Beliebte Anlaufstelle für Flüchtlingsfrauen mit Kleinkindern

Müttercafé: Lernort und Kontaktbörse in einem

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Groß und Klein, Helferinnen und Flüchtlingsfrauen auf einem Gruppenfoto vereint: In den Räumen von Manuela Schneider (links neben dem Flipchart) geht’s jeden Dienstag beim Müttercafé hoch her.

Götzenhain - In Sprendlingen und Dreieichenhain gibt es unter Gemeinde-Regie schon länger Lerncafés. Auch in Götzenhain haben Flüchtlinge dank einer Privatinitiative inzwischen eine wöchentliche Anlaufstelle: Im Müttercafé kümmern sich Ehrenamtliche vor allem um Frauen mit kleinen Kindern. Von Cora Werwitzke 

Dienstag ist Müttercafé-Tag, das wissen zum Teil schon die Kleinen. Die Treffen sind Unterrichtseinheit, Plaudergelegenheit und Kontaktbörse in einem. Die Beteiligung variiert, mal sind mehr Ehrenamtliche als Teilnehmerinnen da, mal wird an den Tischen zusammengerückt. „Wir fanden, dass es einen Treffpunkt in jedem Stadtteil geben sollte“, sagt Manuela Schneider, die die Räume ihres Diensts Nut & Feder auf dem Gelände der Holzproduktionsfirma Otto Schneider in der Raiffeisenstraße 5 zur Verfügung stellt. Punkt 10 Uhr ist noch nicht viel los. Die Helferinnen haben sich daran gewöhnt, dass die Frauen mit ihren Kindern meist erst peu-à-peu eintrudeln. Kaffee ist frisch aufgebrüht, Tee steht bereit und eine Kleinigkeit zum Naschen auch, sonstige Verpflegung bringen die Frauen reihum mit. Vor einem Flipchart sind Tische in U-Form aufgestellt, hier wird Veronika Hedermann in den nächsten zwei Stunden lockeren Deutschunterricht geben.

Eine Viertelstunde später parken etliche Kinderwagen am Firmeneingang. Die Frauen begrüßen sich mit herzlichen Umarmungen, die Kinder legen schnell ihre Schüchternheit ab. „Aus dem ehemaligen Labor haben wir einen Kinderraum gemacht“, erzählt Manuela Schneider. Dort kümmert sich ein Teil der Helferinnen um den Nachwuchs, während die Mütter im einstigen Ausstellungsraum der Traditionsfirma Schneider erste deutsche Sätze üben. „Während die Männer in Integrationskurse kommen, fallen die Mütter mit kleinen Kindern oft hinten runter“, schildert die Unternehmerin ihren Eindruck. Deshalb sei das Müttercafé mit der Kinderbetreuung speziell an die Bedürfnisse der Frauen angepasst.

Teilnehmerinnen aus Syrien, Afghanistan, Südafrika, Marokko, Eritrea und Inguschetien sitzen zusammen. Sie haben Lernmaterial in ihrer jeweiligen Muttersprache vor sich – eine über Spenden möglich gemachte Hilfestellung. Untereinander ist Deutsch die einzige gemeinsame Basis – „ich bin aus Syrien“, formuliert eine Teilnehmerin bei der Vorstellungsrunde noch etwas unsicher. An diesem Tag widmet sich die ehemalige Deutschlehrerin Veronika Hedermann den Fragewörtern, die zur Belustigung der Frauen alle mit „W“ beginnen. „Mit ,wann‘ fragt man nach der Zeit“, erläutert sie und deutet auf ihre Armbanduhr. Die Frauen im Kreis nicken, einige schreiben mit. Zur Abwechslung gibt’s später einen Erdkunde-Exkurs. Die Lehrerin stellt eine Deutschlandkarte vor, nennt die Hauptflüsse, -berge und -seen und hat ihre Mühe damit, zu erklären, warum Ost- und Nordsee zwar Meere sind, aber „See“ in ihren Namen tragen. Eine arabisch sprechende Helferin wirft immer mal ein erklärendes Wort ein. Während die Lehrerin vorne an das Flipchart schreibt, stillen zwei Frauen ihre Babys. Immer wieder gibt’s kleine Pausen, in denen Ehrenamtliche und Flüchtlinge ihre Köpfe über dem Lernmaterial zusammenstecken.

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„Die Fortschritte, die die Frauen machen, sind sehr unterschiedlich“, sagt Manuela Schneider. Einige haben generell Schwierigkeiten zu lesen und zu schreiben, anderen ist ihre Vorbildung anzumerken. „Wichtig ist letztlich, dass sie hier alle einen Treffpunkt haben“, ist sie überzeugt. Als vergangenes Jahr immer mehr Flüchtlinge in Dreieich strandeten, trieb die Unternehmerin die Frage um, was man konkret tun könne. Sie nahm Kontakt zum Integrationsbüro der Stadt auf, ging zu einem Treffen für Flüchtlingshelfer und fand dort viele Gleichgesinnte. Nach einem Besuch des Lerncafés der Burgkirchengemeinde reifte in ihr der Entschluss, zusammen mit weiteren Götzenhainer Helfern das Müttercafé aus der Taufe zu heben. Gesagt, getan: Im November lief der „Cafébetrieb“ an.

Die Initiative versteht sich als Teil des Flüchtlingsnetzwerks Dreieich. Nach dem Benefizkonzert des palästinensisch-syrischen „Pianisten der Hoffnung“ Aeham Ahmad in Dreieich profitierte somit auch das Müttercafé von der 3350-Euro-Spende an das Flüchtlingsnetzwerk.

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