Hilft auch bei der Arbeitssuche

Lerncafé in Burgkirche ist Erfolgsgeschichte

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Freuen sich auf die Fortsetzung der Arbeit im Lerncafé nach der Sommerpause: Die Helfer Irmhild Küchler, Gisela Schäfer, Kerstin Maaß, Karl-Heinz Küchler, Renate Adler und Uschi Rummel zusammen mit dem Iraner Elias und dem Albaner Gezzi Qarri.

Dreieichenhain - „Wir wollten die Flüchtlinge aus den Unterkünften herausholen.“ Am 5. August 2015 legte ein Team um Irmhild Küchler mit dem Lerncafé in der evangelischen Burgkirche los. Nach einem Jahr sprechen die Helfer von einer Erfolgsgeschichte. Von Holger Klemm 

Der Syrer Mustafa möchte in Darmstadt studieren. Das Foto zeigt ihn mit Renate Adler, die intensiv mit ihm gearbeitet hat.

Viele Flüchtlinge verbesserten ihre Sprachkenntnisse wesentlich, einige fanden eine Beschäftigung.  „Wir sind Freunde geworden“, berichtet Küchler von vielen schönen Begegnungen und Kontakten. Für gestern hatte sie unsere Zeitung trotz Sommerpause in die Winkelsmühle zu einem Gespräch eingeladen. „Wir wollen Hilfe zur Selbsthilfe bieten.“ In der Regel kommen mittwochs um 15 Uhr bis zu 30 Flüchtlinge ins Gemeindehaus. Ein 30-köpfiges Team arbeitet mit Sprachbüchern, hilft bei Hausaufgaben oder unterhält sich über Alltagsprobleme oder die Fluchtgeschichten.

Einen festen Rahmen gibt es nicht. „Jeder wird dort abgeholt, wo er steht“, erzählt Helferin Kerstin Maaß. So gebe es Analphabetinnen, die erst einmal lesen und schreiben lernen müssen. Andere bringen Bücher aus den Sprachkursen mit oder sind schon so weit, auch komplizierte Texte zu verstehen. Oft lernen die Betreuer immer mit dem gleichen Flüchtling, bis er einen Platz im Integrationskurs bekommt. Einige ehemalige Teilnehmer sind im Laufe der Monate anerkannt worden und in eine eigene Wohnung in einem anderen Stadtteil gezogen. Doch der Kontakt bleibe erhalten, freut sich Küchler.

In der Zwischenzeit kommen auch Migranten, die ihre Deutschkenntnisse aufbessern wollen. „Ein afghanisches Mädchen bringt ihre italienische Freundin mit“, erzählt Uschi Rummel, die sich selbst um zwei afghanische Schwestern im Alter von 14 und 15 kümmert und viel Freude an der Aufgabe gefunden hat. „Es gefällt mir sehr gut. Dank des Lerncafés habe ich so gut Deutsch gelernt.“ Erst im Oktober kam der Syrer Mustafa dazu, jetzt hat er den Sprachkurs B1 bestanden. Mit dem Zertifikat kommt der junge Mann seinem Ziel näher, in Darmstadt ein Ingenieurstudium im Bereich Telekommunikation zu beginnen. Er studierte bereits in Syrien, was aber nach einigen Jahren Bürgerkrieg nicht mehr möglich war. Vor seiner Flucht half Mustafa in einem syrischen Flüchtlingslager. Sein Ehrgeiz ist es, das Gespräch zu seinem Asylantrag auf Deutsch zu führen.

„Hier gibt es so viele nette Leute.“ Auch der Iraner Elias ist voll des Lobes. Nach drei Jahren in Deutschland geht es bei ihm um den sprachlichen Feinschliff. In Dreieich gefällt es ihm nach Stationen in Gießen und Offenbach sehr gut. Der Christ engagiert sich als Dolmetscher, in der Burgkirchengemeinde und im Forum Sprendlingen Nord. Der Finanzbuchhalter möchte in Frankfurt Wirtschaftsinformatik studieren, noch lieber wäre es ihm aber, bald eine Arbeitsstelle zu finden. Wegen der bislang fehlenden Anerkennung als Asylbewerber sei das jedoch schwierig. „Ich kann mein Leben nicht planen.“ Allerdings ist er froh, in Deutschland in Sicherheit zu sein.

Weiter ist der Syrer Rabea, der bereits anerkannt ist. Der aus Damaskus stammende Glaser konnte zwei Praktika bei der Glasbaufirma Lippold in Sprendlingen absolvieren. Nun hofft er auf eine feste Anstellung. „Er ist ein super Handwerker“, versichert Irmhild Küchler, die mit ihrem Mann die Betreuung übernommen hat. Probleme habe Rabea, der sehr intensiv mit Karl-Heinz Küchler büffelt, aber mit dem Hessischen. „Was heißt nix?“, fragte er nach einem Praktikumstag.

Das Team verhalf auch anderen Schützlingen zu einer Beschäftigung. Aziz fand eine Lehrstelle in einem Sprendlinger Friseursalon, der Weißbinder Salim eine Arbeitsstelle in Frankfurt und Eyad einen Praktikumsplatz in einem Reisebüro. Die Handwerkskammer hat die Abschlüsse der beiden Syrer Wassim (Zahntechniker) und Ali Alabd (Elektriker) anerkannt, die nun gute Chancen auf eine Anstellung haben. Das Lerncafé möchte gerne weitere Praktikumsplätze vermitteln. Interessierte können sich bei den Küchlers, s 06103 86227, melden. Viele Helfer sind auch außerhalb des Lerncafés aktiv. Dazu gehören Uschi Rummel und Renate Adler, die in die Familien gehen. Kerstin Maaß leitet eine WhatsApp-Gruppe mit für Flüchtlingen interessanten Terminen und Veranstaltungen, aber auch kleinen Spielen. „Die Kommunikation läuft sehr gut.“

Bilder: So helfen Sie Flüchtlingen in der Region

Gisele Schäfer bietet parallel eine Kinderbetreuung in der Winkelsmühle an, damit auch Frauen zum Lerncafé gehen können. „Wir sind oft im Freien, gehen Eis essen oder Minigolf spielen“, erzählt sie. Mit dabei sind auch Jolanda und Filip Qarri, deren Familie - wie berichtet - vor der Abschiebung steht. Helfer haben eine Petition im Landtag eingebracht, damit die albanische Familie, die wegen ihres autistischen Sohnes Delvis nach Deutschland gekommen ist, bleiben kann. „Uns liegt die Familie sehr am Herzen“, betonen Schäfer und Adler, die mit den Kindern gearbeitet hat. Die Qarris seien super integriert. Filip dürfe nach den Ferien aufs Gymnasium, Jolanda sei ein vielversprechendes Basketballtalent. Beide hätten vor zwei Jahren kaum Deutsch gesprochen. Nun bringen sie ihren Eltern die Sprache bei. Ihr Vater Gezim war gestern beim Treffen dabei. Für Gisela Schäfer und die anderen Helfer wäre eine Abschiebung eine Tragödie.

Das Lerncafé öffnet ab 10. August wieder mittwochs um 15 Uhr. Ein Sommerfest gibt es am Mittwoch, 31. August.

* Die Flüchtlinge wollten nicht, dass ihre Nachnamen genannt werden. Wir haben dem Wunsch entsprochen.

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