Bunter Musikmix überzeugt

41. Jazz in der Burg mit vielen Facetten

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Verschiedene Musikrichtungen wohlklingend vereinen – das ist die Spezialität der Klazz Brothers und Cuba Percussion. Ihr „Jazz meets Cuba“-Programm im Burggarten war unvergleichlich. Zuvor begeisterte Django DeLuxe mit Sinti-Swing.  

Dreieichenhain -  Auch bei der 41. Auflage von Jazz in der Burg ließen die Besucher die Festivalmacher nicht im Stich. Die zahlreichen Gäste freuten sich über ein abwechslungsreiches Programm. Von Sina Gebhardt

Wenn die Fanfare im Burggemäuer ertönt, ist das wie ein Lockruf, dem alle folgen: Aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet pilgern die Jazz-Fans nach Dreieichenhain, wo während der Burgfestspiele für einen kurzen Moment ihr persönliches Mekka auftaucht: „Jazz in der Burg“. Schon sitzen sie alle sehnsüchtig wartend parat, ein Glas Wein oder Bier in der Hand oder mit dem eigenen Picknickkorb gewappnet für satte vier Stunden Jazz-Musik. Die grauen Wolken halten hier niemanden vom Kommen ab, ziehen an diesem Samstagabend aber gelassen über die Hayner Burg hinweg, ohne das Erlebnis oder die Getränke zu verwässern. „Eine ausgewogene Mischung“ verspricht Wolfgang Barth von den Bürgerhäusern zur 41. Auflage des Festivals, das in diesem Jahr mit einer Mischung aus Sinti-Swing, Boogie Woogie und Cross-over aufwartet.

„Ladies first“ heißt es für die „First Lady des Boogie“: Die Niederländerin Anke Angel kommt im Trio flankiert von Harm van Sleen (Bass) und Remco van Schaik (Schlagzeug) und nimmt das Piano symbolisch für sich ein – indem sie einen Schuh an den Flügel hängt. Mit ihren rotglitzernden Hingucker-Pumps hat sie das weibliche Publikum schnell auf ihrer Seite, doch auch die Männer lassen sich von ihrer Ausstrahlung und Fingerfertigkeit in den Bann ziehen.

Spätestens wenn die Boogie-Queen zu ihren rasanten Rhythmen zu singen anfängt, ist ihr der Beifall gewiss, denn ihre vielseitige Stimme trifft sowohl die jazzig-rauchigen Töne von „I Ain’t Got The Blues“ wie auch die Leichtigkeit von Ella Fitzgeralds „Cow-Boogie“. Mit ihrer kabarettistischen Vergangenheit ist das Energiebündel dann ein Rundum-Sorglos-Entertainmentpaket, das zu ihrer Musik auch mit einer guten Portion Humor überzeugt, wenn sie „Frauen-Boogie“ spielt: „Der ist leicht, einfach und unkompliziert – so wie wir eben.“

Dem flotten Piano-Spiel von Anke Angel haben Django Deluxe dann ihren Sinti-Swing entgegen zu setzen, der zunächst deutlich gediegener daherkommt. Das Gespann der Weiss-Brüder aus Hamburg, Giovanni (Lead-Gitarre), Jeffrey (Bass) und David (Akkordeon), der für den verhinderten Rhythmus-Gitarristen Robert einspringt, kam zum Erfolg wie die Jungfrau zum Kinde.

Nun kann das Trio nicht nur voller Stolz auf einen Jazz-Echo blicken, sondern auch auf das neue Album „Driving“, das mit der NDR-Bigband aufgenommen wurde. Bei den Eigenkompositionen hat sich Giovanni unter anderem von seiner dreijährigen Tochter inspirieren lassen und eines der Stücke nach ihrem Kuscheltier benannt: „Nodja“. Das Publikum ist von den Swing-Musikern so angetan, dass den Hamburgern die erste Zugabe des Abends zufällt, bevor als dritter im Bunde ein ganz eigener Stil das Burggelände erfüllt.

Archivbilder

Bilder: Jazz in der Burg

Ist es Klassik? Ist es Jazz? Oder sind es doch lateinamerikanische Rhythmen? Warum festlegen, wenn man die Musikrichtungen doch so wohlklingend vereinen kann? Die Klazz Brothers Kilian Forster (Bass), Bruno Böhmer Camacho (Klavier) und Tim Hahn (Drums) haben schon mit „Classic meets Cuba“ bewiesen, dass sie gemeinsam mit Alexis Herrera Estevez (Timbales) und Elio Rodriguez Luis (Congas) alias Cuba Percussion einen einmaligen Sound kreieren können. Nun heißt es dem Anlass entsprechend „Jazz meets Cuba“ und das klingt ebenso unvergleichlich. Dennoch lässt es sich das Quintett nicht nehmen, Klassik à la Mozart zu spielen, was bei ihnen eben nicht in einem türkischen, sondern einem kubanischen Marsch resultiert – anders, aber eben auch außergewöhnlich gut.

Die Mischung macht es: Schwungvoller Boogie, grooviger Swing und deutsch-kubanisches Cross-over. „Jazz in der Burg“ zeigt sich auch bei der 41. Ausgabe von seiner facettenreichen Seite und hat dank seiner Vielseitigkeit für jeden Geschmack etwas in petto. Gestern endete Jazz in der Burg mit der Gospel-Matinee und dem Blues-Morning.

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