Kerb in Dreieichenhain

Schärpe, Hut und Äpplerglas sitzen wie angegossen

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Das erste Mal im Kerb-Outfit: Bei den 19 Kerbborschen des Jahrgangs 2016 – ergänzt um einen Kerb-Minion – wächst die Vorfreude. Als Motto werden sie die Worte „Unsere Seele Allein, Dreieichenhain“ durch die Haaner Nationalfeiertage begleiten.

Dreieichenhain - Der Countdown läuft: 19 junge Haaner zwischen 17 und 18 stehen in den Startlöchern und fiebern gespannt ihrer Kerb entgegen. „Langsam laufen unsere Zeiger rückwärts. Wir warten nur noch auf das große Event“, kommentiert Kassenwart Lars Brauner. Von Timo Kurth

Seine Truppe, zwecks Foto erstmals in voller Kerbmontur mit Hut und Schärpe gekleidet, nickt zustimmend. Das Fest, auf das die Haaner Kerbborschen 2016 rund zwei Jahre hingearbeitet haben, rückt für sie nun auch ganz optisch in greifbare Nähe. Drei Wochen vor Kerbstart am 13. Mai wird das gefüllte Äpplerglas in der rechten Hand schon mal zur Probe gehalten. Vorbereitung ist eben alles, und getrunken wird am Pfingstwochenende sicherlich reichlich. Doch auf Jan Kuch und seinen Jahrgang warten noch ganz andere Aufgaben als das Durchhalten am Tresen.

„Wir haben uns vor zwei Jahren zusammengefunden und seit Januar treffen wir uns jede Woche mindestens ein Mal, um alles vorzubereiten“, so der Kerbvadder des aktuellen Jahrgangs. Auf seinen Schultern liegt dabei sicherlich mit am meisten Verantwortung. Schließlich ist er der Anführer einer seit nunmehr 300 Jahren existierenden Dreieichenhainer Tradition. „Seit 298 Jahren“, korrigiert man mich wie aus der Pistole geschossen. Haaner Kerbborschen müssen eben Bescheid wissen. „Die meisten von uns sind Kerbborschen von Haus aus. Vater und Großvater waren hier schon Kerbborschen. Da ist es fast schon selbstverständlich, ebenfalls der Tradition zu folgen“, so Kuch.

Um die Wahrung einer Tradition geht es den Jugendlichen dabei aber nicht ausschließlich. „Die Gemeinschaft und das Miteinander sind genauso wichtig für uns“, meint Kerbborsch Niklas Graf. Zeit in einer Gruppe Gleichaltriger zu verbringen und auf ein besonderes Ereignis hinzuarbeiten, sind eben Weg und Ziel zugleich. „Man wächst ja schon im Jahr zuvor als Vorkerbborsch zusammen. Die eigene Kerb ist jedoch der große Höhepunkt“, erklärt der Vadder voller Vorfreude.

Die bunte Truppe aus Schülern und einigen Berufstätigen des Geburtsjahrgangs 1998/99 möchte sich bei solch einer langen historischen Vorgeschichte keine Blöße geben. Die in Hof und Zelt allseits gehörten Kerblieder müssen selbstverständlich sitzen. „Wir nehmen ab und an Singunterricht bei ein paar ehemaligen Kerbborschen“, berichtet der Kerbvadder. Außerdem hat die Gruppe wieder viel Arbeit ins Kerbheft gesteckt, das wie immer ab dem 1. Mai zum Familienfest der IG Haaner Kerbborsche erhältlich sein wird.

Bilder von der 297. Haaner Pfingstkerb

Des Weiteren müssen bis zum Bieranstich natürlich noch Bäume gefällt werden, wobei die Vorkerbborschen seit jeher treue Mithilfe leisten. „Am Kerbsamstag wird dann in aller Frühe ausgetragen“, so Kuch, der sich mit seinen Mitstreitern auf die schlaflosen Nächte freut. „Sechs Tage durchgängig mit Hut und Schärpe. So muss das sein“, sagt er lachend. Denn: Als Haaner Kerbborsch während seiner Kerb nicht in voller Montur aufzutreten, hat einen gravierenden Imageschaden für den eigenen Jahrgang zur Folge. „Nicht umsonst hat jeder von uns seine Montur gleich doppelt im Schrank“, so Niklas Graf grinsend.

„Jede Kerb ist für sich besonders. Doch diese eine eigene Kerb kommt nur einmal im Leben und hat etwas ganz Persönliches“, spricht Jan Kuch für seine Gruppe. „Da möchten wir ein gutes Bild abgeben und als Kerbborschjahrgang positiv in Erinnerung bleiben.“ Das sind sie also: Die Kerbborschen 2016, mit denen beim Aufbau des Kerbbaumes am 13. Mai alles beginnt. Dreieichenhain freut sich wieder einmal auf sechs Tage Ausnahmezustand.

Haaner Kerb in Dreieichenhain

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