er begeistert fest. Ob es funktioniert, wissen die Rathausmitarbeiter nicht. „Keine Garantie“, heißt es von städtischer Seite.

Die Ungewissheit schreckt nicht ab. Weitere Handys, eine Handkreissäge und ein Autoradio kommen für wenige Euro unter den Hammer. Eine Frau ersteigert für 50 Cent eine der vielen Brillen. Eine gewagte Sehhilfe mit blauen Gläsern und weißem Gestell preist Müller an: „Ein Schmuckstück“. Der lockere Spruch beschert dem Modell keinen Käufer, es wandert zurück in den Fundus.

Besser liegt die Verkaufsquote bei der Vielzahl an Fahrrädern, die meist zwischen fünf und 15 Euro erstanden werden. „Heute morgen ist das Fahrrad meiner kleinen Tochter kaputtgegangen“, erzählt eine junge Frau. Spontan ersteigert sie für 15 Euro ein neues Kinderrad. „Das ist sogar eine Nummer größer als ihr altes, da wird sie Augen machen.“

Auch Drahtesel mit Platten oder mit einem fehlendem Rad finden Bieter. Manche brauchen nicht einmal frische Luftzufuhr. Ein Käufer kann gleich mit dem ersteigerten Gefährt davon düsen. An einem anderen hängt noch ein Schloss. „Es empfiehlt sich, die Dame, die die Heckenschere erstanden hat, um Rat zu fragen“, scherzt Müller. Ein Damenrad mit blauem Rahmen preist er vergeblich an. „Schade, wenn’s keiner mag“, sagt der Auktionator enttäuscht. Diese Szene wird sich noch öfter wiederholen. Gefragter sind Rennräder und Mountainbikes. Für ein Herrenrad schaukeln sich die Bieter gegenseitig in die Höhe, bis Müller bei 42 Euro „zum Dritten“ ruft.

Schließlich findet auch die schwarze Drohne einen Bieter. Mit 15 Euro rangiert das Gerät bei der Versteigerung im höherklassigen Segment. Trotzdem hat Basyigit Adem nur einen Spottpreis gezahlt. Für ihn kommt das gerade recht: „Ich habe meine Drohne vor drei Wochen verloren.“ Zu weit sei sie geflogen, die Verbindung kappte und mit dem Gerät waren die Luftfotos verloren. Als er den Einschalter betätigt, leuchtet das Flugobjekt grün und rot auf. Ein gutes Zeichen. Vielleicht muss Adem noch in Ersatzteile investieren. „Das kann ich aber selbst machen, ich bin Techniker“. Dann steht dem nächsten Rundflug nichts im Weg. „Ich darf sie diesmal nur nicht zu weit fliegen lassen, das habe ich gelernt.“ Sonst könnte sie wieder im Fundbüro enden.

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