Legendäre Leidenstour

L’Alpe d’Huez: SKG-Triathlet zeigt Mythos die Zähne

Dreieich - L’Alpe d’Huez ist nicht nur ein bekannter französischer Wintersportort in den Alpen, sondern vor allem einer der legendärsten Anstiege der Tour de France. Und auch die Triathleten haben die Strecke mit ihren 21 Kehren für sich entdeckt. Von Patrick Leonhardt 

Auf der Radstrecke mussten 3 000 Höhenmeter bewältigt werden, der SKG-Triathlet biss sich durch.

In das Starterfeld der elften Auflage des Triathlons L’Alpe d’Huez reihte sich erstmals Martin Fitzthum von der SKG Sprendlingen ein. Nach seiner erfolgreichen Teilnahme beim Ironman Frankfurt vor wenigen Wochen wollte er seine gute Form und das viele Training nochmals erfolgreich verwerten. Dabei hatte Fitzthum 2011 noch erklärt, letztmalig in Frankfurt starten zu wollen, wurde dann dieses Jahr aber rückfällig. „Ich war beim ersten, fünften und zehnten Ironman in Frankfurt dabei. Es hat alles gepasst, ich hatte eine gute Vorbereitung, da hat mich die Teilnahme in Frankfurt bei der 15. Auflage noch einmal gereizt. Viele Kleinigkeiten haben im Gesamtpaket dazu geführt, dass ich noch einmal gestartet bin“, sagt der 44-Jährige. Das Ziel am Römer erreichte er nach 9:51 Stunden. Und wie kam es zum Start in Frankreich? „Ich habe ein Interview mit Andreas Böcherer gesehen, der in Frankfurt Zweiter wurde. Er sagte, dass er als Belohnung für Frankfurt in L’Alpe d’Huez starten wolle. Mir war der Wettbewerb bekannt, ich hatte ihn auch im Hinterkopf“, erzählt Fitzthum. Das Interview gab schließlich den Ausschlag, aber während Andreas Böcherer die Kurzdistanz wählte, entschied sich der Egelsbacher für die Langdistanz.

Geschwommen wurde in einem Stausee, der auf rund 700 Metern Höhe liegt, normalerweise gesperrt ist und nur einmal im Jahr für die Triathleten freigegeben wird. Für Fitzthum bedeutete dies: Bereits vor dem Start ging es mit dem Rad eine halbe Stunde lang bergab von L’Alpe d’Huez, wo die Teilnehmer übernachteten, zum Stausee runter. 977 Triathleten machten sich auf die 2,2 Kilometer lange Strecke im Stausee Lac Du Verney. Auf das Schwimmen im 15,9 Grad kalten Wasser folgten 115 Kilometer bei strahlendem Sonnenschein auf dem Rad. Die hatten es in sich und bedeuteten schweißtreibende Kletterei, denn es galt den Grand Serre- Pass mit 1 375 Metern und den Ornon-Pass mit 1 371 Metern zu überwinden, ehe der zwölf Kilometer lange Anstieg hinauf nach L’Alpe d’Huez auf 1 850 Meter den Sportlern alles abverlangte. Das alles summierte sich auf 3 000 Höhenmeter.

Da war es vollbracht. Ausgelaugt, aber überglücklich überquerte Martin Fitzthum die Ziellinie.  

„Die Strecke hat schon etwas Mythisches“, blickt er auf das kräftezehrende Abenteuer zurück. Aufgeben war kein Thema, auch wenn er mal eine kurze Pause einlegte. „Ich bin wegen dieses Anstiegs hier, den muss ich irgendwie packen“, sagte sich der SKG-Athlet. Fitzthum fand seinen Rhythmus wieder und strampelte hinauf bis nach L’Alpe d’Huez. „Als ich oben angekommen bin, war ich überglücklich“, erzählt er. 1:19 Stunden benötigte er für die 21 Kehren – der Streckenrekord bei den Radprofis liegt bei 37:35 Minuten. Eine gute Zeit, „denn ich bin in der Vorbereitung nur einmal zur Burg Frankenstein hochgefahren“, sagt Fitzthum. Die 180 Radkilometer beim Ironman in Frankfurt absolvierte er mit einem Durchschnittstempo von 36 km/h, in Frankreich erreichte er 23.

Beseelt von diesem Fahr-Erlebnis, lief Fitzthum die verbleibenden 22 Kilometer locker nach Hause. Nach 8:30 Stunden überquerte er die Ziellinie – im Unterschied zu rund 200 Teilnehmern, die entweder gar nicht gestartet oder vorzeitig ausgestiegen waren. Der SKG-Triathlet belegte in der Gesamtwertung Platz 291 und in seiner Altersklasse Rang 39. Doch was bedeutet bei solch einem Abenteuer schon die Platzierung? Das Erlebnis vor atemberaubender Kulisse verbunden mit dem Mythos des berüchtigten Alpenklassikers bleiben unvergessen. Und machen Lust auf mehr. Vielleicht sogar auf einen Start beim Ironman Frankfurt im Jahr 2021.

Bilder: Ironman in Frankfurt

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