Max-Eyth-Schüler demonstrieren, dass sie sich an Wirtschaftfragen herantrauen

Wo es aus Sicht der Jugend hakt

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Über die eingeplante Zeitspanne hinaus debattierte hr-Journalistin Bettina Emmerich (Mitte) mit Zwölftklässlern des Beruflichen Gymnasiums über die Frage, wie eine gerechtere Wirtschaft aussehen könnte. Die Gesprächsbeiträge wird der hr auswerten.

Dreieich - Herrscht in Deutschland wirklich Chancengleichheit? Ist es gerecht, dass Arbeit, die wir alle nicht machen wollen, so schlecht bezahlt wird? Oder sind wir hierzulande einfach schon zu verwöhnt? Alles Fragen, zu denen Zwölftklässler der Max-Eyth-Schüler einiges zu sagen haben. Von Sina Gebhardt

Journalisten des Spartensenders hr-Info traten bei ihrer Schultour gestern in spannende Dialoge mit den Jugendlichen. Es wird diskutiert und hinterfragt, Ideen werden gesammelt und Lösungswege gesucht, alles dreht sich um ein Thema: Wie geht eine gerechte Wirtschaft? Zwei Journalisten von hr-Info sind im Rahmen einer Schultour zum Funkkolleg Wirtschaft in der Max-Eyth-Schule und debattierten mit Jugendlichen, deren Interesse so manch einem Erwachsenen ein Vorbild sein könnte. Sie kommen gar nicht dazu, alle Themen auf der Agenda anzusprechen. Zu lebhaft sind die Diskussionen im Stuhlrund und auch über das ursprünglich für 12 Uhr angesetzte Ende des Besuchs hinaus zeigen die Zwölftklässler aus den Wirtschaftsleistungskursen von Nadine Hausner und Simone Lippisch Ausdauer. „Chapeau! Ich ziehe meinen Hut vor den Schülern“, strahlt Lippisch. Bei der Diskussion nach der sogenannten Fishbowl-Methode sitzt im inneren Kreis eine kleine Gruppe, die aktiv teilnimmt, während im äußeren Kreis die Beobachter weilen. Und nur widerwillig scheinen die Diskutanten dann auch ihren Platz wieder freizugeben.

„Wir haben jetzt schon sieben Schulen besucht und die Bilanz ist sehr positiv“, berichtet Heike Ließmann von der hr-Redaktion Funkkolleg Wirtschaft. Als sie die Tour, die zusammen mit dem Netzwerk Rundfunk & Schule des Hessischen Kultusministeriums erstmalig stattfindet, Anfang des Jahres ausgeschrieben hatte, war die Resonanz so groß, dass statt der geplanten fünf nun zehn Schulen besucht werden. „Es war uns bei der Auswahl der Bewerbungen wichtig, dass wir alle Schulformen berücksichtigen“, so Ließmann. Die Schulen wählen wiederum eine Sendung des Funkkollegs aus und der verantwortliche Autor, in diesem Falle Bettina Emmerich, übernimmt die Moderation der Diskussion.

„Was kann man tun, um gerechtere Verhältnisse zu schaffen?“, stellt Emmerich die zentrale Frage in den Raum. Ob Fair Trade, Mindestlohn oder Erbschaftssteuer – es wird ein breites Spektrum behandelt. „Wir wollen keine Expertenrunde, sondern dass sich auch junge Leute an diese Wirtschaftsthemen herantrauen“, erläutert Ließmann und freut sich, dass das Konzept am Beruflichen Gymnasium der MES aufgeht. Die Schüler haben sich im Vorfeld zu bestimmten Schwerpunkten vorbereitet, weitestgehend in ihrer Freizeit, wie Lippisch informiert, weil der Lehrplan kaum Luft dafür ließ. Auch das Medium Radio weckt das Interesse der Gymnasiasten und bietet ihnen die Möglichkeit, sich auf eine kreative Art mit den Themen auseinanderzusetzen.

Bilder: Abiball der Max-Eyth-Schule in Sprendlingen

So bleibt auch die Diskussion immer in vollem Gange, hier und da müssen Emmerich und Ließmann sie in die richtigen Bahnen führen, weil sie sonst ausarten würde. Bei den Jugendlichen kommt das Angebot augenscheinlich genauso gut an wie bei den Lehrern. „Ich finde es eine gute Idee, weil wir die Möglichkeit haben, auch mal mit Außenstehenden über diese Themen zu reden und Raum für verschiedene Meinungen ist“, urteilt Tamina (17). Sie hat sich mit ihrer Gruppe zur Erbschaftssteuer vorbereitet, aber „man kann bei allen Themen gut mitreden“. Ende Juni, wenn die Schultour abgeschlossen ist, wird die hr-Redaktion sie auswerten und darüber entscheiden, ob sie auch nächstes Jahr wieder an den Start geht, dann zum Thema Sicherheit.

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