Spielerisch die Sprache lernen

Heike Keim
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Das Zubereiten eines Obstsalats nimmt Heike Keim in der Kita Schulstraße zum Anlass, Kindern die deutsche Sprache spielerisch näher zu bringen. Dabei wird sie auch von Müttern unterstützt.

Dreieich - „Das ist Kuchen.“ Der kleine Benjan weiß sofort das deutsche Wort für den Inhalt einer gläsernen Schale. Von Holger Klemm

Zuvor hat er zusammen mit anderen Kindern im Küchenraum der Kita Schulstraße Früchte für einen Obstsalat geschnitten und sich dabei Begriffe wie Trauben, Äpfel oder Pflaumen eingeprägt. Benjan gehört zu den insgesamt 160 Kindern in sechs Dreieicher Kindertagesstätten, die in den Genuss einer speziellen Sprachförderung kommen.

„Das Frühstück oder die Herstellung eines Obstsalates sind eine gute Gelegenheit, mit den Kindern ins Gespräch zu kommen“, weiß Heike Keim, die für die Sprachförderung an der Kita Schulstraße zuständig ist. Aber auch andere Themen des Alltags oder Feste sind Ausgangspunkte, dem Nachwuchs die deutsche Sprache näher zu bringen.

Viele Kinder mit Migrationshintergrund können kein Deutsch

Viele Kinder mit Migrationshintergrund können kein Deutsch, wenn sie in die Kitas kommen, berichtet Katrin Radicke, Leiterin der Einrichtung. Doch das sei nicht weiter schlimm. Die Mädchen und Jungs lernen schnell. Voraussetzung sei aber, dass sie ihre Muttersprache gut beherrschen. Und mithilfe der speziellen Sprachfördermaßnahme können viele nach drei Jahren die Sprache so gut, dass man ihren Werdegang kaum glauben mag. Spielerisch werden die Teilnehmer in Kleingruppen damit vertraut gemacht. Die Kinder kommen unter anderem aus der Türkei, Italien, Polen, Russland, Marokko, Pakistan oder Afghanistan.

Manchmal sind es kleine Schritte und Beobachtungen, die den Erfolg der Sprachförderung in den Kitas sichtbar machen. Ein Kind, das monatelang kein einziges Wort spricht, fragt plötzlich die Erzieherin, ob es draußen spielen darf. Und das sei ein schönes Erlebnis, wie Katrin Radicke erzählt.

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration“

„Sprache ist der Schlüssel zur Integration“ - diesen viel beschworenen Satz hat sich die Stadt zur Grundlage für ihr Förderkonzept gemacht. Gute Deutschkenntnisse seien die Basis für Kinder mit Migrationshintergrund, in der Schule Erfolg und damit Chancen auf einen guten Beruf zu haben, betont Bürgermeister Dieter Zimmer.

Auch in diesem Jahr unterstützt das Land Hessen das seit dem Jahr 2004 angebotene Sprachförderprojekt für 13 Kinderkurse sowie die Fortbildung der Kita-Teams und externen Sprachförderkräfte mit insgesamt 37.250 Euro. Die Stadt zahlt 41.671 Euro, der Kreis 5300 Euro.

160 Kinder in den Kitas

Momentan beteiligen sich 160 Kinder in den Kitas Gravenbruchstraße, Kurt-Schumacher-Ring, Am Wilhelmshof, Oisterwijker Straße, Zeisigweg und Schulstraße an dem Programm. Betreut werden sie von insgesamt sechs externen Förderkräften, die eng im Kontakt mit den Mitarbeiterinnen der Kitas stehen. Die Sprachkurse finden nicht isoliert statt, sondern sind eng mit dem Alltag der jungen Teilnehmer verknüpft.

Fester Bestandteil sind auch Bewegungsübungen, da diese für die Entwicklung des Nachwuchses von großer Bedeutung sind. „So ist die Sprachentwicklung entscheidend vom Fortschritt der Motorik abhängig“, weiß Barbara Maurer, die für die Fachberatung der Dreieicher Kitas zuständig ist.

Eng verbunden mit dem Sprachkonzept an den Kitas sind ebenfalls die Mütterkurse „Mama-lernt-Deutsch“. Dort musste allerdings in diesem Jahr der Rotstift angesetzt werden, da die Zahl der Kinder mit einem Bedarf an zusätzlicher Sprachförderung im vergangenen Jahr anstieg und das Budget nicht erhöht werden kann. So wurde die Anzahl zugunsten weiterer Kinderkurse reduziert. Im Moment gibt es vier Mütterkurse - an der Kita Schulstraße und der Gerhart-Hauptmann-Schule im Sprendlinger Norden.

Intensivkurse in der Volkshochschule

Diese niedrigschwellig konzipierten Kurse sind neben den Intensivkursen in der Volkshochschule ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Sprachkursangebote in Dreieich, wie Karin Scholl, Leiterin des Integrationsbüros, betont. Ziel ist es, dass die Frauen einen leichteren Zugang zu den Institutionen Schule und Kindergarten finden. Oft werden die Kursleiterinnen aber auch zu Vertrauenspersonen, berichtet Barbara Maurer.

Das Land fördert die Mutterkurse mit 6100 Euro und der Kreis die Kinder- und Mütterkurse mit insgesamt 7000 Euro. Die Gesamtkosten der Sprachfördermaßnahme betragen 110.000 Euro, davon übernimmt die Stadt 55 Prozent.

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