Emotionale Momente

Lerncafé feiert einjähriges Bestehen

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Die Burgkirchengemeinde dankte den vielen Helfern, Sponsoren und Unterstützern, ohne die das Lerncafé in Dreieichenhain nicht möglich wäre. Nach einem Jahr kann auf viele schöne Erfolge zurückgeblickt werden.

Dreieichenhain - Besser hätte der Termin nicht gewählt werden können. Das gestrige Fest zum einjährigen Bestehen des Lerncafés in der evangelischen Burgkirchengemeinde fiel zufälligerweise zusammen mit dem Jahrestag des berühmten Zitats „Wir schaffen das!“ von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Das Fest zeigte eindrucksvoll, dass mit dem Lerncafé tatsächlich viel geschaffen wurde. Von Holger Klemm

„Ich habe hier eine große Familie gefunden.“ Sichtlich bewegt antwortete eine junge afghanische Mutter, nachdem die zahlreichen Besucher ihren Sohn zum fünften Geburtstag hochleben ließen. Der 13-jährige Philipp bedankte sich wenig später im perfekten Deutsch für die parallel zum Lerncafé laufende Kinderbetreuung in der Winkelsmühle. „Wir haben viel gelernt. Wenn wir ein Wort nicht verstehen, können wir die Helferinnen um Gisela Schäfer fragen.“ Mittlerweile geht der Junge in die siebte Gymnasialklasse der Weibelfeldschule. Beide emotionalen Beiträge unterstrichen auf schöne Weise die Begrüßungsworte von Pfarrerin Barbara Schindler, dass in dem ersten Jahr des Lerncafés viel passiert ist. „Das wollen wir heute feiern.“ Zu dem Fest konnte sie nicht nur ehrenamtliche Helfer und Flüchtlinge begrüßen, sondern auch Unterstützer und Spender. Zu den Gästen zählten der evangelische Dekan Reinhard Zincke, Stadtverordnetenvorsteherin Bettina Schmitt, Bürgermeister Dieter Zimmer, Erster Stadtrat Martin Burlon und Werner Suß vom Dreieicher Weihnachtskalender, der die Einrichtung fördert.

Schindler erinnerte an die Ursprünge vor einem Jahr. An zwei Runden Tischen überlegte die Gemeinde mit Ehrenamtlichen, wie man den Menschen in Not helfen kann. Das Lerncafé in der katholischen Laurentiusgemeinde in Sprendlingen diente schließlich als Vorbild, in Dreieichenhain so etwas auch auf die Beine zu stellen. Die Pfarrerin sprach von einem offenen Ort unter dem Dach der Burgkirchengemeinde für viele Menschen. „Es war ein Sprung ins kalter Wasser“, betonte Irmhild Küchler, die zusammen mit vielen Helfern das Lerncafé zum Laufen gebracht hat. Ohne eine Aufgabenteilung wäre das Projekt nicht möglich gewesen. Jede Woche kommen 25 bis 30 Flüchtlingen, mit denen gelernt wird – möglichst in Eins-zu-eins-Betreuung. Doch es sind nicht nur die Helfer, die mit den Flüchtlingen lernen, es gibt auch ein großes Team, das sich um die Lernmittel, Finanzen, Spenden den Umgang mit Behörden und die Verpflegung kümmert.

Küchler erinnerte auch an schwierige Momente, als beispielsweise im November im Saal des Gemeindehauses kein Platz mehr frei war und das Team an seine Grenzen kam. Doch das habe sich entspannt. „Und wo fängt man an, wenn der Gegenüber kein Wort Deutsch oder Englisch kann?“ Doch mittlerweile können die Helfer auf schöne Erfolgsgeschichten zurückblicken. Dazu gehört Jamal aus Somalia, der mit 35 Besuchen im Lerncafé Spitzenreiter ist, die B1-Sprachprüfung absolvierte und nun eine Arbeit sucht. „Es ist eine riesige Freude“, betonte Antonia Walter, die mit ihm intensiv lernte. Vor einem Jahr konnte er keinen einzigen Buchstaben, mittlerweile kann man ihm Texte diktieren. Jamal sei ein Vorbild für andere Flüchtlingen. „Denn über die Sprache fasst man Fuß.“

Als Vertreterin der Kinderbetreuung, die es seit September 2015 gibt, sprach Daniela Johnsson. „Ich wollte unbedingt helfen.“ Allerdings wusste die junge Frau nicht, wie sie als Rollstuhlfahrerin auf die Kinder wirkt. Doch ihre Bedenken waren unbegründet. „Es macht großen Spaß. Die Kinder bekommen viel vermittelt.“ Einzig das Wort Rollstuhl ist ihnen nicht näherzubringen. „Sie sprechen vom Mini-Wagen.“ Und es ist schwer ihnen beizubringen, dass nur Johnsson diesen fahren darf. Das Lerncafé öffnet jeden Mittwoch um 15 Uhr.

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