Kraftakt für die Kerb

In Sprendlingen ist alles angerichtet: Jubiläumsfest kann kommen

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Blick in die Geschichte: Das Bild entstand bei der Kerbverbrennung 1956. In diesem Jahr gibt’s zum Finale am 16. August eine Show der Firedancer und ein Feuerwerk im Bürgerpark.

Sprendlingen - Es ist nicht zu übersehen. Im größten Dreieicher Stadtteil steht ein besonderes Ereignis bevor. Davon zeugen mehr als 40 große Sprendlinger Fahnen, die das Kerbteam angeschafft und inzwischen zum größten Teil aufgehängt hat. Von Frank Mahn 

Victoria Kern wartet ganz im Stil von Helene Fischer mit einer heißen Bühnenshow auf.

Vom 12. bis zum 16. August steppt auf dem Festplatz an der Mittelstraße der Bär: Fünf Tage und vor allem Nächte wird die 300. Kerb gefeiert. Nur noch siebenmal schlafen, dann endlich kann die Riesensause beginnen. Fast zwei Jahre lang war das Kerbteam um seinen Vorsitzenden Oliver Bohrer mit den Vorbereitungen beschäftigt und hat dabei einen wahren Kraftakt vollbracht. Der etwas mehr als 100 Mitglieder zählende Verein hat sich mit etlichen Aktionen das finanzielle Polster geschaffen, um ein dem Anlass entsprechendes Programm auf die Beine zu stellen. Und das ist gelungen. The Gypsys aus Neu-Isenburg eröffnen am Freitagabend im knapp 1 200 Leute fassenden Zelt den musikalischen Marathon. Weiter geht’s am Samstag mit der Frankfurter Oktoberfestband, die am Montag noch mal am Zug ist und den Opener für Victoria Kern macht, die sich als Double von Helene Fischer einen Namen gemacht hat. Den Sonntagabend haben die Organisatoren für die Lokalmatadoren reserviert – wenn die Fab Five in ihre Oldiekiste greifen und Hits aus den 60er und 70er Jahren raushauen, dann ist sicher: Das Publikum legt jegliche Zurückhaltung ab und gibt bereitwillig den vielstimmigen Chor.

Auf Senioren zugeschnitten ist der Sonntagnachmittag, wenn das Interton-Trio zu einer musikalischen Zeitreise durch die Wirtschaftswunderjahre aufbricht. Bandleader Helmut Sauer verspricht eine Musikshow für Teenager der 50er und 60er Jahre mit Schlagern von Catarina Valente, Freddy Quinn, Peter Alexander und anderen. Dazu spendiert das Kerbteam Kaffee und Kuchen. Erfreulich für die Besucher: Für keine Veranstaltung wird Eintritt verlangt. Um das möglich zu machen, hat der Verein im Vorfeld etliche Ideen umgesetzt, die von den Dreieichern hervorragend angenommen wurden. Die 300 Jubiläumsbembel waren schnell unters Volk gebracht, dazu kamen 400 verkaufte Fahnen, die demnächst die Häuser schmücken werden, und auch von der CD der „Yellow Birds“, das ist der Chor des Kerbteams, sind schon 350 abgesetzt. Rappelvoll ist der Club der 300, dem man gegen eine Spende von mindestens 50 Euro beitreten konnte. Und die Kerbzeitung, die in diesen Tagen an die Haushalte verteilt wird, hat durch die Anzeigen ebenfalls einen Teil zur Finanzierung des Fests beigetragen. Die Zeitung ist umfangreich wie nie, bildet auf 48 Seiten das Kerbgeschehen und Aktivitäten aus dem Vereinsleben ab.

Bilder von der Sprendlinger Kerb

Und natürlich finden sich darin auch Kurzporträts der Kerbborschen. Bohrer und Co. sind stolz, dass sich genügend junge Männer gefunden haben, die den Brauch aufleben lassen. „Ich wollte schon seit fünf Jahren Kerbborsch werden“, schildert Marvin Deicke. Doch es fehlten die Interessenten. Jetzt geht der Wunsch des 22-Jährigen endlich in Erfüllung. Mit ihm ist die Riege der Hut- und Schärpenträger 14 Mann stark. Deicke ist Kerbvadder, muss mithin dafür sorgen, dass alles läuft. „Ein bisschen nervös bin ich schon“, räumt er ein. „Ich bin schon sehr gespannt auf das Aufstellen des Baums.“ Und was reizt ihn so an der Aufgabe? „Es ist für mich das Größte, meine Stadt als Kerbborsch zu repräsentieren“, sagt Deicke.

Es ist also alles angerichtet für fünf unvergessliche Tage und Nächte. Die Vorbereitung sei schon sehr stressig gewesen, aber jetzt sei er entspannt, erzählt Oliver Bohrer. Er hofft, dass der Wettergott es gut meint mit den Sprendlingern und wünscht sich natürlich eine friedliche Kerb. „Wir haben im Vorfeld viel Zuspruch bekommen. Jetzt müssen die Leute nur noch kommen.“ Bohrer freut sich auf vieles, aber auf eines besonders: das Fahnentreffen der Kerbborschen-Jahrgänge am Sonntag bei den „Bermer“ Buben mit anschließendem Umzug ins Festzelt. Diese Tradition lag am Boden, doch das Kerbteam hat sie vor ein paar Jahren wiederbelebt. „Da sitzen zig Generationen zusammen und tauschen sich aus. Das ist einfach eine tolle Atmosphäre“, schwärmt Bohrer.

Sprendlinger Kerb-Frühschoppen: Bilder

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