Sanierung bis Mitte Juni

Zahn der Zeit nagt am Beton der Kläranlage

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Berit Stein und Mitarbeiter Christian Kwapik erklären am Regenrückhaltebecken auf dem Gelände der Kläranlage den Stand der Arbeiten. Während die mittlere Kammer zur Hälfte fertig saniert ist, wartet die dritte noch auf den Beginn.

Dreieich - „Hier gibt es immer etwas zu tun, auch um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden.“ Berit Stein, die bei der Stadt für die Kläranlage im Hengstbachtal zuständig ist, führt zum Regenrückhaltebecken auf dem Gelände, das gerade auf Vordermann gebracht wird. Von Holger Klemm

Die nächste Baustelle steht mit der Sanierung des Faulturms schon an. „Dort können sie erkennen, warum die Arbeiten notwendig geworden sind.“ Stein zeigt auf Risse und eine sichtbare Eisenstange in der dritten Kammer des Beckens, das insgesamt 3750 Kubikmeter Wasser fassen kann. Es gehört zu den etwa 20 Rückhaltebecken im Stadtgebiet, die bei starken Regenfällen in Aktion treten. Außerdem wurden die Wände von knapp unter vier Metern auf 4,50 Meter erhöht, um die Kapazität zu steigern. Ende September startete die etwa 800 000 Euro teure Sanierung, nach einer Pause im Winter soll das Projekt bis Mitte Juni abgeschlossen sein. Momentan ruhen die Arbeiten jedoch, da es für die Anbringung der Oberflächenbeschichtung zu kalt ist. „Ende der Woche soll es besser werden“, hofft Stein auf eine baldige Fortsetzung.

Eigentlich gehört die in den 60er Jahren entstandene Betonkonstruktion nicht zur Kläranlage, sondern zum städtischen Kanalsystem. „Es ist aber nicht ungewöhnlich, dass sich das letzte Regenrückhaltebecken einer Kommune kurz vor oder auf dem Gelände einer Kläranlage befindet“, erklärt Stein. Angesichts der Schäden an den Wänden war die Sanierung vonnöten, die erste übrigens seit der Entstehung. „Insgesamt ist damals gut gebaut worden“, berichtet sie. Doch das Wasser hat über die Jahre den Beton stark angegriffen.

Die drei Kammern kommen – in enger Abstimmung mit dem Regierungspräsidium – nach und nach an die Reihe, da zwei weiter im Einsatz sein müssen. Nachdem die erste komplett im neuen Glanz erstrahlt, ist die zweite fast fertig, während bei der dritten die Sanierung ansteht. An den drei Kammern kann man den Stand der Dinge nachvollziehen. In der dritten sind die Wände dunkel, der Boden ist von einer dicken Schlammschicht bedeckt. An den Wänden lassen sich die Risse entdecken. „Normalerweise ist die Schlammschicht nicht so dick. Dafür sorgen Wirbeljets, die wir wegen der Sanierung herausgenommen haben“, erklärt Stein.

Ganz anders sieht das erste Becken mit glatten und hellen Wänden aus. Dort sind Wirbeljets bereits wieder im Einsatz. Dementsprechend ist die Schlammschicht auch dünner. Diese wird mit Hochdruckstrahlern beseitigt und kommt in den Faulturm. Das zweite Becken präsentiert sich zweigeteilt. Die erste Hälfte der Wand ist fertig, die zweite bereits ausgebessert und verputzt. Dort fehlt noch die Oberflächenbeschichtung, mit der es nach der Zwangspause weitergehen soll. Aktuell ist die Kammer fürs Regenwasser gesperrt.

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Die Rückhaltebecken sind regelmäßig im Einsatz. Sollten sie überlaufen, was jedoch nur bei ganz besonders starken Fluten von oben passiert, wird das überschüssige Wasser in den Hengstbach abgeleitet. Es kann aber auch ein Fall wie vor einigen Wochen eintreten, dass nach Regen die Becken in Offenthal im Einsatz sind, die in Buchschlag nicht. Das aufgefangene Wasser wird in der Kläranlage gereinigt.

Imposant ist der Anblick auf der anderen Seite. Dort sorgt das Schneckenhebewerk für den Zufluss zur Anlage. Zwei der schraubenähnlichen Gebilde sind für den Transport des Schmutzwassers zur Kläranlage zuständig (Kapazität von 536 Litern pro Sekunde), die beiden anderen für das Rückhaltebecken. Nach Abschluss der Sanierung steht die nächste an. Im Dach des Faulturms wurden Risse entdeckt, die behoben werden müssen. Nach Angaben von Stein laufen die Vorbereitungen für die Ausschreibung. Noch 2016 soll das Vorhaben abgeschlossen werden.

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