Geringes Interesse in zwei Kirchengemeinden

Kaum Konfirmanden in Sprendlingen

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Die Erasmus-Alberus-Gemeinde in Sprendlingen hat 2016 nur drei Konfirmanden.

Dreieich - In zwei Sprendlinger Kirchengemeinden ist die Anzahl an Konfirmanden 2016 extrem zurückgegangen: Die Christuskirchengemeinde hatte keinen einzigen, die Erasmus-Alberus-Gemeinde nur drei Konfirmanden.

Ein genereller Trend? Von den Daten der weiteren evangelischen Gemeinden lässt sich das nicht ableiten. Winfried Gerlitz, Pfarrer der Erasmus-Alberus-Gemeinde spricht von einem Sprendlinger Phänomen. Und sein Kollege Thomas Ledig von der Christuskirchengemeinde hat so etwas nach eigenen Worten in seinen 31 Jahren als Pfarrer noch nicht erlebt: Die Zahl der Konfirmanden in beiden Gemeinden des Stadtteils ist dieses Jahr äußerst gering ausgefallen. In der Christuskirche fanden sich überhaupt keine, in der Erasmus-Alberus-Gemeinde waren es lediglich drei.

„Es ist wohl ein geburtenschwacher Jahrgang“, vermutet Ledig. Für das kommende Jahr werde es wieder besser aussehen. 30 Jugendliche der Gemeinde wurden angeschrieben. Er hofft auf etliche Anmeldungen. Generell ist der Pfarrer mit dem Engagement der Jugendlichen in seiner Gemeinde zufrieden. Zahlreiche ehemalige Konfirmanden sind dabei geblieben und bringen sich ein.

Auch Pfarrer Gerlitz kann sich die geringe Zahl nicht erklären. „Im nächsten Jahr wird es auch bei uns wieder einige mehr geben“, betont er. Die drei Jungs, die dieses Jahr in der Erasmus-Alberus-Gemeinde zur Konfirmation gegangen sind, hatten seinen Angaben zufolge auf jeden Fall eine tolle Zeit. Unter anderem stellten sie zwei Theaterstücke auf die Beine, bei denen sie ihre Fähigkeiten eindrucksvoll unter Beweis stellen konnten.

Gerlitz befürchtet, dass sich die Kirchengemeinden langfristig auf weniger Konfirmanden einstellen müssen. Viele Eltern lassen heute ihre Kinder nicht mehr taufen. Das könnten Jugendliche zwar während des Konfirmationsunterrichts nachholen. Aber für viele Familien gehöre die Konfirmation nicht mehr unbedingt dazu. Gerlitz bedauert das. Denn es gehe nicht nur darum, in dem Unterricht mehr über den Sinn des Lebens zu erfahren und die Kirche zu erleben, sondern auch um die Gruppendynamik. „Gerade für Jugendliche in der Pubertät ist es wichtig, auch mal im Mittelpunkt zu stehen und gefeiert zu werden. Wo haben Jungs und Mädchen in dem Alter dazu schon die Gelegenheit?“ Für Pfarrer Ledig liegt die Bedeutung der Konfirmation darin, dass die Jugendlichen sich bewusst zum Glauben bekennen, nachdem sie als Babys getauft worden sind.

Kommunion und Konfirmation: Bilder aus der Region

In der Burgkirchengemeinde in Dreieichenhain sind dieses Jahr 34 Jugendliche zur Konfirmation gegangen – „eine große Gruppe, die wir aufgeteilt auf zwei Sonntage konfirmiert haben“, sagt Pfarrerin Barbara Schindler. Auch nächstes Jahr werden voraussichtlich wieder um die 30 Jungen und Mädchen zusammenkommen. „Insofern haben wir hier nach wie vor große Gruppen“, sagt Barbara Schindler. „Vor zehn oder 20 Jahren waren es sicher noch mehr Jugendliche, aber im Vergleich zu den vergangenen Jahren ist die Entwicklung konstant.“ Jahr für Jahr bleiben der Gemeinde ihren Worten zufolge auch viele ehemalige Konfirmanden als Teamer treu.

Auch in Offenthal sei die Konfirmation ein „bisschen ein Selbstläufer“, sagt Pfarrer Marcus Losch. Am kommenden Wochenende werden – verteilt auf zwei Gottesdienste – 24 Jugendliche konfirmiert. Und exakt so viele haben sich auch für den Unterricht 2016/2017 angemeldet. Bei der Infoveranstaltung sei der Gemeindesaal voll gewesen, berichtet Losch. Viel Werbung sei dafür nicht notwendig, ein Hinweis im Gemeindebrief sei ausreichend.

In Götzenhain werden Anfang Juli 24 Jugendliche ihren großen Tag feiern. Das sind nach 18 Konfirmanden 2015 sogar mehr als zuletzt. Die Versöhnungsgemeinde Buchschlag-Sprendlingen hat dieses Jahr ebenfalls schon 24 Mädchen und Jungen auf ihre Konfirmation vorbereitet. Dort ist von nachlassendem Interesse zurzeit nicht viel zu spüren. (hok/cor/fm)

Kommunion und Konfirmation: Bilder aus der Region

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