Auch auf Frankfurter Buchmesse

Sonja Fuhrmann hat Opernführer für Kinder geschrieben

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Buchschlag - Den Raum, in dem ihre Werke entstehen, will Sonja Fuhrmann lieber nicht zeigen. Die Tür bleibt zu. „Da ist gerade alles voller Bücher“, entschuldigt sie sich. Es sei ihr verziehen, denn am morgigen Mittwoch öffnet die Frankfurter Buchmesse ihre Türen, und Fuhrmann ist mit einem eigenen Stand vertreten, an dem sie ihr neues Buch bewirbt. Von Manuel Schubert 

Die Tage vor der Messe, das sei „viel Stress“, sagt die 48-Jährige, „aber es macht auch unheimlich viel Spaß“. Wer der Buchschlagerin an Stand J 100 in Halle 3.0 einen Besuch abstattet, der kann ein brandneues Buch unter die Lupe nehmen. Am morgigen Mittwoch, pünktlich zum Messestart, erscheint Fuhrmanns Werk „Bärchen erzählt Opern aus der Märchenwelt“. Der Opernführer für Kinder erzählt und erklärt auf 171 Seiten acht bekannte Stücke von Humperdincks „Hänsel und Gretel“ über Wagners „Tannhäuser“ bis Mozarts „Zauberflöte“, er kostet 15,90 Euro (broschiert) beziehungsweise 19,90 Euro (Hardcover). Es ist bereits das zweite Opernbuch für junge Leser, das Fuhrmann verfasst hat. Vor einem Jahr, ebenfalls zum Start der Frankfurter Buchmesse, erschien ein ähnliches Buch über Werke aus der Welt der Sagen und Mythen.

Geschrieben hat die gebürtige Darmstädterin, die als Unternehmensberaterin für eine Frankfurter IT-Firma arbeitet, schon immer gerne und viel. Als Kind schickte sie ihrer Tante, die in den USA lebte, regelmäßig seitenlange Briefe. Als sie selbst Mutter war, hielt sie Geschichten für ihre beiden Kinder schriftlich fest. Die Idee, unter die Buchautoren zu gehen, kam Fuhrmann schließlich vor zwei Jahren. Sie und ihr Mann hatten Karten für „Don Giovanni“ in Frankfurt. Tochter Lisa-Lotta, damals gerade einmal drei Jahre alt, wollte unbedingt mit. Fuhrmann versuchte, ihr den Mozart-Klassiker im Vorfeld näher zu bringen, „aber es gab einfach nirgendwo eine kindgerechte Beschreibung“, erinnert sie sich. Also schrieb sie selbst eine.

Dass daraus mittlerweile zwei komplette Bücher geworden sind, sei ein schönes Gefühl, sagt Fuhrmann, „weil man sich gedanklich verewigt“. Im Gegensatz zu vielen anderen Autoren wählte sie nicht den einfachen Weg über Books on demand, sondern brachte ihre Opernführer selbst heraus. Im September 2015 hat Fuhrmann einen eigenen Verlag gegründet. FuhRödArt heißt er – eine Anspielung auf ihren eigenen Namen und den ihres Ehemanns Holger Röder. Gedruckt werden die Bücher in Hochheim im Taunus, der Vertrieb läuft über einen Verlag aus Steinhagen bei Münster. Diese Strukturen aufzubauen war ein hartes Stück Arbeit. „Man muss alles selbst herausfinden“, sagt Fuhrmann, „es gibt keinen, der dir sagt, wie das abläuft.“ Dafür sind ihre Bücher nun im normalen Handel erhältlich – über jede Buchhandlung, dazu auf den gängigen Plattformen wie Amazon oder Hugendubel.

Die Gestaltung hat Fuhrmann selbst übernommen, die Seiten setzt sie am eigenen Computer zusammen. Für die zahlreichen bunten Zeichnungen sorgten fünf befreundete Künstlerinnen aus der Region. Dank ihnen gibt es auf jeder einzelnen Seite des Buchs Illustrationen der Handlung oder des Erzählers, dem kleinen Bär Leporello, benannt nach dem Diener aus „Don Giovanni“, zu sehen. Die jüngste Illustratorin, Clara Plescher, ist gerade einmal zehn Jahre alt und kümmerte sich zusammen mit ihrer Großmutter um Rossinis „La Cenerentola“.

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Die Oper sei ihre „Jugendliebe“, sagt Fuhrmann. Als junge Frau stand sie in London stundenlang für Stehplatztickets in Covent Garden an, ihren Mann lernte sie bei den Bayreuther Festspielen kennen, ihre Kinder hören zum Einschlafen kein „Benjamin Blümchen“, sondern „Siegfried“ oder „Der fliegende Holländer“. Fuhrmann will dazu beitragen, die junge Generation an die Oper heranzuführen, „damit wir irgendwann nicht nur noch Rentner im Theater haben“. Sie bietet Lesungen in Grundschulen und Kindergärten an, auf ihrer Verlagswebsite gibt es einen Blog, auf dem sie Rezensionen über ihre eigenen Opernbesuche schreibt. Und auch ein drittes Buch hat sie schon im Hinterkopf. Um gesellschaftskritische Opern wie „Fidelio“ oder „Zar und Zimmermann“ soll es gehen.

Dass sie irgendwann hauptberuflich für ihren Verlag arbeiten könne, sei „durchaus ein Traum“, sagt Fuhrmann, aber auch noch ein weiter Weg. Nicht nur Opern würde sie gerne kindgerecht erklären, auch Alltägliches wie etwa die Funktion einer Kläranlage oder schwierigere Themen wie das Dritte Reich. An Ideen, so viel ist klar, mangelt es Sonja Fuhrmann nicht.

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