Lärmschutz an der Autobahn

A661: Austausch der Asphaltdecke auf Teilstück

Dreieich - Dieses Thema dürfte die Stadtverordneten noch länger beschäftigen. In der konstituierenden Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung, Umwelt und Energie am Mittwochabend geht es gleich um die Lärmbelastung an der A661 in Dreieichenhain. Von Holger Klemm

Stadtrat Martin Burlon wartet dazu mit zwei wichtigen Nachrichten auf. Anlass für die Diskussion sind zwei FDP-Anträge: Die Liberalen wollen mögliche Regressforderungen für die Lärmschutzwand am Heckenborn, die für die zusätzlichen Belastungen auf Dreieichenhainer Seite verantwortlich sein soll, prüfen lassen und regt eine Kostenschätzung für eine mögliche zweite Wand an der anderen Seite der Autobahn an. Parallel dazu gibt es den Sachstandsbericht des Magistrats.

So kann der Erste Stadtrat mitteilen, dass der zuständige Staatssekretär ihm zugesagt habe, den fehlerhaften Asphalt im besagten Teilstück Richtung Norden durch Hessen Mobil 2017 zu sanieren. Dadurch sei eine lärmmindernde Wirkung möglich. Zudem schlägt Burlon eine neutrale Untersuchung durch einen Professor der Hochschule Darmstadt vor. Ein erster Termin sei im Mai vereinbart. Die Bürgerinitiative, die sich für den Bau einer zweiten Wand einsetzt, habe für dieses Vorgehen Zustimmung signalisiert. Sie hatte – wie berichtet – ein Gutachten in Auftrag gegeben, das eine deutliche Lärmzunahme nach dem Bau der Wand am Heckenborn ergeben hat. Der Stadt wurde bislang nur eine Kurzfassung zur Verfügung gestellt.

Lesen Sie mehr zum Thema:

Lärm an der A661: BI hofft auf gemeinsame Lösung

Autobahn-Lärm: Tempolimit hat Priorität

Reaktionen zum A661-Gutachten

Autobahn-Lärm: Tempolimit hat Priorität

Diese habe man der für den Heckenborn zuständigen LBBW Immobilen Kommunalentwicklung GmbH und dem Land zur Verfügung gestellt, führt Burlon aus. Die dargestellte Verschlechterung der Lärmsituation werde aber von deren Seite nicht bestätigt, heißt es in der Zusammenfassung des städtischen Berichts. So seien auch keine Rückschlüsse auf die Anzahl und die Verteilung der Betroffenen möglich. Die LBBW habe eine Bestätigung vorgelegt, dass beim Bau der Lärmschutzwand hochabsorbierendes Material verwendet wurde, um eine zusätzliche Belastung östlich der Autobahn zu vermeiden. Die Stadt will das aber noch einmal zusätzlich überprüfen, wie Burlon versichert. Zudem soll untersucht werden, ob die in dem Abschnitt vorhandenen Betongleitschutzwände für die Belastung oder eventuelle Wechselwirkungen verantwortlich seien.

Das Ministerium habe eine Überprüfung der Lärmsituation auf Basis der neuen Verkehrszahlen für den Spätsommer angekündigt. Davon möchte die Stadt weitere Schritte abhängig machen. „Deshalb macht ein weiteres Gutachten zum jetzigen Zeitpunkt noch keinen Sinn“, betont Burlon. Eine Untersuchung des Sachverhalts durch die Hochschule könne aber aufschlussreich sein. In dem Bericht wird zudem betont, dass eine Gleichbehandlung aller vom A661-Lärm betroffenen Dreieicher sichergestellt sein müsse.

Holger Gros (FWG) weist darauf hin, dass schon nach der Inbetriebnahme der Autobahn Lärmschutzwälle geplant waren, zu denen es aber nicht gekommen sei. Er stellt wie andere Redner die Frage, ob die Hochschule der geeignete Ansprechpartner sei und ob nicht besser der TÜV mit der Untersuchung beauftragt werden sollte. „Wir haben auch das in Erwägung gezogen“, berichtet Burlon. Die Stadt habe aber mit der Hochschule gute Erfahrungen gemacht.

„Wir müssen gewappnet sein“, begründet Dr. Günter Gericke die FDP-Anträge, zumal die BI ein juristisches Vorgehen angekündigt habe. Redner von SPD, CDU und Grünen entgegnen jedoch, dass die Anträge zu früh kommen. „Erst einmal sollten die anderen Punkte abgearbeitet werden“, so Joachim Greul (CDU), der sich vom geplanten Flüsterasphalt viel verspricht. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Holger Dechert meint, dass die Stadt schon selbst wisse, wann sie Regressforderungen zu stellen habe. Roland Kreyscher, Fraktionschef der Grünen, kritisiert, dass die BI das Gutachten nicht vollständig zur Verfügung gestellt habe. Die FDP verzichtet auf eine Abstimmung zu den Regressforderungen, um den Fraktionen mehr Zeit zu geben. Sie will aber ein Votum zur Kostenschätzung. CDU, SPD und Grüne stimmen dagegen, FDP, FWG und AfD dafür.

Deutsche Autobahn: Rekorde und Mythen

Kommentare