Jumbo-Dirigent Josef Förster im Blitzlichtgewitter 

Dreieicher war bei erster 747-Landung der Mann der Stunde

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Riesen-Medieninteresse: Während (!) und nach dem ersten Passagierflug des Lufthansa-Jumbos von Frankfurt nach New York gibt Kapitän Josef Förster Interviews.

Dreieich - Josef Förster und die Boeing 747 verbindet eine legendäre Geschichte: Der Sprendlinger war es, der die erste Maschine dieses Flugzeugtyps auf deutschen Boden setzte. Damit ging der Lufthansa-Pionier 1970 in die Annalen der Luftfahrt ein. Heute stößt „Jupp“ Förster mit Familie und Freunden auf seinen 95. Geburtstag an.

Jupp Försters Piloten-Vergangenheit ist nicht zu übersehen: Ein Modell der 747 steht auf dem Wohnzimmerschrank. Darüber Schwarz-Weiß-Fotografien, die an ein Stück deutscher Luftfahrtgeschichte erinnern: Jupp Förster zusammen mit dem damaligen Bundesverkehrsminister Georg Leber und der Crew auf dem Flughafen von Hamburg mit dem Banner in den Händen: „Lufthansa – 1st 747“. Am 29. März 1970 überführt der Lufthansa-Kapitän den ersten Jumbo der deutschen Fluggesellschaft aus Tucson/Arizona in die Hansestadt. Das Hamburger Abendblatt titelt, Förster habe die 747 dirigiert wie Herbert Karajan die Berliner Philharmoniker. 20.000 Menschen bejubeln das Ereignis auf dem Rollfeld der Hansestadt.

Heute feiert Jupp Förster seinen 95. Geburtstag in Sprendlingen. In seinem Garten im Kurt-Schumacher-Ring erzählt der rüstige Senior sehr bescheiden – aber mit glänzenden Augen – von seinen besonderen Erlebnissen im Cockpit des „elegantesten Flugzeugs“ der Welt. Bis zu seinem 60. Lebensjahr war Förster Chef des fliegenden Personals und Leiter des Flugbetriebes bei der Lufthansa und hatte sogar die technischen Details für das Cockpit der 747, die „Königin der Lüfte“ oder in Personalkreisen „die heilige Kuh“, für Boeing mitentwickelt.

Fluggäste zahlten für den Flug von Frankfurt nach New York seinerzeit die stattliche Summe von 1318 D-Mark. 

Dabei sieht es zunächst so aus, als schlage der junge Josef eine ganz andere Karriere ein. Er kommt aus Gablonz im Riesengebirge, wo die Schmuckindustrie seinerzeit einen großen Boom erlebt. Er ist gerade mit der Handelsakademie fertig, als der Krieg ausbricht. Damals ist Fliegerei nur sein Hobby, doch als Fluglehrer ist er nun ein überaus gefragter Mann. Nach dem Krieg geht der Pilot in den Nahen Osten, er will weiter im Cockpit sitzen. 1948 erwirbt Förster im Libanon die Lizenz für den Internationalen Zivilluftverkehr und arbeitet einige Jahre für die „Middle East Airlines“. Als die Lufthansa 1955 Piloten sucht, ist er sofort dabei und einer der vier ersten Kapitäne des Unternehmens. Gemeinsam mit seinen Kollegen baut er über die Jahre die Flotte für seinen Arbeitgeber auf. Dafür wird er schon 1967 mit dem Bundesverdienstkreuz Erster Klasse ausgezeichnet. In den 60er Jahren steuert er eine Lufthansa-Maschine als erstes deutsches Passagierflugzeug nach Moskau und er gehört auch zu den von der Fluggesellschaft abgesandten Piloten, die die Überschallflugzeuge testen sollen, die dann für den deutschen Markt bekanntlich nicht bestellt werden.

Die Überführung der 747 nach Hamburg ist ein Höhepunkt – der erste Passagierflug des Lufthansa Jumbos am 26. April 1970 von Frankfurt nach New York wird noch größer gefeiert. „Wir hatten 200 Journalisten und 150 zahlende Gäste an Bord“, erinnert sich Förster schmunzelnd. Die Schwarz-Weiß-Fotos zeigen den Kapitän mit den Redakteuren beim Interview sogar im Cockpit über dem Atlantik – heute undenkbar. Die Lufthansa wirbt mit einem Plakat: „Am 26. April hat Deutschlands höchstes Kino Premiere“. Für 1318 Mark ist der Premierenflug in dem doppelstöckigen Flieger mit 60 Metern Spannweite zu haben. Die Offenbach-Post widmet diesem Ereignis in ihrer Wochenendausgabe 25./26. April 1970 ein ganzseitiges Interview mit dem Sprendlinger Josef Förster.

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Sprendlinger ist er übrigens auch „aus der Luft“ geworden. „Ich habe das Baugebiet Hirschsprung aus dem Cockpit gesehen. Dieses Bauland habe ich ganz bewusst ausgesucht, weil es eben den schönen großen Garten hat und direkt am Waldrand liegt. Ich war nirgends länger in meinem Leben als an diesem Ort“, fasst er seine Verbundenheit mit der Stadt in Worte. Gemeinsam mit seiner Frau, die leider vor zehn Jahren gestorben ist, und seinen zwei Töchtern ist ihm Sprendlingen zur Heimat geworden. Inzwischen hat der Jubilar vier Enkel und vier Urenkel, die heute alle mit ihm Geburtstag feiern.

Einen Geheimtipp für sein hohes Alter hat Jupp Förster übrigens nicht. „Ich wundere mich selbst manchmal, dass ich bei so viel Jetlag und Zeitumstellung und all diesen Abenteuern so alt werde“, sagt er mit einem Augenzwinkern. Er habe immer Ausgleichssport getrieben, bis vor einigen Jahren noch Tennis gespielt und sei Ski gelaufen. „Jetzt merke ich es doch langsam, dass mein Körper älter wird“, so Förster. Auf sein Geburtstagsfest freut sich der Pionier der Luftfahrt aber natürlich sehr.

col

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