Lehrer Ottmar Günther paddelt bis zur Nordsee

Im Kanu bis nach Holland: Sieben Stunden nur Gegenwind

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Bei strömendem Regen geht die große Fahrt los: In Ginsheim-Gustavsburg stechen Ottmar Günther und Reinhold Maisch in See.

Dreieich - Von Oppenheim bis zur Nordsee paddeln – Lehrer Ottmar Günther hat seine Kanu-Tour erfolgreich abgeschlossen. Zusammen mit Reinhold Maisch wollte er bei dem ehrgeizigen Ferien-Projekt gut 620 Kilometer Wasserweg zurücklegen. Doch nicht alles lief wie geplant.

„Wir haben es geschafft: Hoek van Holland. Wir sind glücklich und erschöpft“, schreiben Ottmar Günther und Reinhold Maisch am Ende ihres Abenteuers. Der Lehrer der Georg-Büchner-Schule war zusammen mit dem Geschäftsführer des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft seit dem 2. August in einem 90 Zentimeter breiten Kanadier unterwegs. Deutschland vom Rhein aus entdecken – das war die Idee der beiden Reiselustigen. Den Wunsch dazu hatte Günther schon länger, Maisch schloss sich spontan an. Los ging’s in Ginsheim-Gustavsburg unter widrigen Umständen: Strömender Regen stellte die Kanuten vor praktische Herausforderungen: Das Gepäck musste wasserdicht verstaut werden. „Müllsäcke, Karabinerhaken und Wäscheleinen leisteten uns gute Dienste“, notieren die beiden Reisenden in ihrem virtuellen Tagebuch. Zu Beginn ihres Urlaubs machen Günther und Maisch eine lange währende Bekanntschaft: „Als wir unser Boot bestiegen, fiel uns die Vielfalt an gefiedertem Getier auf. Wir hätten nie gedacht, dass die Kormorane, Fischreiher und Möwenarten bis hoch zur Nordsee unsere ständigen Begleiter sein würden.“

Ihre Route führt sie vorbei an Mainz und Wiesbaden ins Mittelrheintal. Noch im Nachhinein begeistert sich der Lehrer aus Dreieich für die romantischen Städtchen „vor der Haustür“. Die Reisenden passieren das Deutsche Eck, paddeln über Bonn, Leverkusen und Düsseldorf zum Niederrhein. In der Nacht kommen Günther und Maisch bei lokalen Ruderklubs unter. „Wir wurden für unseren Mut bewundert, was uns immer wieder aufbaute.“

Denn die Reise auf dem Rhein ist nicht nur anstrengend, sondern auch nicht ungefährlich: Verwirbelungen und wechselnde Strömungen, Wind und zunehmender Schiffsverkehr gehören zu den Herausforderungen. „Konzentration war gefordert.“ Anstrengend war auch das Übersetzen in die Niederlande: „Plötzlich kam Gegenwind, Gewitterwolken zogen auf und es begann zu regnen. Sieben Stunden lang Wind. So war unser Einstieg in Holland.“ Etwa 20 Kilometer vor Arnheim verlassen die beiden Abenteurer den Hauptarm des Rheins. Auf dem Campingplatz folgt die nächste unliebsame Überraschung: Nur drei Grad Temperatur im August, das Zelt macht schlapp und lässt sich nicht mehr schließen.

Zu Wasser geht es zunehmend langsam voran. Ganze fünf Kilometer in zweieinhalb Stunden legen Günther und Maisch zurück. „Es wurde immer stürmischer, der Regen kam von vorne und wir hatten allergrößte Probleme, unser Boot auf Kurs zu halten“, notieren die Reisenden. „Alles hatte sich gegen uns verschworen.“

Urlaub daheim: Top Ziele vor der Haustür 

Das Abenteuer steht auf der Kippe, weil sie nicht vorankommen, aber Günther und Maisch wollen nicht aufgeben. Nach kurzem Zwischenstopp in Rotterdam versuchen sie, wieder „einzubooten“, um die letzte Etappe bis Hoek van Holland zu bestreiten. Mit Erfolg: Die beiden Freunde legen die restlichen 33 Flusskilometer zurück, bis der breiter werdende Rheinstrom endlich in die See mündet. „Es war sehr strapaziös, voranzukommen, aber das Ziel vor Augen ermutigte uns und setzte die letzten Kräfte frei“, so Günther. Voller Stolz erreichen sie die Nordsee.

Trotz der Strapazen und Hindernisse sei es eine tolle Reise gewesen, resümiert der Lehrer, der schon öfters ungewöhnliche Urlaubstouren angetreten hat. „Wir haben einen Teil Deutschlands aus einer ganz anderen Perspektive kennenlernen dürfen.“

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