St. Stephan wurde vor 50 Jahren geweiht

Modern gedachte große Schwester

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Die Pfarrkirche St. Stephan bietet vollbesetzt etwa 450 Gläubigen Platz. Ihr weiter, offener Innenraum ist baulich vom Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960ern beeinflusst. Darüber klärt auch ein Vortrag im Rahmen der Festwoche auf.

Sprendlingen - Vor 50 Jahren wurde die Pfarrkirche St. Stephan in Sprendlingen geweiht. Das ist im Vergleich zu anderen jahrhundertealten Gotteshäusern nur ein Wimpernschlag, doch St. Stephan entsprang einer neuen Vorstellung des Kirchenbaus. Von Julia Radgen 

Die St. Laurentius-Gemeinde begeht das Jubiläum mit einer ausgiebigen Festwoche. „Der September ist für unsere Pfarrei ein wirklich besonderer Monat“, schreibt Erik Wehner, Pfarrer von St. Lautentius zum Jubiläum. Denn am 25. September feiert die Stephanskirche 50. Geburtstag. „Es ist eine schöne Fügung, dass der Weihetag exakt auf einen Sonntag fällt“. Schon der ungewöhnliche Schnitt von St. Stephan erregt Aufmerksamkeit. Der große Innenraum läuft weiträumig auf den Altar zu, über dem Wandgemälde von Eberhard Münch angebracht sind. In Orange, Gelb und Blau bilden sie einen knalligen Farbakzent zum sonst weißen Raum. Sie schmücken St. Stephan seit der letzten Sanierung 2006 bis 2008. „Unsere Kirche hat dadurch eine freudigere, optimistischere Ausstrahlung“, findet Pfarrer Wehner. Er predigt seit 2005 in den insgesamt drei Kirchen der 2012 zur katholischen Gesamtpfarrei St. Laurentius fusionierten Gemeinden. Schon seit 1985 leitet ein Pfarrer alle Kirchen – Wehner seit 2005.

St. Stephan am Sprendlinger Wilhelmshof hebt sich nicht nur durch seine moderne Bauweise von seinen Schwestern ab: Der 1935 geweihten Laurentiuskirche, die der Gemeinde den Namen gab, sowie der Filialkirche Heilig-Geist in Buchschlag, einer ehemaligen Gastwirtschaft, die 1973 zum Gemeindehaus mit Kirchenraum umgebaut wurde. In St. Stephan finden etwa 450 Menschen Platz. Ihre Größe war der Grund, warum die Kirche überhaupt gebaut wurde. Ab Mitte der 1950er wuchs Sprendling immens: Nicht mehr alle Katholiken fanden Platz in der alten Laurentiuskirche, die etwa 200 Gläubige fasst. Ab 1961 feierte man Gottesdienste im Mehrzweckraum der damaligen Goetheschule, heute Heinrich-Heine-Schule. An katholischen Feiertagen wich man in die evangelische Christuskirche aus. Eine zweite katholische Kirche musste her.

Hinter dem Gotteshaus, das der damalige Mainzer Bischof Dr. Hermann Volk 1965 genehmigte und nur ein Jahr darauf weihte, steckt eine damals neue Idee. „Das Besondere an unserer Stephanskirche ist, dass sie ganz im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils gebaut wurde“, erklärt Wehner. Das dauerte von 1962 bis 1965 und manifestierte die „Vorstellung vom pilgernden Gottesvolk“. Das Konzil beeinflusste auch den Kirchenbau. Der Darmstädter Architekt Josef Leibl, der bereits die Laurentiuskirche erbaut hatte, entwarf St. Stephan in Form eines Zelts. Der Symbolik nach sollten die pilgernden Gläubigen in der Kirche gleich diesem Schutz finden. Zudem war der Altarraum neu, der Priester predigte nicht mehr abgekehrt von den Kirchenbesuchern. „Die Kirche ist dreiecksförmig in die Breite gebaut, vom Altar her sehe ich meine ganze Gemeinde“, sagt Wehner.

Nächstes Projekt von St. Stephan sei die Sanierung der Orgel, verrät Wehner. „Sie ist 28 Jahre alt und muss dringend gereinigt werden“. Die Kosten müsse die Laurentiusgemeinde selbst stemmen, sie sammelt deshalb Spenden. „Wenn der Schmutz entfernt ist, klingen Töne auch endlich wieder gut an“, sagt der Pfarrer.

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