Johanniter-Haus Dietrichsroth informiert bei Tag der offenen Tür

Kurzzeitpflege als „Probewohnen“

+
Wenn Hanna Yang im Haus Dietrichsroth bekannte Melodien anspielt, setzt ein vielstimmiger Chor ein. Die Pianistin ist regelmäßiger Gast in dem Pflegeheim in der Taunusstraße.

Dreieich - Der Sommer kommt und mit ihm die Urlaubszeit. Die Zeit, in der sich pflegende Angehörige Gedanken machen müssen, wer dann Sorge für den Pflegebedürftigen trägt. Von Sina Gebhardt 

Das Johanniter-Haus Dietrichsroth in Dreieichenhain hat am Samstag genau dieses Thema angesprochen: Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Mit einer Vorstellung des Angebots, Beratungsgesprächen und Führungen zeigte die Einrichtung beim Tag der offenen Tür, welche Möglichkeiten es gibt. Erst erklingt Beethoven, dann das Volkslied „Am Brunnen vor dem Tore“, bei dem alle Bewohner sofort einstimmen. Es ist der Abschluss eines eigentlich ereignisreichen Tages, der, betrachtet man den Ablauf, aber auch ein ganz gewöhnlicher Tag ist: Gemeinsame Gymnastik, Gedächtnistraining, Waffeln und Brot backen und schließlich zusammen singen – das alles gehört zum „Rundum-Sorglos-Paket“, wie es Einrichtungsleiterin Gabriele Roettger formuliert. Sie ist erst am 1. Juni vom Johanniter-Haus in Karben nach Dreieich gewechselt, nachdem die langjährige Heimleiterin Monika Blum aus gesundheitlichen Gründen in den Ruhestand gegangen war.

Nicht nur das Unterhaltungsangebot ist umfassend, auch das Pflegeangebot lässt nichts aus: Stationäre Pflege, Betreutes Wohnen, Physiotherapie, Verhinderungspflege. Mit ihren 16 Betten für die Kurzzeitpflege und 20 Tagespflegeplätzen seien sie im Umkreis sogar die einzigen, erklärt Roettger. Die Nachfrage ist entsprechend hoch, für die Tagespflege gibt es Wartelisten von bis zu vier Monaten. Aber warum eigentlich bieten andere Einrichtungen das nicht auch an? „Es ist natürlich ein unglaublicher Aufwand“, weiß Roettger. „Jedes Mal müssen neue Verträge geschrieben. Das Personal muss sich auf die ständig wechselnden Bewohner einstellen und es ist eine organisatorische Herausforderung.“ Ungeachtet dessen haben die Johanniter auf den Bedarf reagiert und damit ein in der Region einzigartiges Angebot geschaffen.

Das weckt Interesse: Allein am Vormittag hätten rund 30 Besucher Beratungsgespräche in Anspruch genommen, informiert Pflegedienstleiterin Erika Gems. Die häufigsten Fragen gebe es rund ums Thema Finanzierung, wo die meisten Missverständnisse lauern. Während bei der stationären Pflege der Eigenbetrag abhängig von der Pflegestufe ist, zumindest noch nach aktuellem Stand, beträgt der Eigenanteil bei der Kurzzeitpflege 32,86 Euro pro Tag für die Vollversorgung. Er ist pflegestufenunabhängig, da die Kosten für den Pflegeaufwand von der Pflegekasse getragen werden (ausgenommen Pflegestufe 0).

Erster Eindruck zählt - Das richtige Pflegeheim finden

Bis zu 28 Tage stehen dem pflegebedürftigen Menschen je Kurzzeit- und Verhinderungspflege zu. Viele ältere Menschen haben zunächst Angst vor einem Einzug ins Heim, daher biete sich gerade die Kurzzeitpflege gut als eine Art „Probewohnen“ an. „Viele entschließen sich danach, vollstationär bei uns zu bleiben“, weiß Gems und kennt auch die Gründe: „Endlich ist alles ebenerdig, man hat keine Vereinsamung, weil es viele Kontaktmöglichkeiten gibt und man muss sich um gar nichts mehr kümmern.“ Immerhin sind 90 Pflegekräfte im Einsatz, um für das Wohlbefinden der Bewohner zu sorgen. Inzwischen läutet Pianistin Hanna Yang mit „Der Mond ist aufgegangen“ den Feierabend beim Tag der offenen Tür ein. Verschlossen ist das Haus in der Taunusstraße für Außenstehende aber ohnehin nicht. „Wir hatten auch schon junge Leute, die hier eine LAN-Party gemacht haben“, berichtet Roettger. Vielleicht ein zukunftsweisender Trend – zumindest von der Spielekonsole Wii haben sich die Bewohner schon begeistern lassen.

Kommentare