Zuzug von jungen Familien stellt Stadt vor Probleme

Heckenborn: Es fehlt an Kindergartenplätzen

Dreieich - In Sprendlingen droht ein Engpass bei der Kindergartenversorgung. Aktuell kann bis Ende des Jahres 2016 für 49 Mädchen und Jungen über drei Jahre kein Angebot gemacht werden. Als Ursachen nennt die Stadtverwaltung Zuzüge im Heckenborn und im Berliner Ring. Von Holger Klemm

„Die Situation ist sehr angespannt“, berichtet Ressortleiterin Anne Stein. „Jeden Tag werden es mehr Kinder.“ Die 50-Platz-Marke wird in Kürze erreicht, befürchtet sie. Fieberhaft werde im Fachbereich Schule, Soziales und Integration deshalb nach Alternativen gesucht. Überrascht zeigt sich die Stadt darüber, dass in so kurzer Zeit so viele junge Familien mit Kindern in das Sprendlinger Neubaugebiet Heckenborn ziehen, was natürlich eine schöne Sache sei. Hinzu kämen Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die betreut werden müssen. Stein nennt die Zahl von etwa 50 für ganz Dreieich. „Auch damit haben wir bei der Planung nicht rechnen können“, sagt sie.

Die Stadt hätte zwar Kapazitäten für weitere 50 Plätze, doch dafür fehle das Fachpersonal, nach dem händeringend nicht nur in Dreieich gesucht werde. Auch über die Erhöhung der Gruppenstärke auf 25 wurde stadtintern nachgedacht, um den Engpass vorübergehend aufzufangen. Die Stadt will ihre Standards aber nicht dauerhaft verändern. In vielen städtischen Kindertagesstätten werden Kinder mit Behinderung oder von Behinderung bedrohte Kinder betreut. „Den gesetzlichen Inklusionsauftrag leben wir in allen Dreieicher Kindertagesstätten seit Jahren aus Überzeugung und mit Erfolg“, so Bürgermeister Dieter Zimmer. Durch die Inklusion, wird die zulässige Gruppenstärke in den Kindergartengruppen auf 20 Kinder reduziert. Daher würde sich eine Erhöhung der Gruppenstärke kaum bemerkbar machen. Allein in Sprendlingen stünden dadurch 55 Plätze weniger zur Verfügung.

Themenseite zum Heckenborn

„Wir denken aktuell drüber nach, weitere Plätze zu schaffen“, führt Bürgermeister Dieter Zimmer aus. So sei die Schaffung neuer Räume in Modulbauweise im Gespräch. Sofern der Raum schnell geschaffen werde, fehle es aber auch dann trotz der übertariflichen Bezahlung in Dreieich wieder an den Fachkräften. In Sprendlingen gibt es bisher sieben städtische und zwei kirchliche Kindertagesstätten mit 581 Plätzen für Mädchen und Jungen im Kindergartenalter.

Wegen der schwierigen Situation empfiehlt die Stadt Eltern, die nach Dreieich ziehen, eventuell vorhandene Kindergartenplätze in ihren derzeitigen Wohnortkommunen noch nicht zu kündigen. Die Stadt übernehme die Betriebskosten. Unklar sei jedoch, ob da die anderen Kommunen mitziehen. Die Engpässe beziehen sich nach Angaben der Ressortleiterin allein auf Sprendlingen. In den anderen Stadtteilen gebe es zur Zeit genügend Plätze. Sprendlinger Familien könnten dort Angebote gemacht werden. Allerdings gebe es Familien, die nicht so mobil seien, um davon Gebrauch zu machen.

Bilder: Baustelle Heckenborn

Zudem habe die Stadt die Angebote im Ganztagesbereich verdichtet, um der steigenden Nachfrage in diesem Bereich gerecht zu werden. Diese Veränderung des Betreuungsangebots beziehe sich auch auf die anderen Stadtteile. Für die Flüchtlingskinder werde aktuell überlegt, Spielkreise aufzubauen, um eine alternative Betreuung zu ermöglichen. Doch auch solche Ideen seien nicht einfach umzusetzen, da auch hier Personal gefunden werden muss.

Im Neubaugebiet Heckenborn soll noch in diesem Jahr mit dem Bau einer Einrichtung für U3-Kinder begonnen werden. Stein hofft auf eine Fertigstellung bis Ende 2017.

Rubriklistenbild: © Archiv: nb

Mehr zum Thema

Kommentare