Stadt und Awo kooperieren

Junge Flüchtlinge leben in Wohngemeinschaften

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Matthias Pfeil, Gerlinde Rücker-Lindner (Kreis Offenbach), Silke Möller (Leiterin des Awo-Wohnheims an der Hainer Chaussee) und Betreuerin Angelika Feiler (von links) sind froh über die neuen Wohngemeinschaften in Dreieichenhain.

Dreieich - Die Arbeiterwohlfahrt Hessen-Süd betreibt in Dreieichenhain zwei weitere Wohngemeinschaften für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Ein Haus in der Straße An der Trift ist bereits bezogen, das andere in der Tucholskystraße wird gegen Monatsende belegt. Von Frank Mahn 

In beiden Unterkünften werden 13 Jugendliche auf ein möglichst selbstständiges Leben vorbereitet. Das Haus in der Tucholskystraße hat die Stadt gekauft und für rund 190.000 Euro umgebaut, um es für 15 Jahre an die Awo zu vermieten. Beim Umbau mussten strenge Vorgaben des Landesjugendamtes erfüllt werden, ansonsten gibt es keine Betriebserlaubnis zur ganztägigen Betreuung von Kindern und Jugendlichen. „Schließlich besteht hier ein besonderes Schutzbedürfnis“, sagt Bürgermeister Dieter Zimmer. In wenigen Tagen ziehen dort sechs Flüchtlinge im Alter zwischen 16 und 18 Jahren ein, die meisten aus Afghanistan. Nur einen Steinwurf von ihnen entfernt leben bereits seit Ende April sieben Jugendliche und junge Erwachsene in Wohngemeinschaften zusammen. Sie kommen unter anderem aus Syrien und Somalia und teilen sich – wie in einer WG üblich – Küche, Bad und Gemeinschaftsraum.

„Es war ein Glücksfall, dass diese beiden Liegenschaften zur gleichen Zeit frei geworden sind“, so Zimmer. Das Haus An der Trift sei der Stadt zur Miete angeboten worden, man habe die Eigentümerin aber an die Awo verwiesen, die seinerzeit ebenfalls händeringend Unterkünfte für unbegleitete Minderjährige suchte. Zimmer: „Nun haben wir zwei tolle Einrichtungen in unmittelbarer Nachbarschaft. Das Konzept ist aufgegangen.“ Mit dieser Meinung steht er nicht alleine. „Wir haben damit ein passgenaues Angebot, das wir mit dem Kreisjugendamt und der Stadtverwaltung in enger Abstimmung erarbeitet haben und nun umsetzen können“, sagt Klaus Ernst-Günzel, Leiter des Fachreferats Hilfen zur Erziehung bei der Awo Hessen-Süd.

In den Wohngemeinschaften müssen die Jugendlichen sich arrangieren und versuchen, die Herausforderungen zu meistern, die das Leben in einer WG so mit sich bringt. Den Alltag sollen sie so weit wie möglich selbstständig bewältigen. Sich in der neuen Umgebung eingewöhnen, Schule und Sprachkurs besuchen – das will alles auf die Reihe gebracht werden. Doch das Leben in Deutschland kann für Einwanderer auch im Kleinen seine Tücken haben. Beispiel Mülltrennung. Auch die will gelernt sein. Die Wohngemeinschaften haben nach den Worten von Matthias Pfeil auch die Funktion eines Schutzraums für die teilweise traumatisierten jungen Menschen. „Manche haben Angst, allein in einem Zimmer zu sein und wachen nachts auf“, schildert der Awo-Fachbereichsleiter Kinder, Jugend, Frauen und Familie. Pädagogische Fachkräfte des Verbands sind täglich als Ansprechpartner vor Ort und betreuen die Flüchtlinge. Die können – falls sie Hilfe brauchen – die Nummer der Rufbereitschaft wählen. Das kommt allerdings eher selten vor, gibt den jungen Leuten aber ein Gefühl der Sicherheit.

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Zum Monatsende aufgelöst wird die bisherige Unterkunft für unbegleitete Jugendliche im Jugendzentrum in der Benzstraße. Die Container bleiben freilich, sie sind zum Teil schon mit Familien belegt. Die verbliebenen Bewohner ziehen in Kürze ins Heusenstammer Rainbow-Hotel. Bis auf zwei. Sie kommen in der neuen WG unter. „Das freut mich sehr, auch wenn es nur ein sehr kleiner Trost ist. Wir hätten gerne alle anderen Jugendlichen auch hier in Dreieich behalten. Sie haben sich hier gut eingelebt, haben Kontakte zu Schulen, Netzwerken und zum Juz und sie wären alle auch sehr gerne geblieben“, sagt Zimmer. Die Idee einer Dreieicher „Zentrale“ für minderjährige Flüchtlinge war gescheitert, weil die behördlichen Auflagen zu hoch waren und sich deshalb kein Träger fand.

Awo und Stadt haben sich derweil schon auf ein weiteres Projekt verständigt. Die Partner haben einen Mietvertrag über 15 Jahre für ein Haus in der Straße An den Haselwiesen in Offenthal abgeschlossen. Auch dort soll eine Jugend-WG eingerichtet werden. „Leider laufen die Umbauarbeiten hier nicht so reibungslos“, bedauert Rathaus-chef Zimmer. Nach kompletter Entkernung, die schon länger dauerte als gedacht, mussten weitere Sanierungsmaßnahmen in Angriff genommen werden. Die starken Regenfälle der vergangenen Wochen sorgen für eine zusätzliche Verzögerung. „An der tiefsten Stelle beträgt die Wasserstandshöhe 18 Zentimeter“, berichtet der Bürgermeister. Um die Räume im Keller als Wohnräume nutzen zu können, muss jetzt zunächst abgedichtet werden. Dann erst kommt die Bodenplatte. Das treibe zwar auch die Kosten in die Höhe, schlimmer sei aber, dass der Zeitplan aus dem Ruder gelaufen sei.

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